
„Es kommt zwar nicht häufig vor, aber es gibt unter unseren verehrten Gästen auch Damen und Herren, dabei meistens ältere,die nicht über ein mobiles Telefon verfügen und es dann nicht verstehen können, dass die Telefonzellen abgebaut wurden“,zieht eine Mitarbeiterin der Amrum Touristik Bilanz. Bürgermeister Jungclaus bedauert den Rückbau ebenfalls, aber die Nutzungszahlen sprachen leider klar gegen die Standorte. Dabei wurde solch ein Standort wie der in der Inselstraße, der aus mehreren Telefonhauben bestand, auf einen Apparat reduziert beziehungsweise Einzelstandorte, wie der vor dem Amrum Badeland, gänzlich aufgelöst.
Die Geschichte der Telefonzelle begann nach Angabe der Pressesprecherin im April 1881 in Berlin, als die ersten öffentlichen Fernsprecher, sogenannte Fernsprechkioske, die in Postämtern aufgestellt waren ihren Dienst aufnahmen. Für ein Telefongespräch musste der Kunde vorab am Schalter Billetts à fünf Minuten Gesprächszeit kaufen. Ein Gesprächsbillett kostete 50 Pfennig. Kein ganz billiges Vergnügen. Für den gleichen Preis konnte man auch ein Pfund Schmalz kaufen. Wirkliche Verbreitung fanden die Telefonzellen erst in den 20er Jahren. Die Nachfrage war mittlerweile so groß, dass in den Telefonzellen ein Schild angebracht wurde, auf dem zu lesen stand: “Nimm Rücksicht auf Wartende – fasse dich kurz!” Der private Telefonanschluss wurde erst viel später, Ende des 20. Jahrhunderts, zur Regel.
Die Telefonzelle hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Neben dem Namen “Fernsprechkiosk” gab es auch die Bezeichnungen “Fernsprechzelle”, “Fernsprechpavillion” oder “Straßensprechstelle”. In der Alltagssprache durchgesetzt hat sich die ein wenig klaustrophobisch klingende “Telefonzelle”.
1932 wurde per Dienstanweisung auch die Farbe vorgegeben: Demnach mussten die Häuschen in den Farben der Deutschen Reichspost gelb und blau angestrichen sein. Rein Gelb sind sie erst seit der Nachkriegszeit. Seit der Gründung der Deutschen Telekom im Jahr 1992 werden immer mehr gelbe Häuschen durch Kommunikationsterminals in den Unternehmensfarben Grau und Magenta ersetzt.
Derzeit betreibt die Deutsche Telekom rund 80.000 öffentliche Telefonstellen. Davon sind 1300 bereits internetfähige MultiMediaStationen.
In 2007 wurden 283 Millionen Telefongespräche über öffentliche Fernsprecher geführt.
AmrumNews Online-Zeitung der Insel Amrum

