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Die Buhnen am Norddorfer Strand

Nördlich des Norddorfer Badestrandes ragten von der Küste ausgehend einige mächtige Buhnen hinaus bis zur Niedrigwasserlinie und setzten hier einen markanten Akzent in die Küstenlandschaft. Dann wurde das Gebälk aus dem Boden gehoben und für die Abgrenzung des Parkplatzes am Norddorfer Strand verwendet. Erstaunlich, dass diese Balken, die über 100 Jahre im Meeresboden standen und längere Zeit von der Nordsee umspült wurden, fast keinerlei Verwitterungsspuren aufweisen und wie neu da stehen, hier und da noch mit den Kalkgehäusen der Seepocken bedeckt. Nur einige der mächtigen Steinbuhnen mit ihren breiten Kopfplatten sind noch vorhanden und ein Rest von Gebälk erinnert daran, dass hier einmal eine Brücke stand, die den Seebäderverkehr mit der HAPAG über Hörnum bis nach Hamburg vermittelte.
Dieses aufwendige Buhnensystem entstand in den 1890er Jahren und war die erste, bedeutende Küstenschutzmaßnahme des Deutschen Reiches auf Amrum nach dem Staatswechsel 1864/67. Bis dahin hatte die Insel zum Königreich Dänemark gehört, war aber nach dem Kriege 1864, der für Dänemark gegen Preußen und Österreich mit einer Niederlage endete, mitsamt den Herzogtümern des dänischen Gesamtstaates in Preußen bzw. in das spätere Deutsche Reich einverleibt worden. Das Problem des Küstenschutzes am Norddorfer Strand war noch ein Erbe aus der dänischen Zeit, das bis zum Jahre 1825 zurückreichte.

Auf der Inselkarte von 1799 liegt noch ein breiter Dünenwall vor der Norddorfer Marsch. Er wurde von der Sturmflut von 1825 abgebaut.

Die Sturmflut am 3./4.Februar 1825
Die obige Sturmflut war die höchstgemessene an der schleswig-holsteinischen Westküste, die in lokalen Bereichen – ungeachtet der gegenwärtigen Alarmmeldungen über den Anstieg des Meeresspiegels und den Zuwachs heftiger Sturmfluten – bis heute noch nicht übertroffen ist. Damals ertranken auf den Halligen von den insgesamt 937 Einwohnern 74, von 339 Häuser blieben nur 71 bewohnbar (79 waren mitsamt ihren Bewohnern ganz verschwunden). Auf Föhr brach bei Dunsum der Deich (zum bislang letzten Mal), die ganze Marsch wurde überflutet, wobei etwa 6.000 Schafe ertranken und sich die Fluten zwischen Nieblum und Goting miteinander verbanden, so dass Föhr in zwei Hälften geteilt wurde. Auf Amrum stieg die Flut über die Marsch bei Norderende und flutete über die Dorfstraße bis hin zum Haus des Lehrers Paul Feddersen (Heute Reiterhof Jensen).Sie zerstörte über die Steenodder-Wittdüner Marsch ein Haus am »Usenküül«, wo eine Witwe mit drei Kindern wohnte, die sich in das Haus von Knudt Martens im nahen Süddorf retteten.
Am Norddorfer Strand aber wurde der hohe Stranddünenwall, der die dahinter liegende Marsch mit dem umfangreichen “Risum”-Gelände schützte, durchbrochen. Damit hatte die Nordsee bei zukünftigen Sturmfluten ein freies Spiel und verband sich jedesmal mit dem Wattenmeer.

Der Norddorfer Strand um 1900 mit der Buhnenreihe vor Risum. In der Mitte das Slip für das Ruderrettungsboot der Station Nord.

Diese “Risum-Lücke” blieb dann bestehen, wurde in der Folgezeit aber immer weiter zurückgesetzt, so dass es zu nicht unerheblichen Landverlusten kam. Noch in den 1950/6Oer Jahren tauchte Kleierde mit Vieh- und Grüppelspuren am Weststrand auf, ehe es vom herangewachsenen Kniepsand und einem neuen Dünenwall überlagert wurde.
Weil der Marschenboden fest und das Dorf Norddorf auf der ansteigenden Inselgeest lag und durch Sturmfluten nicht gefährdet war, unternahmen die Bewohner und die dänische Regierung nichts, um die “Risum-Lücke” wieder zu schließen.

Sie blieb die »Risum-Lücke« Jahrzehnt um Jahrzehnt offen, bis zum Staatswechsel von Dänemark zu Preußen/Deutschland und der nunmehr erfolgten Perfektionierung des Küstenschutzes.

