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Nah am Feuer: Heiße Konzerte im Blaufeuer…


Aus der Erinnerung ging der Text ungefähr so: “Ich hab eine Flasche Weißwein / und du hast ein Leben / das klingt doch nach einem guten Plan”. Was an den letzten beiden Samstagen im Amrumer Laden “Blaufeuer” abging, klang auch nach einem guten Plan – war aber eigentlich mehr ein spontanes Unterfangen. Sébastien Lehmann, Musiker und Psychologe und seit ein paar Monaten an der Fachklinik Satteldüne, spielte dort gemeinsam mit Wolfgang Kapke, Amrums Gartenplaner und -bauer. Den einen Abend unterstützt durch einen Taiji-Lehrer-Freund aus Berlin, den anderen zu zweit, als Lemon Duo, weil leider er dritte des Lemon Trios, Trommler Oliver Markgraf, krank zu Hause lag.

Sébastien Lehmann mit Oli Übel (v. l. n. r.) und Wolfgang Kapke (mit Brille) am Tisch davor Foto: Irena Katadzic
Sébastien Lehmann mit Oli Übel (v. l. n. r.) und Wolfgang Kapke (mit Brille) am Tisch davor
Foto: Irena Katadzic
Spaß am Feuer und Oma Hasenclevers schöne Decken Foto: Undine Bischoff
Spaß am Feuer und Oma Hasenclevers schöne Decken – Foto: Undine Bischoff

 

Für diese musikalische Reise zwischen komponierten Songs aus Mexiko, Indien, Namibia, Berlin und Amrum(!) war das Blaufeuer perfekt. Weil man in dem Multi-Store von Sybille und Sven Hasenclever die Modesachen mal eben im Regal verschwinden lassen und dann die große Kabeltrommel als Bartisch nutzen kann, weil die wunderschönen Häkeldecken von Oma Hasenclever aus den locker in den Raum gestellten Klappstühlen und den Fensternischen gemütliche Lauschplätze machen und weil die Getränkeauswahl bei Gin, Tonic, Wein, Bier und Limo ein bisschen besonders ist. “Ich mag die Atmosphäre”, sagt Sébastien Lehmann. “Die ist nicht so gerade.” Während sich der Laden füllt, der mit fünfzig Gästen dann auch wirklich voll und gemütlich ist, hat man Zeit sich zu Überlegen, dass hier wohl der einzige Ort ist, wo ein an die Wand gehängter Riesenbildschirm mit still vor sich hin loderndem Kaminfeuer nicht spießig wirkt. Im Gegenteil, wer mittags sein Süppchen dort isst (leckere Kreationen für 5,50 Euro und jenseits der Wir-sind-eine-Insel-wir brauchen-Büsumer-Krabbensuppe-Doktrin), der kuschelt sich mit Suppenschale und Zeitung am liebsten ganz nah an den Fernseher. Darf man eigentlich gar nicht weiter erzählen so was …

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Sébastien Lehmann und Wolfgang Kapke – Foto: Undine Bischoff

Also weiter mit Musik: Lehmann und Kapke harmonieren phantastisch miteinander. “Unsere Gitarren singen gut zusammen”, sagt Kapke. Seine hat der Diplom-Ingenieur einem Instrumentenbauer in Berlin von der Wand weg gekauft. Kapke, der gemeinsam mit seiner Partnerin auf Amrum auch Klangmassagen anbietet, wollte eigentlich eine Klangliege kaufen. “Aber dann sah ich die Gitarre, und es war es Liebe aufs erste Ohr.” Beim Lemon Duo sind die Rollen klar verteilt, sagt Sébastien Lehmann: “Wolfgang ist frei, und ich hab den Song.” – “Sébastien ist der Sammler”, sagt Kapke. “Er schreibt ständig Sätze auf, die eine Art Poetik in sich haben und fügt daraus dann einen Text zusammen.” – “Ich weiß oft vorher nicht, was aus den Sätzen wird”, sagt Lehmann. “Sie sind wie Puzzlestücke, die irgendwann ein Bild ergeben.” Den 32-jährigen Musiker, der auch als Gitarrenlehrer arbeitet und im Jugendzentrum hilft, hat Amrum enorm inspiriert. “Seitdem ich hier bin, habe ich schon sechs Lieder geschrieben. Der Kniep, diese Weite … toll!”, sagt Lehmann. An den zwei Abenden tauschte er die Gitarre auch mal mit dem Clavinova der Ladenchefin, deren elektronisches Piano aus Jugendzeiten zum Einrichtungs-Mischmasch passt.

 

Auch Sybille und Sven lauschen hinter dem Tresen der Musik... Foto: Peter Lückel
Auch Sybille und Sven lauschen hinter dem Tresen der Musik…
Foto: Peter Lückel

Als am ersten Blaufeuer-Musik-Samstag aus dem Berliner Taiji-Lehrer Oliver Hübel der Punk-Liedermacher Oli Übel wurde, gab es auch feines Programm, das eigentlich ohne Punk auskommen sollte. Nun waren aber einige Gäste von der ganzen Darbietung so angefixt, dass sie lautstark Punk forderten, den sie dann auch bekommen sollten. Laut und gut! Vorher ging’s bei Herrn Übel natürlich auch um Liebe (Du bist weg / und mir ist kalt) , und es ging auch um Sex. Während eine Mutter im Publikum immer wieder seufzend die Augenbrauen hob, saß ihr Teeny-Filius daneben und beklatschte jedes Lied sehr gelassen. Oliver Hübel, übrigens Mag. phil, will Ostern 2016 wieder für einen Taiji-Workshop auf Amrum sein. Vielleicht bringt er Oli Übel ja mit, dann gibt’s wieder schön ‘was auf die Ohren.

Vorher aber bestimmt auch. Und etwas zu essen gibt’s ohnehin. Denn im Blaufeuer soll auch den Winter über Feuer sein.

 

 

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About Undine Bischoff

Journalistin und Texterin. Fuhr mit drei Jahren zum ersten Mal über den Kniep – in einer Schubkarre. Weil ihr Vater da draußen eine Holzhütte baute, zwanzig Feriensommerjahre lang. Betextet Webseiten und Kataloge, schreibt für verschiedene Medien und natürlich für Amrum News.

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