Blackout auf Amrum – ist das denkbar?

Ein länger andauernder Stromausfall hätte auf Amrum weitreichende Folgen. Doch wie realistisch ist ein solches Szenario, welche Vorkehrungen gibt es auf der Insel und wie können sich Einheimische und Gäste darauf vorbereiten? Ein Blick auf mögliche Ursachen, die Folgen eines Blackouts und den Katastrophen- und Bevölkerungsschutz auf Amrum.

Stromausfälle: keine unrealistische Gefahr

Die Schlagzeile in der BILD-Zeitung vom 18. Oktober 2026 lautete: „Blackout im Norden – 40.000 Haushalte ohne Strom in Schleswig-Holstein“. Wahrscheinlich führte ein Blitzeinschlag in einen Hochspannungsmast zu einem Kurzschluss. Das zeigt, dass großflächige Stromausfälle durchaus vorkommen können.

Im Januar 2026 war Berlin betroffen. Dort dauerte es mehr als vier Tage, bis die über 45.000 betroffenen Haushalte und 2.200 Betriebe nach einem linksextremistischen Brandanschlag wieder mit Strom versorgt werden konnten. Nach einem terroristischen Anschlag waren im September 2025 erneut Berlin und seine Bewohner betroffen: 50.000 Haushalte und Betriebe hatten 60 Stunden lang keinen Strom. Im Februar 2019 waren es abermals in Berlin 32.000 Haushalte und 2.000 Gewerbebetriebe, die nach einem Bauunfall ohne Stromversorgung waren.

Im Juli 2021 waren infolge der Naturkatastrophe im Ahrtal in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen Hunderttausende Menschen zeitweise ohne Strom.

Auch Amrum war bereits einmal über einen längeren Zeitraum betroffen. Ab dem späten Nachmittag des 28. Januar 2011 waren aufgrund eines technischen Defekts große Teile der Insel fast zwölf Stunden lang ohne Strom.

Technische Defekte, misslungene Bauarbeiten, Naturgewalten oder terroristische Anschläge waren in diesen Fällen die Ursachen für einen Blackout. Darüber hinaus muss man sicherlich auch kriminelle Hackerzugriffe, hybride Angriffe, kriegerische Auseinandersetzungen und Vandalismus als mögliche Auslöser in Betracht ziehen.

Die Frage „Blackout auf Amrum – ist das denkbar?“ muss daher mit einem klaren Ja beantwortet werden. Dabei geht es weniger darum, ob ein solcher Fall eintritt, sondern vielmehr darum, wann es passieren könnte. Die Gefahr eines längeren Stromausfalls ist real.

Was passiert, wenn der Strom ausfällt?

Um es klarzustellen: Wenn es keinen Strom mehr gibt, funktionieren weder elektrische Beleuchtung noch Elektroherde, Kühlschränke oder elektrische Heizungen. Mobilfunk- und Festnetze können ausfallen, Internet, Fernsehen und Radio bleiben unter Umständen stumm. Wasser- und Abwasserpumpen fallen ebenso aus wie Tankstellen, Verkehrsampeln, Aufzüge und Straßenbeleuchtung. Auch Geldautomaten, Kartenzahlungen und Ladenkassen funktionieren dann nicht mehr.

Stromausfälle, die nur wenige Stunden dauern, lassen sich in der Regel noch relativ problemlos bewältigen. Dauert der Ausfall jedoch zwölf bis 24 Stunden oder länger, können bereits erhebliche Probleme auftreten. Kühlpflichtige Lebensmittel können verderben und kühlpflichtige Medikamente ihre Wirksamkeit verlieren. Das öffentliche Leben wird deutlich eingeschränkt.

Bei niedrigen Außentemperaturen drohen Menschen und Tiere auch in ihren Häusern zu frieren. Gleichzeitig steigt das Risiko, dass Wasserleitungen einfrieren und platzen, wodurch erhebliche Gebäudeschäden entstehen können.

Hält ein Blackout noch länger an, muss mit Versorgungskrisen bei Lebensmitteln, Treibstoffen und Medikamenten gerechnet werden. Auch die öffentliche Sicherheit kann gefährdet sein. Notrufe bei Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst lassen sich möglicherweise nicht mehr zuverlässig absetzen. Ohne Straßenbeleuchtung und funktionierende Kommunikationswege steigt das Risiko von Panikreaktionen, gewalttätigen Auseinandersetzungen und Plünderungen.