Ein Buhnensystem vor der »Risum-Lücke«
Eine erste Untersuchung im Jahre 1873 durch die Wasserbauinspektoren Mattiessen und Treede kam  zunächst zu dem Resultat,”dass es keiner außerordentlichen Schutzbauten gegen den Meeresangriff bedarf, weil die Küste durch den vorliegenden breiten Kniepsand (der inzwischen als langer Nehrungsarm von Süden herangewandert war d.V.) geschützt ist”. Um weitere Verluste wertvollen Marschlandes zu verhindern und einer Vergrößerung der »Risum-Lücke« vorzubeugen, reichte die Gemeinde Amrum am 15. April 1875 ein Gesuch an die Provinzialregierung ein, mit der Bitte um  eine  Buhne auf Staatskosten, “um das nördliche Ende von Amrum zu erhalten und damit auch Föhr einen Schutz zu gewähren”. Ferner wurde darauf verwiesen, dass “90-100 Hektar Wiesenland mit Sand bedeckt und wertlos geworden sind”. Aber das zuständige Handelsministerium in Berlin antwortete, “dass  von einer Befestigung auf Amrum noch abgesehen werden muß, solange die für Sylt vorgesehenen Buhnenbauten nicht beendet sind…”
Eine schwere Sturmflut im Dezember 1881 stellte die Abbrüche an der “Risum-Lücke” erneut in die öffentliche Diskussion, aber erst 1885 erfolgten nach einem Bericht der “Düneninspektion” und dem Hinweis auf die Gefahr eines Durchbruches und einer Abtrennung der Nordspitze, erneute Erwägungen des Küstenschutzes. Im September 1894 legte die Wasserinspektion Husum einen Entwurf über den Bau von zunächst 4 Buhnen vor.
Die Buhnen vor der “Risum-Lücke” waren mächtige Gebilde.Sie bestanden aus zwei Reihen von Pfählen und wiesen an den Ende umfangreiche Steinköpfe auf, wie sie heute noch zu sehen sind. Insgesamt waren sie über 65 Meter lang. Es blieb nicht bei den 4 Buhnen. Bis 1897 kamen noch 6 weitere dazu, wofür der Staat die damals hohe Summe von 77 000 Mark aufwendete. 1898 wurden noch 7 weitere Pfahlbuhnen errichtet, sodass die “Risum-Lücke” nunmehr mit rund 20 Buhnen gesichert war und optisch wie eine Reihe von Zähnen gegen die Nordsee gerichtet waren.
Doch die Hoffnung auf die Bildung eines neuen Dünenwalles erfüllte sich nicht, so dass sich die Wasserbauinspektion Husum zur Aufstellung eines Deichplanes genötigt sah. Dieser Deich, im Süden beginnend an der Zollbootstation bzw. am Bootsschuppen der Station Nord der DGzRS (heute Strandübergang Norddorf) bis zu den Dünen der Nordspitze bei Ban Horn (bebaut mit dem Seehospiz I und dem Warmbadehaus).

Aber die Planung wurde zunächst nicht umgesetzt. Es war dann wieder eine hohe Sturmflut im November 1911, die dazu führte, dass ein schon 1896 initiierter Plan, die “Risum-Lücke” mit einem Deich zu schließen, im Wasserbauamt Husum wieder aktuell wurde. Und “weil Buhnenbauten und Dünenpflanzungen bei Risum nur einen geringen Erfolg gezeigt haben”, erfolgte zwischen März und Herbst 1914 der Bau des Deiches mit einer Länge von 625 Metern und einer Höhe von 4 Metern über GWH (Gewöhnliches Hochwasser). Der Deichbau kostete dann weniger als veranschlagt,nämlich rund 60 000 Mark, wozu die Gemeinde Norddorf 6.000 Mark und der Zweckverband der Inselahn 4.000 Mark beisteuerten. Denn der Deich schütze nun den Bahndamm der Inselbahn mit der Schiene bis Ban Horn zur dortigen Seebrücke.

Versandet und wieder aufgetaucht
Hatte man seitens des Wasserbauamtes Husum angesichts der Nordwärtswanderung des Kniepsandes Jahre darauf gewartet, dass sich der Kniep vor die “Risum-Lücke” legt und den Küstenschutz nicht nötig macht, erfolgte nun eine dynamische Sandzufuhr von Süden. Der Kniesaand verlängerte sich zügig nach Norden und die Reste des Kniephafens versandeten. In den 1920/30er Jahren wurde das Buhnensytem vor Risum derart hoch mit Sand bedeckt,dass fast alle Buhnen unter Sand verschwanden. Bald baute sich auch stabiler Dünenwall in der “Risum-Lücke” auf, der bis zur Gegenwart Teile des Deiches unter sich begräbt.

Für die Ewigkeit gebaut. Der Steinkopf einer Buhne vor der “Risum-Lücke”.

Aber die Breite des Kniepsandes wandert hin und her. Und als der Kniep um die Jahreswende 2000 nördlich des Norddorfer Badestrandes bis Ban Horn bis gegen die alte Küste zurückgesetzt wurde traten die Buhnen, die über ein Jahrhundert unter Sand begraben waren, wieder zutage.

Georg Quedens

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