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Hier sind die Gewinner! Ferteel iinjsen – Erzähl doch mal! Zum Nachhören live am Donnerstag im Radio …

2. Preis: Antje Tadsen stammt von Amrumb

Es hätte ein schöner Weihnachtsurlaub werden können. Aber dann ist im feinen Restaurant die Bedienung krank und zwei Freundinnen springen ein. Voller Hilfsbereitschaft, aber keine Ahnung von Fine Dining. Es passiert dies und das und am Ende stellt sich heraus, dass auch beim Gast nicht alles so Gold ist und glänzt. Eine Geschichte voll aus dem Leben einer Touristeninsel also. Und weil sie samt überraschendem Ende so authentisch und unspektakulär erzählt war, hat die Jury vom Erzählwettbewerb Ferteel iinjsen 2018 „En roosenen ufgung“ auf den zweiten Platz gewählt. Die Verfasserin Antje Tadsen lebt zwar in Kiel, hat aber Amrumer Wurzeln und ihre Familie sogar ein feines Restaurant auf der Insel. „Die Geschichte habe ich selbst mal so erlebt, allerdings auf dem Festland, während einer meiner Studentenjobs“, erzählte sie am Rande der Veranstaltung im schnuckeligen Andersen-Hüs Klockries in Risum-Lindholm.

„Das erste Mal“ hieß das Thema des aktuellen Schreibwettstreits, den NDR 1 Welle Nord und das Nordfriisk Instituut alle zwei Jahre veranstalten, und der von der Amrum Touristik jetzt zum zweiten Mal mit ordentlich Barem – auch für die 1.600-Euro-Preisgeld, unterstützt wird.

Frank Timpe mit Moderatorin Elin Hinrichsen erst so …

Frank Timpe war mit einigen Amrumern vor Ort bei der Preisverleihung und wurde von Moderatorin Elin Hinrichsen – Friesin, Föhrerin und Kölner Radiojournalistin – schon auf der Bühne erwartet. Sie schenkte dem Tourismuschef ein eigenes Mikrofon, denn sie hatte nicht vergessen, wie sie vor zwei Jahren um das Objekt kämpfen musste, weil ihr Gesprächspartner es ständig an sich zog. Da es sich bei dem Geschenk dann doch nur um eine Attrappe handelte, stand Timpe brav mit verschränkten Armen vor dem Mikro der Tonangeberin und gab dort einen sehr sympathischen Sponsor ab.

… dann endlich mit eigenem Mikro

Fünf Geschichten kamen von Amrum, darunter auch eine, für die sich sechs Friesinnen zusammengetan hatten. Insgesamt 41 Stücke gingen in den Wettstreit: von Helgoland, Föhr und Pellworm, vom friesischen Festland, von Nauheim in Hessen bis runter nach Freiburg – auf öömrang, fering und mooring. Da diese Idee schon seit zehn Jahren läuft, gibt es inzwischen einen riesigen Fundus an aktueller friesischer Prosa – rund 450 Geschichten seit Wettbewerb-Start im Jahr 2001.

Die Kiel-Amrumerin Antje Tadsen amüsierte sich, wenn sie friesische Begriffe finden musste für Sachverhalte, für die man im Friesischen eher keine Worte hat. „Oder wie würden Sie ein rundes Mundgefühl bei der Weinverkostung auf öömrang übersetzen?“, fragte die 59-Jährige. Genau dieses Experimentieren hatte den Spaß beim Schreiben gebracht.

„Voice Time“ und Amrum ganz nah

Zwischen den von Lesepaten vorgetragenen Siegergeschichten sang Risum-Lindholms A-Capella-Chor „Voice Time“ feine Mundart. Aus dem Lachen nicht mehr raus kam der Saal bei Gesa Herings Geschichte „85 c“, die Aufarbeitung eines alten Schulerlebnisses mit einem BH stattlicher Größe, mit dem die junge Gesa ihre vom Schularzt als knabenhaft bezeichnete Figur aufkurven wollte. 5. Platz für die Föhrerin aus Nieblum. „Ich traf kürzlich nach 40 Jahren eine alte Klassenkameradin wieder, und das erste, was ihr einfiel, war diese BH-Geschichte“, sagt sie und lacht.

Platz 1 und damit 500 Euro Preisgeld ging an die junge Martje Momen Karstens aus Leck mit einer einfühlsamen Geschichte auf mooring über das Heimkommen ins leere Elternhaus kurz nach dem Unfalltot von Vater und Mutter – tu lääs.

