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Bootsmann dunkel. Ein Bier für Amrum. Auf der Insel gebraut.

Wir empfehlen Ihnen, sich zu bevorraten! Ist einer der bekanntesten Aldi-Sprüche überhaupt und passt top auf folgende Situation: Amrumer Jung braut aus Lust an Neuem ein Bier. Auf der Insel. Befindet es für gut, füllt es in eine klassische Bügelflasche, geschmückt von einem Etikett mit alter, Amrumer Familiengeschichte und bietet seinen Kleinstmengenausstoß im hippen Nebeler Blaufeuer-Laden an. Was glauben Sie, wie schnell das Zeug ausverkauft war?!

Bier für Amrum, von Amrum: Brauer Dirk Lutz mit Blaufeuer-Chefin Sybille Hasenclever

Bier für Amrum, von Amrum: Brauer Dirk Lutz mit Blaufeuer-Chefin Sybille Hasenclever

Bootsmann dunkel ist ein obergäriges Vollbier. Leicht moussierend, extrem frisch, süffig, süßlich-herb, tolle Farbe. Mann, was für eine Idee, denkt man sich, und sitzt Dirk Lutz am Tisch im Blaufeuer gegenüber. Neben ihm Sybille Hasenclever, die den Laden, in dem Lutz jetzt sein Bier braut, gemeinsam mit ihrem Mann betreibt. Coole Küsten-Klamotten, Longboards, Platten (Vinyl!), Bücher, Gin, Weine, Tee – und demnächst echtes Amrumer Bier. Gebraut in der Küche. “Der Deal ist, er macht hinterher auch sauber”, sagt die Chefin und lacht. Da kein Bitterhopfen dabei ist, riechts auch nicht unangenehm in der Ladenküche.

Dirk Lutz trinkt sein Bier nicht, er schmeckt es nur ab. “Der letzte Abgang fehlt mir also”, gibt er zu. Lutz ist trockener Alkoholiker – seit sechs Jahren. Das solle man ruhig schreiben, sagt der Mann. “Das macht vielleicht auch Mut.” Der 45-jährige Amrumer, der mit Frau und zwei Kindern in Süddorf lebt und in der Küche der Fachklinik Satteldüne arbeitet, hat im letzten Herbst mal in den Sternenhimmel geguckt (tatsächlich!) und nachgesonnen, was ihm denn noch so Spaß machen würde. Zum Beispiel ein schönes Handwerk, von der Insel für die Insel. Der gelernte Restaurantfachmann kocht gern. “Bier brauen, ist wie Suppe kochen”, sagt er und lacht. Er hat mit Braumeistern und Händlern gesprochen, sich Tipps und Braugerät besorgt, Gerste, Hefe, Hopfen und Freunde und Familie probieren lassen. “Das ist so gut, das sollte man verkaufen”, war der Tenor der Runde. Und dann haben sie ein Stück Familiengeschichte aufs Etikett gehoben: Das Bild vom Segelschiff ist im Familienbesitz, der Uropa seiner Frau Kerstin ist auf ihm gefahren, er war der Kapitän der Olympia. Und Bootsmann? So heißt das Haus von Kerstin und Dirk Lutz, das sie an Feriengäste vermieten.

Leider alle leer: Deko vorm Blaufeuer

Leider alle leer: Deko vorm Blaufeuer

Der Bier-Probelauf zum Jahresende 2015 in der Blauen Maus, im Blaufeuer und der Biodüne war sehr erfolgreich. “Als wir die ersten Biere bekamen, haben wir gedacht, na ja, mal gucken”, sagt Sybille Hasenclever. Sie und ihr Mann sind mit Dirk Lutz und seiner Frau befreundet, die Kinder gehen gemeinsam zur Schule, da wars auch ein kurzer Weg zur Zusammenarbeit. Und ein Volltreffer. “Zu Silvester waren alle Flaschen weg”, sagt Hasenclever. Die Halbliterflasche kostet 3,85 Euro plus Pfand, so viel, wie handgemachte (Craft-)Biere heute so kosten. Und ist ein verdammt beliebtes Mitbringsel. Rund einen Monat braucht Dirk Lutz, bis der gebraute Nachschub wieder zu haben ist. Hauptgärung, Nachgärung, Reife. “Tut mir Leid, ist in Arbeit, dauert aber noch ein bisschen”. Immer, wenn Sybille Hasenclever das auf Nachfrage erzählen musste, guckten die anderen Kunden ganz interessiert. Wie, ein Bier von hier? Dirk Lutz’ Output derzeit sind rund 60 Liter, macht 120 Flaschen. Er hat Lust auf mehr. Die Bootsmann-Fans auch …

Mit dem Schaum ist er nicht so ganz zufrieden. Da experimentiert er noch. Sonst trifft das Bier seine Vorstellung gut. Das Pils, der Klassiker des norddeutschen Raums, ist nicht so sein Ding. “Ich orientiere mich lieber am belgischen Ale und am fränkischen Landbier.” Was ihn am Thema Bier fasziniert, ist seine Vielseitigkeit. Lutz liebt das Tüfteln. “Schon die Temperatur von Haupt- und Nachgärung hat Einfluss auf den Geschmack.” Bald lagern unten im Blaufeuer die Fässer. In den Kellern der ehemaligen, alten Apotheke. Hat irgendwie Charme. Dann gibts handgemachtes Bier zu handgemachter Focaccia von der Blaufeuer-Chefin. Passt! Ab Pfingsten ist wieder Nachschub da. Auf Grund großer Nachfrage kann es zu Engpässen kommen. Wir empfehlen ihnen, sich zu bevorraten.

 

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Über Undine Bischoff

Journalistin und Texterin. Fuhr mit drei Jahren zum ersten Mal über den Kniep – in einer Schubkarre. Weil ihr Vater da draußen eine Holzhütte baute, zwanzig Feriensommerjahre lang. Betextet Webseiten und Kataloge, schreibt für verschiedene Medien und natürlich für Amrum News.
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