
Eigentlich fühlt es sich an wie eine riesengroße Gartenparty, zu der die ganze Insel kommt. Und dann noch all die Freunde von außerhalb, vom Festland, die extra deswegen anreisen. Dann gibt es Kaffee und Kuchen, Gegrilltes und Getränke, Musik und Magie. Die Stimmung ist ausgelassen, die Sonne scheint, alles schwirrt und summt und brummt in diesem großen Garten, der zur Fachklinik Satteldüne in Nebel gehört. Der Anlass? Das alljährliche Pfingstevent, das sich rund um den traditionellen Mukolauf formiert.
Bereits zum 23. Mal fand am vergangenen Samstag der Spendenlauf zugunsten von Mukoviszidose-Betroffenen statt. Während die Regionalgruppe Amrum den Lauf organisiert, sorgt die Fachklinik Satteldüne seit 2004 für das Rahmenprogramm rund um Spiel, Musik, Informationen und Begegnung. Entstanden ist daraus längst weit mehr als eine Sportveranstaltung – es ist vielmehr ein Herzensprojekt, das Jahr für Jahr Menschen aus ganz Deutschland nach Amrum führt. So haben in diesem Jahr insgesamt 841 Läuferinnen und Läufer teilgenommen, von denen rund 300 auf der Insel leben. Alle anderen sind extra für diesen Termin angereist – und auch das machen viele schon seit etlichen Jahren.

Überraschungsgast vor dem Start
Unter ihnen war auch ein ganz besonders prominenter Gast, der kurz vor dem Start von Klinikchef Christian Falkenberg persönlich begrüßt wurde. In seiner Ansprache an die Teilnehmenden scherzte Falkenberg: “Eigentlich sollte ich ja dieses Mal selbst mitlaufen. Allerdings habe ich gerade noch ein Antiallergikum gegen Heuschnupfen genommen – womit ich durch die strengen Dopingrichtlinien falle. Daher würde ich meine Startnummer an Udo abgeben, Udo Lindenberg, genau! Toll, dass du gekommen bist, Udo. Mit 80 Jahren!” Daraufhin geht ein Raunen durch die Startermenge, Köpfe drehen sich um. “Da steht wirklich einer, der so aussieht”, hört man es wispern. Viel Zeit zum genaueren Inspizieren bleibt in diesem Moment allerdings nicht – schon wird der Countdown heruntergezählt.
Zwischen Tracht und Feuerwehrmontur
Wie in jedem Jahr konnten die Läuferinnen und Läufer zwischen drei Distanzen wählen: Die komplette Umrundung der Insel als Königsdisziplin mit rund 27 Kilometern, die halbe Inselrunde mit 13,5 Kilometern oder der besonders beliebte, familienfreundliche Rundkurs von 4,5 Kilometern. Die Strecken führen dabei durch den Wald, über den Kniepsand, entlang der Dünen und durch die Friesendörfer – für viele Teilnehmende eine besondere Mischung aus sportlicher Herausforderung und einmaligem Naturerlebnis. Besonders herausfordernd wurde der Lauf in diesem Jahr für zwei Gruppen: die Amrumer Trachtenfrauen, die in ihrer mehrlagigen Alltagstracht den Rundkurs auf sich nahmen. Und für fünf Kameraden der Amrumer Feuerwehr, die in Vollmontur unter Atemschutzmasken durch die gleißende Strandsonne liefen. Respekt vor dieser Leistung!
Schon am Vormittag herrschte rund um die Fachklinik geschäftiges Treiben. Letzte Startnummern und T-Shirts (in diesem Jahr ein besonders hoch gelobtes Petrol!) wurden abgeholt, die Bühnentechnik eingerichtet und Informations- und Versorgungsstände aufgebaut. Besonders geschätzt wird beim Mukolauf seit Jahren die familiäre Atmosphäre. Zahlreiche freiwillige Helferinnen und Helfer sorgten entlang der Strecke und auf dem Veranstaltungsgelände dafür, dass sich Gäste und Teilnehmende gleichermaßen willkommen fühlten.
Rekordspende für Mukoviszidose-Betroffene
Neben dem sportlichen Aspekt stand erneut der gute Zweck im Mittelpunkt. Der Lauf macht auf die unheilbare Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose aufmerksam und sammelt Spenden für Betroffene und Projekte auf Amrum. Unterstützt werden unter anderem Maßnahmen an der Fachklinik Satteldüne sowie Aufenthalte und Klimatherapien für erkrankte Kinder und Familien. Viele Läuferinnen und Läufer gingen daher nicht nur für persönliche Bestzeiten, sondern auch zur Unterstützung von Angehörigen oder Freunden an den Start. Und so wurde in diesem Jahr nicht nur ein erneuter Teilnehmerrekord geknackt, sondern auch eine neue Höchstsumme an Spenden erreicht: unglaubliche 72.465,59 Euro! Das entspricht rund 11.000 Euro mehr als im letzten Jahr – und das, obwohl nur rund 40 Teilnehmende mehr an den Start gingen.
Kuchenbuffet, Livemusik und lange Partynacht
Diese Summe und die Zahl an Läuferinnen und Läufern spiegeln die große Beliebtheit dieser Veranstaltung wider. Es ist das erste Open-Air-Event eines jeden Jahres – und eines, das eine ausgelassene Ganztagsparty mit einem guten Zweck kombiniert. Auch abseits der Laufstrecken wird den Besucherinnen und Besuchern einiges geboten. So gab es auch in diesem Jahr wieder Gesundheitschecks, Klinikführungen, ein Kinderprogramm mit Zauberer sowie zahlreiche Essens- und Getränkestände. Das Kuchenbuffet sucht noch immer seinesgleichen – und die Gäste müssen zwischen mindestens 30 verschiedenen hausgebackenen Kreationen wählen. Da müsste man die Insel eigentlich mindestens dreimal umrunden, um all die Köstlichkeiten verdrücken zu können.
Gelegenheit zur Bekämpfung des möglichen tortenbedingten Kalorienüberschusses bot am Abend noch die Kieler Band „Valley“, die mit Rock- und Popklassikern für ausgelassene Stimmung sorgte. Wer später immer noch Energie übrig hatte, konnte noch bis in die frühen Morgenstunden in der Inseldisco 54° Nord das Tanzbein schwingen.
Dank an Helfer und Zuschauer
Die Organisatoren zeigten sich nach dem Event erneut beeindruckt von der großen Unterstützung. Klinikchef Christian Falkenberg bedankte sich vor der Siegerehrung am Nachmittag bei den Mitarbeitenden der Satteldüne, bei allen Unterstützern und natürlich den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die dieses Event jedes Jahr aufs Neue zu einem riesigen Fest machen. Als Teilnehmende möchte ich an dieser Stelle auch meinen Dank an all die mehr oder weniger beabsichtigten “Zaungästen” auf den Laufstrecken aussprechen: Egal, welchem Spaziergänger man auf der Strecke begegnet, fast alle bleiben sie stehen, lachen, klatschen, bejubeln einen. Eine wirklich sehr motivierende Geste!
Tja und Udo? Der meisterte den kleinen Rundkurs in etwa 42 Minuten. Eine echt sportliche Leistung für einen Achtzigjährigen… 😉
Alle Ergebnisse können eingesehen werden unter: https://my.raceresult.com/382461/results
AmrumNews Online-Zeitung der Insel Amrum












