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Neuester Seenotrettungskreuzer der DGzRS in Bremerhaven auf den Namen ERNST MEIER-HEDDE getauft…

Am Samstag wurde in Bremerhaven der jüngste Seenotrettungskreuzer (bis zur Taufe unter SK 35 geführt) und sein Tochterboot (TB 39) der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) getauft. Mit dem Neubau stellt die Gesellschaft ein Typ-Schiff der neu konzipierten 28 Meter-Schiffsklasse in Dienst. Die auf der FR. Fassmer Werft in Berne an der Unterweser gebaute Neuentwicklung wird auf der Station Amrum die bis dahin stationierte „Vormann Leiss“ (Baujahr 1985) ablösen, erklärte der stellvertretende Vorsitzende der DGzRS Michael Schroiff. Er betonte in seiner Taufrede, dass der Neubaus ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen ermöglicht wurde. „Unsere 300.000 treuen Förderer im ganzen Land haben diesen neuen Seenotrettungskreuzer finanziert. Sie alle können zu Recht von sich behaupten, ihren Teil zu diesem Neubau beigetragen zu haben. Für alle Beiträge sage ich im Namen der Seenotretter herzlichen Dank“, so Schroiff.

Die 28-Meter-Klasse wird nach und nach die Seenotrettungskreuzer der 27,5-Meter-Klasse ersetzen, so die Planung. Zwei weitere Schiffe dieses Typs seien bereits bestellt. Die äußerliche Ähnlichkeit zu der mit 36,5 Meter noch längeren „HARRO KOEBKE“, die Mitte 2012 in Sassnitz stationiert wurde, ist nicht zu verleugnen.

Karin Fahrenschon, Ehefrau von Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Hauptsponsor der Jubiläumsveranstaltungen der DGzRS, taufte den Seenotkreuzer auf den Namen „ERNST MEIER-HEDDE”. Sie wünschte „allzeit gute Fahrt und der Besatzung stets eine sichere Heimkehr“. Das Tochterboot wurde von Nicole Keller, einer Enkelin Meier-Heddes, auf den Namen „LOTTE“, dem Vornamen ihrer Großmutter und Meier-Heddes Ehefrau getauft.

Bei Schauerwetter und einer steifen Brise säumten unzählige Menschen den Weserdeich, um der Taufzeremonie beizuwohnen. Eingerahmt wurde die Taufe des neuen Seenotrettungskreuzers von einer imposanten Parade mit rund fünfzig Rettungseinheiten aus dem In- und Ausland. Die „ERNST MEIER-HEDDE“ setzte sich frisch getauft an die Spitze der Parade und führte die Schiffe auf der Weser an.

Harald Fassmer berichte in seinen Grußworten vor der Taufe, dass seine Werft aufgrund des fixen Tauftermins bei diesem Neubau unter einem großen Druck gestanden hat. Die ersten Erprobungen hätten bereits die hohe Seetauglichkeit unter Beweis stellen können. Bei den verbauten Motoren sorgen spezielle Techniken für die Betriebssicherheit, selbst bei Krängung von bis zu 60°. Ansonsten seien nicht mehr als 45° üblich. Sven Witzke, Vormann der neuen Rettungseinheit, zeigte sich nach den bisherigen Probefahrten bereits sehr zufrieden. Maschinist Lars Jensen erklärte uns seinen neuen Arbeitsplatz im Schnelldurchlauf. Eine Menge Elektronik verrät die Betriebszustände auf den Displays. Neu ist für ihn, dass auf der Brücke ein weiterer Maschinenkontrollstand vorhanden ist und ein Spiegel der Kontroll- und Reglungstechnik im Maschinenraum darstellt. Für den ersten Maschinisten Bernd Zimmermann heißt es nach der Taufe, erstmal wieder nach Hause zu fahren. Er hatte in den letzten Monaten Holger Freese von der Inspektion der DGzRS auf der Werft bei der Bauüberwachung unterstützt.

Bereits am Vortag hatten „Die Seenotretter“, anlässlich ihres 150-jährigen Bestehens einen großen Festakt in Bremen begangen. Im Beisein von Schirmherr Bundespräsident Joachim Gauck taufte seine Lebensgefährtin Daniela Schadt das neue Rettungsboot (RB 69) auf den Namen „HENRICH WUPPESAHL“.

