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Ban Horn – von der Nordsee bedroht

Im Abendlicht leuchtet die Abbruchkante vor Ban Horn wie das Rote Kliff bei Kampen auf Sylt

Amrum wird fast auf der ganzen Länge der Westküste durch die Natur, durch den Kniepsand geschützt. Aber nicht überall! Nämlich dort, wo der Kniep gegen die Küste ausläuft, holen Strömung und Brandung besonders gravierend ein und setzen die aus Dünenwällen gebildete Insel­küste zurück. Das ist zur Zeit an der Amrumer Nordspitze vor Ban Horn der Fall. In unglaublich kurzer Zeit hat die Nordsee hier die noch vor wenigen Jahren breite Strandfläche mit ihrem Platz zum Volley­ballspielen der Schüler aus dem benachbarten Schullandheim der ADS abgebaut und greift bei jeder Sturmflut die Küstendünen an, so dass sich Steilkanten ähnlich dem Roten Kliff auf Sylt ergaben. Zweimal, 2015 und 2016, wurden diesem Kliff durch das Küstenschutzamt umfang­reiche Sandmassen – mit Lastwagen geholt vom Kniepsand aus der Ge­gend am Quermarkenfeuer – vorgebaut, eine Maßnahme, die jeweils etwa 300.000 Euro kostete.

Aber es genügten einige wenige Sturmfluten, und die Sandmassen waren weggespült, so dass die Abbruchküste dem Schul­landheim immer näher kommt.

Nur noch 10 Meter bis zur Abbruchküste

Aber auch der Kniepsand wandert mit ei­ner breiten Sandfläche erneut von Südwesten heran – fraglich aber, ob er sich erneut schützend vor Ban Horn ausbreitet oder ob weitere Male Lastwagen über den Kniepsand hin und her brausen müssen, um mit Sand aus der Gegend des kleinen Leuchtturmes die Verluste auszuglei­chen, um den Bestand des Schullandheimes zu sichern, bis der Kniepsand heran- und vorbeigewandert ist und für den Schutz von Ban Horn sorgt.

Arbeitsdienstbaracke als Familienbad
Der Flurname Ban Horn läßt sich nicht mehr unmittelbar erklären. Hier hat es in geschichtlicher Zeit keinen Landvorsprung (Hörn) und infolgedessen auch kein Ban (Binnen) gegeben.Es sei denn, dass mit der Bezeichnung Hörn die gesamte Nordspitze gemeint war. Heute be­zieht sich die Bezeichnung ausschließlich auf das Schullandheim. Der Ursprung dieses Heimes geht zurück auf den Deichbau am Ostufer der Norddorfer Marsch im Jahre 1934/35 durch den Einsatz des “Frei­willigen Arbeitsdienstes”.
Während für die gleichzeitige Bedeichung der Wittdüner Marsch die Männer im nahe gelegenen “Landhaus” untergebracht waren, wurde für die Arbeitsdienstmänner des Norddorfer Dei­ches auf “Gäärsdääl”, nordöstlich vom Seehospiz I, ein Barackenlager errichtet. Nach Abschluss der Arbeit standen die Baracken leer und wurden dann von der Gemeinde Norddorf erworben und auf die andere Seite zum Weststrand verfrachtet und dort für die Räumlichkeiten der Kurverwaltung (Familienbad, Badekabinen.Toiletten etc.) zu dienen. Norddorf war nämlich im Jahre 1925 selbständige Gemeinde geworden und hatte den Fremdenverkehr – bisher in Händen des Seehospizes und des Ho­tels Hüttmann – selbst in die Hand genommen. Der Badestrand befand sich damals aber bei Ban Horn, denn hier brandete die Nordsee ohne vorgelager­ten Kniepsand frei gegen die unmittelbare Inselküste. Und die Kurgäste von Norddorf konnten ab Bahnhof im Süden des Dorfes mit der Inselbahn direkt bis zum Badestrand fahren, weil sich dort eine Seebrücke für die Dampferlinie Norddorf – Hörnum – Hamburg befand.

Dann wurde 1939 durch Deutschland der 2. Weltkrieg ausgebrochen, und mit dem Badeleben war es bis über Kriegsende 1945 vorbei. Auch die Inselbahn war abgebaut worden. Erst nach der Währungsreform 1948 begann sich der Frem­denverkehr wieder zu regen, und der Badestrand befand sich unverändert mit entsprechenden Räumlichkeiten bei Ban Horn. Aber der Kniep war auf seiner zügigen Nordwärtswanderung der Küste, die damals übrigens keine Angriffs- und Abbruchküste war, sondern hinter einem flachen Dünenwall zum Strand abfiel, sehr nahe gekommen, so dass dort beim Baden die be­liebte Brandung zu fehlen begann. Der Badestrand wurde dann an die heute noch vorhandene Stelle vor den Norddorfer Strandübergang verlegt.
Nun lagen die Baracke mit den Badekabinen und sonstigen Einrichtungen un­genutzt da und drohten dem Vandalismus der Dorfjugend anheimzufallen.

