Amrum – ein Hotspot der Biodiversität: Feldarbeiten der Insektenkartierung abgeschlossen …

Die Insektenkartierung auf Amrum ist nach zwei Jahren Feldarbeit abgeschlossen. Erste Zwischenergebnisse zeigen eine außergewöhnlich hohe Artenvielfalt mit bislang 760 nachgewiesenen Arten aus mehreren Insektengruppen. Besonders spannend ist der Fund einer seltenen Sandbienenart, die in Deutschland möglicherweise nur noch auf Amrum vorkommt.

Bei den Feldarbeiten der Insektenkartierung wurden nicht nur Fallen aufgestellt. Die Insektenexperten führten auch Freihandfänge mit Netzen durch.

Zwei Jahre Insektenkartierung auf Amrum

Vor zwei Jahren startete die Insektenkartierung auf Amrum. Das Projekt wurde vollständig vom Land Schleswig-Holstein finanziert. Untersucht wurden Stechimmen (Bienen und Hummeln), Schmetterlinge sowie Käfer auf ausgewählten Heide- und extensiv genutzten Grünlandflächen.

Nun sind die Geländearbeiten abgeschlossen. Die Auswertung eines Teils der gesammelten Proben steht jedoch noch aus. Die finalen Berichte werden im Herbst erwartet.

Die Freiwillige Mila Kayser hat die letzten Insektenfallen eingesammelt. Die Feldarbeit des zweijährigen Insektenprojekts ist damit abgeschlossen.

Freiwillige leisten beeindruckende Feldarbeit

Für die Betreuung der Fallen und das Einsammeln der Proben legten die Freiwilligen des Öömrang Ferian während des gesamten Untersuchungszeitraums über 2.500 Kilometer mit dem Fahrrad zurück – ausschließlich mit Muskelkraft, stets mit voll beladenen Fahrradanhängern, bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit. Denn auch im Winter sind einige sechsbeinige Krabbler unterwegs.

Mila Kayser, die einen Bundesfreiwilligendienst absolviert, zieht Bilanz: „Ich freue mich, dass wir das geschafft haben. Die Kontrollen und Leerungen der Fallen mussten gut organisiert werden. Es war zeitintensiv und manchmal ganz schön anstrengend. Aber es war auch interessant. Es ist beeindruckend, wie viele Insektenarten es hier auf der Insel gibt.“

Amrum – ein Hotspot der Biodiversität

Eine erste Auswertung zeigt bereits die Dimension des Projekts: Insgesamt wurden in den untersuchten Gruppen – Stechimmen, Falter und Käfer – bislang 760 Arten nachgewiesen. Dabei sind noch längst nicht alle Proben vollständig ausgewertet.

Dr. Silke Lütt, Leiterin des Dezernats Biodiversität am Landesamt für Umwelt (LfU), stellte bereits im vergangenen Dezember auf einer Konferenz im Rahmen des Modellprojekts „Naturschutzkoordination bei der Amrum Touristik AöR“ zum Thema Insekten fest: „Die Insektenvielfalt ist einzigartig. Amrum ist ein Hotspot der Biodiversität!“

Warum jedes Jahr andere Arten auftauchen

Der Käferexperte Stephan Gürlich zeigt sich beeindruckt: „Es ist immer wieder erstaunlich. Wir haben im zweiten Jahr des Projekts zahlreiche andere Arten gefunden als im ersten Jahr.“ Daran zeigt sich, wie wichtig Untersuchungen über mindestens zwei Vegetationsperioden sind.

Dass sich die Artenzusammensetzung von Jahr zu Jahr verändert, hat mehrere Gründe: Viele Insektenarten benötigen mehr als ein Jahr für ihre Entwicklung. Außerdem schwanken Populationen oft stark. Witterungseinflüsse wie Temperatur, Niederschlag und Trockenheit wirken sich erheblich auf Entwicklung, Aktivität und Nachweisbarkeit der Tiere aus. Durch ein zweites Erfassungsjahr steigt daher die Wahrscheinlichkeit, auch seltene oder schwer nachweisbare Arten zu erfassen.

Die Rothaarige Düstersandbiene (Andrena thoracica) ist eine sehr seltene Wildbiene, die aktuell in Deutschland vermutlich nur noch auf Amrum vorkommt. Wie alle Sandbienenarten legt sie ihr Nest im Boden an. Die Weibchen graben Gänge in sandige und lockere Erde. Dort legen sie Brutzellen an und versorgen jede mit einem Vorrat aus Pollen und Nektar. © Bernd Hälterlein

Besonderer Fund: Eine extrem seltene Sandbiene

Ein herausragender Nachweis ist die Rothaarige Düstersandbiene (Andrena thoracica).

Diese Sandbienenart kam früher in Süddeutschland und Brandenburg vor, gilt dort jedoch inzwischen als verschollen. Aktuell scheint sie in Deutschland nur noch auf Amrum sicher nachgewiesen zu sein – und wurde dort auf allen untersuchten Flächen gefunden.

Damit trägt Deutschland eine besondere Verantwortung für den Schutz dieser seltenen Art. Die Rothaarige Düstersandbiene ist auf großflächige sandige Heide- und extensiv genutzte Grünlandflächen der Geest angewiesen. Der Erhalt dieser Lebensräume ist daher entscheidend für ihr Überleben.

Engagement für den Lebensraum Heide

Der Öömrang Ferian bietet regelmäßig die Mitmachaktion „Hilf der Heidehummel“ an. Ziel ist es, die Küstenheide mit ihrer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt langfristig zu erhalten.

Die nächste Heidepflege findet statt am 12. Juli 2026. Treffpunkt ist um 11 Uhr am Kiosk der Vogelkoje in Norddorf.

Arbeitshandschuhe und Werkzeug werden vom Öömrang Ferian mitgebracht.

Über Karen Heidemann

Karen Heidemann erblickte das Licht der Welt 1963 in Bremen, nach dem Abitur folgten eine Ausbildung zur MTRA und erste Berufsjahre in Bremer Kliniken, 1988 Studium der Biologie in Oldenburg, entdeckte dort ihre Leidenschaft für die Botanik, schloss ein Auslandsstudium in den USA mit Forschungstätigkeit im Yellowstone Nationalpark ein, war nach ihrem Diplom 1995 als Biotopkartiererin in den neuen Bundesländern unterwegs, wechselte 1996 an die Uni Trier als Wissenschaftliche Mitarbeiterin, entdeckte dort im Rahmen einer ehrenamtlichen Vereinstätigkeit ihre zweite Leidenschaft: Umweltbildung. Ging im Jahr 2000 nach Köln, um als Bildungsreferentin / Projektleiterin in der nachuniversitären Weiterbildung Schwerpunkt Medizin tätig zu werden. Nachdem ihre 2 Töchter zwecks Studiums eigene Wege gingen, verwirklichte sie 2023 ihren Traum, auf einer Nordseeinsel zu leben und kam nach Amrum. Dort war sie in den Bereichen Umweltbildung und Schutzgebietsbetreuung am Naturzentrum in Norddorf tätig, 2025 übernahm sie dort die Leitung.

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