Letztendlich besteht auch die Gefahr, dass elektrische Geräte beschädigt werden oder durch Überspannungen beim Wiederherstellen der Stromversorgung Brände entstehen. Der Stromausfall im Oktober hat die möglichen Risiken erneut deutlich gemacht.

Deshalb gilt es, bei einem Stromausfall unter anderem den Herd zu kontrollieren und gegebenenfalls manuell auszuschalten. Empfindliche Elektrogeräte sollten bei Bedarf vom Stromnetz getrennt werden. Wenn kein geeigneter Überspannungsschutz vorhanden ist, kann es außerdem sinnvoll sein, nach fachlicher Einschätzung weitere Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

Bevölkerungsschutz: vom Rückbau zur Modernisierung

Mit dem Ende des Kalten Krieges und letztendlich dem Fall der Berliner Mauer wurde der aus den Erfahrungen der beiden Weltkriege hervorgegangene Zivil- und Katastrophenschutz weitgehend zurückgebaut. Bunkeranlagen, Sirenennetze sowie Hilfs- und Sanitätszüge wurden aufgelöst, da man einen Krieg in Europa für unwahrscheinlich hielt.

Die Terroranschläge vom 11. September 2001 und das verheerende Elbhochwasser im Jahr 2002 führten zu einer Kehrtwende. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) wurde gegründet.

Spätestens die Corona-Pandemie, die Flutkatastrophe im Ahrtal und der Ukrainekrieg haben auch in der breiten Bevölkerung zu einer stärkeren Sensibilisierung für das Thema geführt. Der Bevölkerungsschutz erfährt derzeit eine umfassende Modernisierung. Dazu gehören der Wiederaufbau von Sirenennetzen, zusätzliche Warnmöglichkeiten und verstärkte Investitionen in die Widerstandsfähigkeit kritischer Infrastrukturen.

Das BBK übernimmt im Alltag vor allem eine unterstützende Rolle. Die operative Verantwortung für den Katastrophenschutz liegt gesetzlich bei den 16 Bundesländern, die jeweils eigene Landesgesetze haben. Die Länder übertragen die konkrete Umsetzung dieser Gesetze auf die unteren Katastrophenschutzbehörden der Landkreise und kreisfreien Städte.

Für Amrum ist die untere Katastrophenschutzbehörde des Kreises Nordfriesland zuständig. Sie ist als Teil der Kreisverwaltung im Bereich Feuerwehrwesen und Bevölkerungsschutz angesiedelt.

Im Ernstfall koordiniert dort ein Führungsstab unter Leitung des Landrates Großeinsätze bei Naturkatastrophen oder Infrastrukturausfällen. Um eine effektive dezentrale Einsatzführung zu ermöglichen, sind acht regionale Stäbe für die Inselbereiche und das Festland gebildet worden.

Welche Vorkehrungen gibt es auf Amrum?

Im Bedarfsfall tritt auch auf Amrum der Krisenstab zusammen. Kritische Einrichtungen und Infrastrukturen, beispielsweise das Wasserwerk, die Tankstelle, Wohn- und Pflegeeinrichtungen sowie das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ), sollen über Notstromaggregate versorgt werden.

Notfall-Infopunkte, beispielsweise an Feuerwehrgerätehäusern oder an der Schule, werden mit autarken Feuerwehreinheiten besetzt. Sie dienen als Anlaufstellen für Notfallmeldungen und Informationen.

Zugesagt ist die Bereitstellung weiterer Notstromaggregate. Bislang stehen dem Bevölkerungsschutz auf der Insel bereits drei Aggregate zur Verfügung. Darüber hinaus halten die Feuerwehren und die Versorgungsbetriebe eigene Stromerzeuger vor.

Geplant ist außerdem, die regionalen Stäbe mit Möglichkeiten zur Satellitenkommunikation auszustatten. Dadurch sollen sie unabhängig von der terrestrischen Mobilfunkversorgung kommunizieren können.

Zwei Szenarien für einen Blackout auf Amrum:

Grundsätzlich müssen zwei unterschiedliche Szenarien betrachtet werden.

Szenario A: Nur Amrum ist betroffen

Ist allein die Insel Amrum von einem Stromausfall betroffen, kann damit gerechnet werden, dass Hilfe von außen kommt. So geschah es beispielsweise im Januar 2011, als noch in derselben Nacht mit der W.D.R.-Fähre Hilligenlei zusätzliche und leistungsfähige Notstromaggregate auf die Insel gebracht wurden.

In einem solchen Fall erscheint auch die Versorgung mit Lebensmitteln, Medikamenten und Treibstoff grundsätzlich gesichert, sofern die Transportwege und die entsprechenden Liefermöglichkeiten verfügbar bleiben.

