
Heideblüte in Dünen und auf der Geest – wenn die Insel in Purpur leuchtet
Wenn die Tage langsam kürzer werden und der Hochsommer allmählich zu Ende geht, beginnt auf Amrum eine ganz besondere Jahreszeit. Die Heide steht in voller Blüte, die Luft wird klarer und das Licht bekommt bereits einen ersten herbstlichen Ton. Wenn die Heide blüht, leuchtet das Purpur ihrer Blüten in den Dünen. Einzelne Heidesträucher und große Heideflächen bringen jetzt Farbe in die Landschaft. Entlang des Tannenwai lassen sich die Heideflächen zu Fuß oder mit dem Fahrrad erleben. Das Grün der Gehölze und Bäume trifft auf das kräftige Purpur der Heide und das Blau des Meeres – eine der vielen besonderen Seiten der Insel. Doch die Heide ist nicht nur landschaftlich von Bedeutung. Auch für die Artenvielfalt ist sie ein wichtiger Bestandteil der Amrumer Natur. Vor allem während der Blütezeit wird sie zu einem wahren Insektenparadies. Zahlreiche Insekten werden vom Duft der Heideblüten angezogen – überall summt und brummt es.

Von der Besenheide bis zur Krähenbeere – die Vielfalt der Heide entdecken
Besonders charakteristisch für die Amrumer Heide ist die Besenheide (Calluna vulgaris). Sie ist wohl die bekannteste Heidepflanze der Insel. Ihre Blütezeit reicht – abhängig von Witterung und Standort – meist von August bis September. Doch auf Amrum kommen noch weitere Heidearten vor, darunter die Glockenheide (Erica tetralix) und die Krähenbeere (Empetrum nigrum). Die Glockenheide bevorzugt feuchtere Standorte und ist daher vermehrt in den feuchten Dünentälern zu finden. Die Krähenbeere wächst auf Amrum häufig in den Dünen, kommt aber auch auf der Geest gemeinsam mit der Besenheide vor. Ihr Vorkommen weist auf ältere Heidebestände hin und kann zugleich ein Hinweis auf die natürliche Entwicklung von Heideflächen hin zum Wald sein.
Damit die Heide erhalten bleibt, braucht sie Pflege
Damit die verschiedenen Heidearten und ihre Blütenpracht langfristig erhalten bleiben, sind gezielte Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen erforderlich. Besonders ins Auge fallen dabei die Mahdstreifen, die sich deutlich von der übrigen Vegetation abheben. Ziel der Mahd ist es, die Heide zu verjüngen und auf den Flächen unterschiedliche Altersstrukturen zu schaffen. Durch die Anlage von Mahdstreifen in einem „Schachbrettmuster“ entstehen auf kleinem Raum vielfältige Strukturen. Dadurch können unterschiedliche Lebensräume geschaffen und die Artenvielfalt auf den Heideflächen gefördert werden.

Seltene Pflanzen profitieren von den Pflegemaßnahmen
Dass diese Maßnahmen Wirkung zeigen, lässt sich auch an seltenen Pflanzenarten beobachten. In diesem Jahr konnte die Quendel-Seide (Cuscuta epithymum), die auf der Roten Liste Schleswig-Holsteins als „vom Aussterben bedroht“ geführt wird, auf Amrum nachgewiesen werden. Sie kam sowohl in Mahdstreifen als auch auf beweideten Flächen und in Plaggflächen vor. Die Besonderheit der Quendel-Seide: Sie ist eine Schmarotzerpflanze und lebt auf anderen Pflanzen, unter anderem auf Heidearten. Eine weitere Pflanze, die neben den verschiedenen Heidearten auf den Flächen nachgewiesen werden konnte, ist das Gewöhnliche Kreuzblümchen (Polygala vulgaris). Auch diese Art ist auf der Roten Liste Schleswig-Holsteins zu finden und durch die zunehmende Vergrasung von Heideflächen bedroht. Ihr Vorkommen zeigt, wie wichtig eine gezielte Beweidung zum richtigen Zeitpunkt sein kann. Durch die Beweidung wird die Vergrasung der Heideflächen gehemmt. Gleichzeitig sorgen entsprechende Weidepausen während der Blütezeit dafür, dass schützenswerte Pflanzenarten ausreichend Zeit zur Entwicklung und Vermehrung haben.

Ein Blick auf den nächsten Spätsommer
Wer die Heideblüte in diesem Jahr verpasst hat, darf sich bereits auf das nächste Jahr freuen. Anfang August beginnt wieder die Blütezeit, und auch dann wird es wieder Heideführungen geben. Dabei werden nicht nur die verschiedenen Heidearten vorgestellt, sondern auch die notwendigen Pflegemaßnahmen erläutert. Bei hoffentlich sonnigem und warmem Spätsommerwetter lässt sich die Heide dann wieder mit allen Sinnen entdecken und erleben.
AmrumNews Online-Zeitung der Insel Amrum

