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Feiern, weil der Arzt da ist: Fünf Jahre Praxis an der Mühle

Es war der Morgen nach dem Sturmtief, als in herrlich erfrischenden Luft im großen Ärztehaus gegenüber der Nebeler Mühle die Türen aufgingen, die Sonne durch die Wolken brach und herein- und herausströmende Gäste das fünfjährige Praxisjubiläum von Dr. Claudia Derichs und Dr. Peter Totzauer feierten. Schöne Idee für diese zwei Stunden zwischen 10 und 12 Uhr: Derichs, passionierte Heilpflanzengärtnerin, führte immer neue Gäste durch ihren Kräutergarten rund ums Haus, während drinnen die drei Künstler Rede und Antwort standen, deren Fotografien und Bilder man auch außerhalb solch einer schönen Praxisfeier-Vernissage in den Warte- und Sprechzimmern begucken kann.

Claudia Derichs mit ihren Gästen...

Claudia Derichs mit ihren Gästen…

Derichs Eröffnungsrede war wohltuend kurz und praxisnah. Wie schnell sind fünf Jahre verflogen? Ihr Dank ging an alle, die den spannenden Aufbau mitgetragen haben, an „die tollen Mitarbeiter und den lieben Peter“, ihren Lebensgefährten und Praxisarzt. An Doris Zimmermann und Kristine Thomsen (die leider nicht mit dabei sein konnte), die als medizinische Fachangestellte alle Tage seit dem ersten erlebt und mit geplant und Ideen entwickelt haben. Inzwischen gehört auch noch Kerrin Dethlefsen zum Team.

Was die Kunst an diesem Mittag betraf, waren die Ärzte eindeutig in der Überzahl. Totzauer stand in einem der Sprechzimmer vor seinen Makro-Naturaufnahmen und strahlte: „Alles Fotos aus dem eigenen Garten“, während seine Lebensgefährtin gerade draußen mit einem Augenzwinkern erklärte, „wir mögen Sachen, die man essen und aus denen man Schnaps machen kann“.

Peter Totzauer: Der Vermouth hat aber nicht geschmeckt...

Peter Totzauer: Der Vermouth hat aber nicht geschmeckt…

Der Vermouth habe aber nicht geschmeckt, sagte Totzauer und grinste. „Aber aus den Johannisbeeren haben wir einen Aufgesetzten gemacht. Sehr gut!“ Draußen vor der Tür frotzelte Derichs derweil über den rasanten Hustenreizstillstand ihres Partners, sobald sie in solch einem Krankheitsfall mit einem Sträußchen Thymian für Tee aufwartet. „Nach dem ersten Becher hustet er nicht mehr, weil er den Geschmack kein zweites Mal haben will.“ Neben Thymian strich man im Garten um ganz, ganz viele Kräuter, Blumen und Gewächse, darunter Lavendel (Ruhe), Spitzwegerich (antibakteriell), Borretsch (Salat) und einen kleinen Feigenbaum. „Auf Hooge neben der Kirche steht einer, und ich wollte auch schon immer einen“, sagte Claudia Derichs und zog mit der nächsten kleinen Besuchergruppe weiter durch ihre Beete.

Immer rein in den Garten: Claudia Derichs bei ihrer Führung

Immer rein in den Garten: Claudia Derichs bei ihrer Führung

Zweiter Doktor mit Foto-Kunst war nach Peter Totzauer Dr. Steffen Ulbrich, ein Chirurg aus Lüneburg, der, so die Selbsteinschätzung, bis vor fünf Jahren nur knipste, aber seitdem fotografiert. Wund-der-schön!, muss man sagen. Alles zerfließt in diesen Fotos: die Wolken, das Wasser, die Welle und der Wind. Das Meer wie Milchglas, die Wolken in ihrer Bewegung eingefroren durch die Technik der Langzeitbelichtung („eine bis anderthalb Minuten reichen schon“), alles möglich mittels Stativ und Graufilter. Ausstellungen in Hamburg und Berlin gabs auch schon – und als Werksquerschnitt einen sehr schönen Kalender. Ulbrich, der jetzt 50 Jahre ist, macht in der Praxis an der Mühle noch bis Juli 2016 seinen Facharzt für allgemeine Medizin, ein Quereinstieg für Veränderungswillige wie ihn, der nach einer Krankenhauskarriere als Chirurg mit seinen Zukunfts-Ideen einfach noch nicht am Ende ist.

 

Medizin meets Kunst: Peter Totzauer, Claudia Derichs,  Kerrin Dethlefsen, Doris Zimmermann, Steffen Ulbrich und Georg Dittmar (von links)

Medizin meets Kunst:
Peter Totzauer, Claudia Derichs, Kerrin Dethlefsen, Doris Zimmermann, Steffen Ulbrich und Georg Dittmar (von links)

Georg Dittmar war der Dritte im Künstlerbunde. Seine ein Quadratmeter großen Öl-auf-Leinwand-Bilder hängen im Wartezimmer und hingen auch schon in der Nebeler Mühle, im Amt Föhr-Amrum und beim Kunst-Event der Amrumer Rotarier. Dass er sich selbst eher als Maler denn als Sänger sieht, mag für die meisten Amrumfans vielleicht neu sein, die den Mann hauptsächlich als wunderbaren Musiker und Sänger der Band „Crazy Horst“ kennen. Für Dittmar wärs eigentlich völlig ausreichend, wenn ihn Journalisten nur freundlich anlächeln – so viel sagen will der Mann gar nicht. Seine Bilder, die mich ein bisschen an Max Beckmann erinnern, der seine Feinnervigkeit oft hinter Zynismus versteckte, „passieren so“, sagte Dittmar. Das Bild „Fische nach Amrum tragen“ sei wie Eulen nach Athen tragen, sagt der Maler und guckt schelmisch. Es erinnert ihn an die Beobachtung, dass manche Gäste amrumerischer als die Amrumer sind.

 

Es war ein schönes Fest, was sich in den zwei Stunden in Ärztehaus und Kräutergarten ausbreitete. Die Gäste kamen, gingen, guckten, lobten, pflückten, schnupperten und hoben die Gläser. Da waren alte Ärzte , alte Freunde, junge Freunde, Patienten, der Rettungssanitäter, die Polizei, der Pastor und die Bürgermeister. Zuvorkommend bewirtet von drei netten Helfer-Ladies, die sich um immer volle Sekt-und-Selters-Tabletts kümmerten und um all die kleinen Jubiläumsgeschenke, die wahrscheinlich sagen sollten: Danke schön, weiter so!

 

 

 

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Über Undine Bischoff

Journalistin und Texterin. Fuhr mit drei Jahren zum ersten Mal über den Kniep – in einer Schubkarre. Weil ihr Vater da draußen eine Holzhütte baute, zwanzig Feriensommerjahre lang. Betextet Webseiten und Kataloge, schreibt für verschiedene Medien und natürlich für Amrum News.
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