Beim Biikeempfang 2026 standen Sprache, Identität und Zukunft auf der Agenda.
Engagierte Friesinnen und Friesen, Fachleute und Ministerpräsident Daniel Günther suchten in Oldsum nach Antworten auf drängende Fragen der Inseln.
Doch manche Antworten lassen weiter auf sich warten.
Begrüßung mit Humor – und klarer Haltung

Feierlich und zugleich vertraut begann der Biikeempfang des Friesenrat im Ual Fering Wirtshüs in Oldsum auf Föhr. Rund 170 Gäste waren gekommen. Vorsitzender Ingwer Nommensen eröffnete den Abend mit einem Augenzwinkern: „Gestern war hier noch ein Reiterball – falls also noch jemand hier ist, der nicht zu dieser Veranstaltung wollte.“ Das Lachen im Saal war ihm sicher.
Doch hinter dem Humor steckte Ernst. In seiner auf Friesisch gehaltenen Rede zum Motto „Mehr als eine Insel“ erinnerte Nommensen daran, wie wichtig Schutz und Förderung der friesischen Sprache bleiben. Minderheiten, so sein Appell, dürften nicht den „Stürmen des Zeitgeistes“ überlassen werden.
Musik aus der Nachbarschaft

Zwischen den Redebeiträgen brachte Mattis Brodersen musikalische Leichtigkeit in den Biike-Empfang . „Schön, dass ich hier in meinem Wohnzimmer spielen darf“, sagte Mattis, der ganz in der Nachbarschaft wohnt – und tatsächlich wirkte es so: persönlich, nah, fast familiär als er das Lied „Fering in New York” spielte.
Der Ministerpräsident im Dialog

Als Festredner würdigte Ministerpräsident Daniel Günther die friesische Kultur als festen Bestandteil Schleswig-Holsteins. Er versuchte sich sogar an ein paar friesischen Worten – nicht ganz ohne Selbstironie. „Ich hatte gehofft, es einigermaßen richtig ausgesprochen zu haben“, meinte er lachend, nachdem eine Saalhälfte auffällig still geblieben war.
Doch der Abend blieb nicht bei wohlwollenden Worten stehen. In einer moderierten Fragerunde – geleitet von Kerrin Ketels vom Friisk Funk – traten fünf Friesinnen und Friesen vor den Ministerpräsidenten.
Fragen, die bewegen

Kirsten Rickmers, Hebamme von der Insel, sprach über existenzielle Sorgen ihres Berufsstandes. Ihre Frage brachte es auf den Punkt: „Und Daniel, wie bekommen wir die Kuh vom Eis?“
Auch Kinka Tadsen, Tineke Heck-Lemke und Hans Siegfried Oldsen schilderten ihre Perspektiven – von Wohnraummangel über Energiethemen bis zur Zukunft der friesischen Sprache im Schulunterricht.
Patentrezepte hatte Günther nicht im Gepäck. Aber er hörte zu. Und er versprach, die Anliegen mit nach Kiel zu nehmen.
Mehr als ein politischer Termin

Zum Abschluss sangen alle gemeinsam das Friesenlied „Gul, ruad, blä“. Danach wurde weitergesprochen, diskutiert, gelacht. Viele nutzten die Gelegenheit für ein persönliches Wort mit dem Ministerpräsidenten. Fotos mit den Damen in Friesentracht, ein letzter Händedruck – dann wartete die Fähre.
Was bleibt, ist das Gefühl eines Treffens, das mehr war als ein offizieller Empfang. Es war ein Zusammenkommen von Menschen, die ihre Inseln lieben – und die wollen, dass sie lebendig bleiben. In Sprache, Kultur und im ganz alltäglichen Leben.
Und vielleicht beginnt genau dort die Antwort auf die Frage mit der Kuh.
AmrumNews Online-Zeitung der Insel Amrum