Ein Finanzbeamter richtet ein Jugendheim ein
Aber dann tauchte im Jahre 1951 der Finanzbeamte Johann (“Loni”) Lorenzen auf, Initiator des “Gemeinnützigen Vereines für Jugenderholung und Freizeitgestaltung auf den Nordfriesischen Inseln” mit Sitz in Flensburg. “Loni” hatte kurz vorher schon den ehemaligen Rettungsboot-Schuppen “Batjes Stieg” zu diesem Zweck ausgebaut und ein nebenan liegendes Dü­nental mit großen Wohnzelten in die Jugendarbeit einbezogen. Durch die “Grenzlandjugend” wurde “Batjes Stieg” mit Jugendgruppen aus der ehemaligen Grenzgebieten Tirol, dem Sudetenland sowie aus der Schweiz, Belgien, Österreich, Nordschleswig und Schleswig-Holstein belegt. Und nun wurde auch in Ban Horn die Jugendarbeit aktiviert. Als “Loni” sich dann im Jahre 1961 von seiner Arbeit zurückzog, wurde Ban Horn von der “Arbeitsgemeinschaft Deutsches Schleswig” übernommen. Die ADS war in den Nachkriegsjahren sozusagen als Gegengewicht zur dänischen Kultur- und Jugendarbeit entstanden, als die politische Auseinander­setzung zwischen deutsch und dänisch in höchster Blüte stand. Die ADS begann ihre Arbeit in der Baracke des Arbeitsdienstes bzw. Norddorfer Familienbades, umkleidete das Gewese aber bald mit einer Steinmauer und einigen Anbauten. Aber die ersten Jahre waren noch ge­prägt von allergrößter Bescheidenheit der Unterkünfte. Und doch ge­hörte Ban Horn bald zu den beliebtesten Schullandheim der ADS, waren doch die äußeren Verhältnisse ideal. Unmittelbar am Heim der Badestrand, der trockene Kniep zum Kinderspielen und die Abgeschiedenheit des Heimes, von Kurgästen ungestört, wie auch umgekehrt. Nur wenige hundert Meter entfernt lagen dann noch zwei Jugendheime der Seehospize, das sogenannte “Warmbadehaus” (das vor dem Krieg als solches diente) und das “Seehospiz” I.

So sah es in den 50er Jahren aus

Erste Verwalterin von Ban Horn war Frau Heide Günther. Dann folgten für jeweils ein oder mehrere Jahre vom Schuldienst freigestellte Leh­rer. Und Ban Horn wuchs und wuchs. Am unverändert bescheidenen Ursprungsgebäude wurde in den folgenden Jahren Trakt um Trakt angebaut, zuerst nach Süden, dann nach Norden und Osten. Und immer weiter breitete sich das Schullandheim über die Heide aus und lag zuletzt wie ein Krake mit seinen Fangarmen in der Landschaft. Entsprechend der baulichen Ausdehnung wuchs auch die Zahl der Schulklassen mit Schü­lern vorwiegend aus Schleswig-Holstein, aber je nach Ferienzeit auch aus anderen Teilen der Bundesrepublik. Heute bietet Ban Horn rund 120 Schülern in Begleitung entsprechender Lehrkräfte Platz und ist durch die lange Belegungszeit von Ende Februar bis En­de November ein wichtiger Faktor im Seebad Norddorf. “Warmbadehaus” und “Seehospiz I” sind aber verschwunden (2001).
Mit den Küstenverhältnissen vor Ban Horn aber ging es hin und her. Jahrelang lag hier der Kniepsand in guter Breite und lieferte in den Jahren um 1990 soviel Sand, dass das ADS Schullandheim zu versanden drohte und die ADS 80.000 Mark aufwenden musste, um die Sandmassen wegzubaggern. Jahre später kehrten sich dann die Verhältnisse wieder um. Der Kniepsand vor Ban Horn wurde von der Nordsee wieder abgebaut und binnen nur weniger Jahre war auch die breite Strandzone verschwunden. Denn griffen Sturmfluten den hohen Dünenwall an und bilde­ten eine kliffähnliche Steilküste aus, die bei jeder Sturmflut näher an das Schullandheim heranrückte, so dass die erwähnten Sandvorbauten erfolgen mussten. Aber es genügten immer nur wenige größere Sturmflu­ten, um die Sandmassen wieder völlig abzutragen. Das war auch bei den Sturmfluten im Winterhalbjahr 2016/2017 der Fall, und gegenwärtig liegt dir Abbruchkante nur noch etwa 10 Meter vom Heim entfernt. Aber von Südwesten wandert wieder eine breite Fläche des Kniepsandes heran und alle, ADS-Heimleitung, Gemeinde Norddorf, Naturschutz und der staatliche Küstenschutz hoffen, dass sich der Kniepsand in Kürze vor Ban Horn schiebt und alle Probleme beseitigt sind.

Georg Quedens

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