Szenario B: Ein großflächiger Blackout betrifft auch das Festland

Betrifft der Blackout große Gebiete über Amrum hinaus und kommt möglicherweise auch der Fährbetrieb zum Erliegen, könnte die Insel längere Zeit vollständig auf sich allein gestellt sein. Hilfe von außen wäre dann unter Umständen nicht zu erwarten.

Da die individuelle Versorgung der Bevölkerung möglicherweise nicht mehr gewährleistet werden kann, müssten beispielsweise Lebensmittel rationiert oder zentrale Essensausgaben eingerichtet werden. Diese Aufgaben würde dann der Krisenstab Amrum koordinieren. Die rechtlichen Befugnisse der jeweiligen Einsatzleitung richten sich dabei nach den geltenden gesetzlichen Regelungen.

Es ist davon auszugehen, dass der Zusammenhalt der Amrumer Bevölkerung im Katastrophenfall eine wichtige Rolle spielen und die gegenseitige Unterstützung gut funktionieren würde.

Schwieriger könnte die Lage mit den möglicherweise zahlreichen Gästen auf der Insel werden. Viele von ihnen sind mit der örtlichen Infrastruktur nicht vertraut und möchten möglicherweise so schnell wie möglich nach Hause zurückkehren. Hier sind auch die Vermieter in der Pflicht, ihre Gäste über das richtige Verhalten in einer Krisensituation zu informieren und ihnen wichtige örtliche Anlaufstellen zu nennen. Hierzu  erarbeitet der Amrumer Krisenstab gerade ein entsprechendes Informationspapier für die Vermieter.

Vorsorge beginnt im eigenen Haushalt

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat bereits vor längerer Zeit einen Ratgeber zur Notfallvorsorge und zum richtigen Handeln in Notsituationen herausgegeben. Er enthält persönliche Checklisten und praktische Hinweise zur Vorbereitung auf Notfälle sowie zum richtigen Verhalten in Krisensituationen und ist kostenlos erhältlich.

Bekannt ist insbesondere das orangefarbene Heft, das inzwischen in einer Neuauflage vorliegt. Der Ratgeber sollte in keinem Haushalt fehlen. Er ist in verschiedenen Sprachen verfügbar und kann über die Website www.bbk.bund.de heruntergeladen oder angefordert werden.

Sinnvoll wäre es außerdem, diesen Ratgeber zusammen mit Informationen und Empfehlungen zu den örtlichen Gegebenheiten auch in allen Ferienunterkünften auszulegen. So könnten sich auch Urlaubsgäste bereits vor einem möglichen Notfall mit den wichtigsten Verhaltensregeln vertraut machen.

Wo gibt es weitere Informationen?

Im Hinblick auf eine mögliche Krisensituation bietet die untere Katastrophenschutzbehörde des Kreises Nordfriesland Informationen und Unterstützung auf ihrer Website an:

www.nordfriesland-sei-bereit.de

Eine gute Vorbereitung, verlässliche Informationen und gegenseitige Unterstützung können entscheidend dazu beitragen, die Folgen eines länger andauernden Stromausfalls zu bewältigen. Auch auf Amrum gilt deshalb: Ein Blackout lässt sich nicht mit Sicherheit verhindern – aber seine Auswirkungen lassen sich durch rechtzeitige Vorsorge begrenzen.

Über Peter Totzauer

Dr. med. Peter Totzauer, Facharzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Anästhesie, Notfallmedizin, Spezielle Schmerztherapie, geb. 1954 in Fürth/Bay., hat, bedingt durch den Beruf des Vaters, als Kind u.a. 4 ½ Jahre in Frankreich gelebt. Abitur 1974 in Köln, Studium der Humanmedizin an der Universität Bonn. War seit 1982 ärztlich tätig, davon viele Jahre als Oberarzt in der Anästhesie und als Leitender Notarzt in Euskirchen. War 2007 für ein halbes Jahr im Rahmen einer „Auszeit“ vom Klinikalltag bei seiner Lebensgefährtin und mittlerweile Ehefrau Claudia auf Amrum. Dies hat ihm so gut gefallen, dass er seit Ende 2008 seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ganz auf die Insel verlegt hat und hier seit 2010 mit in der „Praxis an der Mühle“ gearbeitet hat. In 2024 ist er endgültig in den ärztlichen Ruhestand getreten. Er hat zwei erwachsene Kinder, sein Sohn ist niedergelassener Physiotherapeut in Neuss, seine Tochter ist Lehrerin an der Öömrang Skuul.

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