Die Nebeler Bucht ist eine markante Einbuchtung auf der Wattseite, also der Ostseite der Insel Amrum, direkt vor dem historischen Friesendorf Nebel.
Im Gegensatz zum breiten Kniepsand auf der Westseite ist diese Bucht stark durch die Gezeiten geprägt. Bei Ebbe zieht sich das Wasser komplett zurück und gibt den Blick frei auf das Schleswig-Holsteinische Wattenmeer zwischen Amrum, Sylt und Föhr. Bei Flut reicht das Wasser bis nah an den Ortsrand heran.
Mehrere Aussichtspunkte am Wattweg zwischen Nebel und Steenodde bieten einen wunderschönen Panoramablick über die Bucht hinweg auf die markante St.-Clemenskirche und die reetgedeckten Kapitänshäuser von Nebel.
Wie bei allen in der Serie „Amrumer Kontraste“ beschriebenen Aussichtspunkten lohnt es sich auch hier, die Bucht zu unterschiedlichen Tages-, Witterungs- und Jahreszeiten zu besuchen, um insbesondere den extremen Wandel zwischen trockenem Meeresboden und glitzernder Wasserfläche zu erleben.
Die hier gezeigten Fotos sind alle im Bereich der Tontauben-Wurfanlage aufgenommen worden. Sie folgen der Blickrichtung Nordwest auf die Gemeinde Nebel. Der Name Nebel hat übrigens überhaupt nichts mit dem Wetterphänomen einer am Boden liegenden Wolke zu tun, auch wenn sich Nebel schon mal im Nebel befindet. Der Name bedeutet schlicht „Neue Siedlung“ oder „Neuer Ort“ und leitet sich aus einer historischen Wortkombination aus „nei“ für neu und dem altdänischen „bel“ für Siedlung oder Wohnhaus her. Als Nebel im frühen 16. Jahrhundert gegründet wurde, existierten auf Amrum bereits seit langer Zeit die Nachbarorte Norddorf und Süddorf. Deren Bewohner konnten sich bereits Jahrhunderte zuvor nicht auf den Platz für eine Kirche einigen, und so errichtete man diese schließlich auf freiem Feld zwischen beiden Dörfern. Nach und nach wurde dann auch der Bereich um die Kirche besiedelt und so entstand das „Neue Dorf“.
Im Bereich der Nebeler Bucht findet auch der Vogelliebhaber reichliche Beobachtungsmöglichkeiten, da die flachen Wasserbereiche zahlreichen Seevögeln als Rast- und Futterplatz dienen. Im nährstoffreichen Wattenmeer suchen beispielsweise Brachvögel, Schnepfen und Säbelschnäbler im Schlick nach Würmern und Krebsen. Mehrere Möwenarten und Seeschwalben ziehen über die Bucht, tauchen im flachen Wasser nach kleinen Fischen oder rasten am Ufer. Auch Eiderenten und Brandgänse halten sich in den flachen Wasserzonen und Prielen auf. Im Frühjahr und Herbst rasten hier riesige Schwärme von Alpenstrandläufern, Knuts und Ringelgänsen, um Kraft für ihren Weiterflug zu tanken.
Am auffälligsten ist der Austernfischer, den es hier zu sehen gibt. Dieser wird auch „Vogel des Wattenmeers“ genannt und ist hier mit seinem schwarz-weißen Gefieder, dem leuchtend roten Schnabel, den roten Beinen und roten Augenringen ganzjährig auf Nahrungssuche. Er ist ein Watvogel, der bei Ebbe seine Nahrung im Schlickboden sucht und bei Flut sich für gewöhnlich in großen Scharen ans trockene Ufer zurückzieht. Er kann zwar schwimmen, tut dies aber nicht gerne. Der Name des Austernfischers ist wohl ein biologisches Missverständnis, das sich historisch festgesetzt hat. Tatsächlich fischen diese Vögel nämlich so gut wie nie nach Austern. Sein wissenschaftlicher Name ist „Haematopus ostralegus“ und bedeutet „blutfüßiger Austernsammler“. Diese Bezeichnung wurde schlicht in viele Sprachen übernommen. Der Schwede Carl von Linné hat ihm diesen Namen Mitte des 18. Jahrhunderts verpasst. Fälschlicherweise wird der berühmte Naturforscher aufgrund seines Nachnamens manchmal für einen Österreicher gehalten, und so entstand die Mär, dass er die Bezeichnung „ostralegus“ für sein vermeintliches Heimatland „Austria“ gewählt haben könnte, woraus im Volksmund dann der „Austernfischer“ wurde.
Die Nebeler Bucht ist Teil des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, der im Juli 1985 gegründet wurde und das Wattenmeer vor der Nordseeküste Schleswig-Holsteins zwischen der Elbmündung im Süden und der dänischen Grenze im Norden umfasst. Das gesamte Wattgebiet an der Ostseite der Insel Amrum in Richtung Föhr und den Halligen sowie alle tiefen Wasserläufe und Meeresgebiete, die Amrum umgeben, gehören zum Nationalpark. Die feste Landmasse der Insel ist hingegen rechtlich gesehen kein Teil des Parks. Um die sensible Natur der Insel dennoch zu schützen, greifen hier eigene Schutzgebiete, wobei die Siedlungsbereiche Norddorf, Nebel, Süddorf, Steenodde und Wittdün davon ausgenommen sind. Es sind dies: das Naturschutzgebiet Amrumer Dünen, das Naturschutzgebiet Amrumer Odde und das Landschaftsschutzgebiet Amrum, das den Kniepsand, die Heideflächen, den Wald und das wertvolle Grünland außerhalb der Siedlungen umfasst. Man kann somit feststellen, dass man sich rund um Amrum und sobald man die Ortschaften der Insel verlässt, immer in einem Naturschutzgebiet befindet. Seit 2009 sind alle diese Schutzgebiete zudem Teile des UNESCO-Weltnaturerbes Wattenmeer.
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