Die Feierlichkeiten in Bremerhaven nutzten Tausende Besucher, um die im neuen Hafen allein festgemachten rund ein Dutzend Schiffe der DGzRS sowie zahlreiche Rettungseinheiten ihrer ausländischen Schwesterorganisationen aus nahezu allen europäischen Nachbarländern zu besichtigen. Zudem hießen einige deutsche Behördenschiffe und Hubschrauber der Partner der DGzRS auf und über See, darunter die Bundespolizei und die Deutsche Marine, die Interessierten an Bord willkommen. Mit der „Vormann Leiss“ und dem „Museumsschiff“ „Bremen“ fuhren gleich zwei Rettungseinheiten in der Parade mit, die auf Amrum stationiert waren. Wirklich ganz großes Kino. Wenn die „ERNST MEIER-HEDDE“ mit „LOTTE“ im Juni nach Amrum kommt, werden wir natürlich noch ausführlich berichten.

Die Eckdaten des Jubiläumskreuzers:

Das 24 Knoten (ca. 45 km/h) schnelle Schiff wird von einer vier Mann starken Besatzung gefahren. Besondere Merkmale sind eine umfassende Ausrüstung zur medizinischen Erstversorgung an Bord, eine Feuerlöschpumpe mit ferngelenktem Monitor zur Bekämpfung von Bränden auf See und die Fähigkeit, sich im Falle des Durchkenterns innerhalb weniger Sekunden selbst wieder aufzurichten. In der für Seenotrettungskreuzer typischen Heckwanne führen die 28-Meter-Einheiten jeweils ein gut acht Meter langes Tochterboot mit sich.

Die Eckdaten der neuen Klasse: Länge über Alles: 27,90 Meter • Breite über Alles: 6,2 Meter • Tiefgang: 2,00 Meter • Geschwindigkeit: 24 Knoten (ca. 45 km/h) • Besatzung: 9/4 Pers. (Stamm/Einsatz) • Antrieb: zwei Propeller, je 1.440 kW/1.958 PS = 2.880 kW/3.916 PS • Verdrängung: 120 Tonnen

Namensgeber:

Der Reeder Ernst Meier-Hedde (1913-1994), Mitbegründer der Bremer Schlüssel-Reederei für Massengutschiffe, war von 1980 bis 1990 elf Jahre lang ehrenamtlicher Vorsitzer der Seenotretter. Sein Engagement war bestimmt von dem Bestreben, den Seenotrettern stets ein Höchstmaß an Sicherheit an Bord zu geben – als wichtigste Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz auf See. Seine im Beruf gewonnenen Erfahrungen stellte er voll in den Dienst der DGzRS. Durch sein vorbildliches Wirken, seine menschliche Haltung im Dienst der humanitären Aufgabe und sein Fachwissen prägte er das Bild der DGzRS im In- und Ausland nachhaltig. Mit der Namengebung würdigt die DGzRS indirekt ein zweites Jubiläum des Jahres 2015: Vor 25 Jahren, unter dem Vorsitz von Ernst Meier-Hedde, kehrte die Gesellschaft auf ihre angestammten Stationen in Mecklenburg-Vorpommern zurück. Die Wiedervereinigung der Seenotretter aus Ost und West war ein Höhepunkt seiner Tätigkeit.

www.150-jahre-seenotretter.de

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Über Thomas Oelers

Thomas Oelers wurde 1966 in Wittdün auf Amrum geboren - ein echtes Inselkind. Nach seiner Schul- und Ausbildungszeit entschied er sich auf der Insel zu bleiben. Heute arbeitet der Vater von 2 Kindern in einem Wittdüner Betrieb als Zentralheizungs- und Lüftungsbaumeister. Seit 2003 recherchiert und fotografiert er als freier Journalist akribisch im Amrum-News Team.

Ein Kommentar

  1. Ich wünsche “der Hedde” und seiner “Lotte” allzeit eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und Ihr und Ihrer Besatzung stets eine sichere Heimkehr und eine erfolgreiche Arbeit! Freue mich schon darauf, sie im Seezeichenhafen liegen zu sehen.
    Tim Rommen

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