Schrieb die BH-Geschichte: Gesa Hering aus Nieblum

Regelmäßig werden auch Schülerpreise vergeben, was aus dem Friesisch-Unterricht ein spannendes Schreibprojekt machen kann, wie vor zwei Jahren auf Föhr, wo Gymnasiasten gemeinsam gleich einen ganzen Haufen Geschichten schrieben und einreichten. Aus den zehn Texten 2018 stachen zwei hervor: Kristin Carstensen, Schülerin auf Föhr, schrieb über etwas Inseltypisches: “Min iarst feer ringridjen”. „Eine feine Selbstreflexion über Erfolg und Misserfolg“, wie die Jury fand. Dem 11-jährigen Momme Kahl aus Risum gelang eine verblüffend empathische Story über einen Frontsoldaten im zweiten Weltkrieg (Hofentlik dåt leest tooch). Allein wird er die Geschichte vielleicht nicht mit Inhalt gefüllt haben; so ist dieses Teilen von Erinnerungen auch etwas, was den Schreibwettbewerb so charmant macht. Teamarbeit ist erwünscht, und auch Sprachfremde sind willkommen, die sich ihr Stück übersetzen lassen, wie es die Preisträgerin Gesa Hering getan hat, deren Text eine Föhrer Freundin, Frauke Riewerts, auf fering übersetzt hat. „Ich wusste, ich muss kurze Sätze nehmen. Was bei Gefühlsdingen nicht immer so einfach war“, sagt die Verfasserin schmunzelnd. Im Team arbeitet sie aktuell an friesischen Gute-Nacht-Geschichten.

Den dritten und vierten Platz belegten Thomas Steensen aus Husum, langjähriger Leiter des Nordfriisk Instituuts, mit einer an seine Jugend angelehnten Mutprobe-Geschichte auf mooring (Lätj iinjfåch lüüs) und die Flensburger Studentin Merle Sievers von Föhr mit „At as nimer to leed för en iarst geer“ über einen alten Mann und sein erstes Smartphone.

Die Gewinner 2018

Die Prominenz aus Politik und Zeitgeschehen bei der Preisübergabe ließ hoffen, das alles Bemühen um ein lebendiges Friesisch langfristig ebenso lebendige Unterstützung erfährt.

In zwei Jahren startet Ferteel iinjsen erneut. So wie es aussieht wieder mit Unterstützung der Amrum Touristik. Chef Frank Timpe stellte in Aussicht, den Wettbewerb so lange zu unterstützen, bis er Friesisch spricht. Das könnte dauern und ließe Zeit für jede Menge Inselinput zum nächsten Thema.

Die Preisträgergeschichten werden im Dezember im Frisk Funk (Frequenz 96,7) zu hören sein und jetzt am Donnerstag, 29. November, in einer Sondersendung ab 21.05 Uhr über die NDR-Sender in Flensburg (Frequenz 89,5) und Westerland (Frequenz 90,9). Man kann sie auch im Internet lesen und hören unter https://www.ndr.de/wellenord/sendungen/friesisch/Fuenf-Sieger-bei-Schreibwettbewerb-Ferteel-iinjsen,ferteel154.html

Fuhr, als sonst nix fuhr: Wat’n lok (was für’n Glück), Wattentaxi

Zurück, und das muss hier jetzt mal erwähnt werden, ging es mit dem Wattentaxi, weil die Fährversorgung nach Amrum über Stunden Mut zur Lücke bewies. Das Taxi, was gerade seine letzte, planmäßige Tour absolviert hatte und uns sogar bis Dagebüll entgegenkam, fuhr die versammelte Mannschaft über Föhr nach Amrum. Die Seereise dauerte etwas über eine Stunde und man hatte das seltene Gefühl, dass Amrum vielleicht doch nicht am Ende der Welt liegt. Föl soonk! Stoff für eine schöne (friesische) Geschichte!

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Über Undine Bischoff

Journalistin und Texterin. Fuhr mit drei Jahren zum ersten Mal über den Kniep – in einer Schubkarre. Weil ihr Vater da draußen eine Holzhütte baute, zwanzig Feriensommerjahre lang. Betextet Webseiten und Kataloge, schreibt für verschiedene Medien und natürlich für Amrum News.
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