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Nolde mit den Augen der Kinder – Projekt-Ausstellungen auf Amrum und Föhr eröffnet …

Die dreiteilige Ausstellung „Kinder sehen Emil Nolde“, die zur Zeit in Norddorf auf Amrum und Alkersum auf Föhr präsentiert wird, ist etwas ganz Besonderes. Sie lädt zum Lernen ein, zum Schmunzeln und zum Staunen – über Kunst und die eigenen Kinder, über Kreativität, Ästhetik und frühkindliche Bildung und natürlich über Emil Nolde, den Maler. Da diese Kinder-Kunst-Ausstellung so außergewöhnlich ist, stelle ich meine Meinung ausnahmsweise einmal an den Anfang des Artikels, denn ich finde alle Teile der Ausstellung wirklich gelungen – nicht bloß dekorativ und vielfältig in Farben, Formen und Zusammenstellung sondern interessant, lehrreich, unterhaltsam, berührend und spannend – wenn man sich auf das „Sehen“ der Kinder einlässt.

Kurz gesagt: Es ist beeindruckend und des Nachdenkens wert, was die bunte Mischung der Amrumer Kindergartenkinder zwischen drei und sechs Jahren im Rahmen des Projekts „Emil Nolde und der Inselkindergarten“ seit September geschaffen hat. Ein vielfältiges, farbensattes Vorschuloevre, das noch bis zum 16. Dezember in Norddorf auf Amrum und bis zum 6. Januar im Museum Kunst der Westküste in Alkersum auf Föhr zu sehen sein wird.

Am Sonntag waren alle Eltern, Kinder und Freunde des Amrumer Kindergartens nach Alkersum ins Museum Kunst der Westküste (MKDW) eingeladen und hatten dort die Gelegenheit von den Museumsmitarbeiterinnen und ihren Kindern selbst zu erfahren, wie die Kinder Emil Nolde sehen und was sie sich im Museum alles erarbeitet haben – ein krönender Abschluss des Projekts „Emil Nolde und der Inselkindergarten“.

Nach den Ausstellungseröffnungen auf Amrum eine Woche zuvor, nahmen gut sechzig Amrumer die Gelegenheit wahr, auch an der Vernissage auf Föhr teilzunehmen; einige fuhren zum ersten Mal ins Museum Kunst der Westküste. Alle waren nach dem Besuch ganz angetan. Schließlich ist es nichts Alltägliches, wenn die Bilder der eigenen Kinder in einem angesehenen Kunstmuseum neben dem berühmten Emil Nolde ausgestellt werden. „Es war schön zu sehen, was unsere Kinder in den letzten Wochen hier alles erleben durften“, freuten sich die Eltern, deren Kinder sich inzwischen durch das Haus bewegen wie alte Museumshasen. „Uns wurde ja viel mehr geboten, als wir erwartet hatten. Wir wurden nicht nur durch die Ausstellung geführt und konnten uns alle Bilder ansehen, wir wurden sogar noch mit Essen und Trinken bewirtet. Das war ein richtiger Familienausflug“, meinte eine Mutter auf der Rückfahrt ganz begeistert von der Vernissage.

Bereits am vorletzten Sonntag eröffneten die beiden Ausstellungen in Norddorf auf Amrum. Hier sind den Mitarbeiterinnen vom Museum Kunst der Westküste mit den Arbeitsergebnissen der Inselkinder zwei richtig schöne, technisch aufwändige Ausstellungen gelungen. Die äußerst geschickt an die Dauerausstellung von Amrumer Künstlern angedockte Hängung im Norddorfer Gemeindehaus gibt sowohl einen Einblick in den Ablauf des Kunstvermittlungsprojekts und seine kreativen Ergebnisse als auch eine spannende Möglichkeit, die individuelle Entwicklung einzelner kleiner KünstlerInnen im Verlauf des Projekts zu verfolgen. Als perfekte Ergänzung dazu bietet die exemplarische, äußerst dekorative Hängung in den verschiedenen Räumen des Hüttmann Hotels Raum zum Nachdenken über kindliche Kreativität auf Augenhöhe.

Die Kinder-Ausstellung im Museum Kunst der Westküste auf Föhr zeigt ebenfalls eine Auswahl sehr schöner Kinderarbeiten, ergänzt durch eine Foto-Slide-Show im Foyer, die Schlaglichter auf den Entstehungsprozess wirft. Während auf der Galerie über Gretchens Gasthof die Skizzen und Aquarelle aus der 3. Projektphase hängen, in der sich die Kinder zwischen fünf und sechs Jahren intensiv mit Noldes Meeres-Aquarellen beschäftigt haben, sind im Hygge-Raum (dem früheren Blau-Raum) die Skizzen und Temperabilder aus den ersten beiden Phasen des Projekts zu sehen, in denen die Ölgemälde Noldes im Mittelpunkt standen. Um von einem Raum zum anderen zu gelangen, durchqueren Sie die Hauptausstellung „Emil Nolde und das Meer“ und erleben zum Vergleich den unmittelbaren Eindruck der wunderbaren Originale.

„Der Betrachter darf sich auf das Meer versetzt sehen. Meist ist es stark bewegt, aufbrausend, tosend, selten still. Meer, Himmel, Wolken – kein klarer Horizont“, hatte Prof. Dr. Ulrike Wolff-Thomsen die Meeresbilder Noldes bei der Ausstellungseröffnung „Emil Nolde und das Meer“ im September charakterisiert. Es scheint so, als hätten die Kinder Emil Noldes Sicht auf das Meer in ihren Skizzen und Bildern intuitiv erfasst und in den vergangenen Wochen auf ganz eigene Weise mit Buntstiften, Wachsmalkreiden, Tempera- und Aquarellfarben zu Papier gebracht. Noldes Feuerwerk der Farben, die unterschiedlichen Meeresstimmungen. Das Meer bei Sonnenschein, bei Nebel, bei Sturm – die Sonnenuntergänge. Jedes der Kinderbilder sei „einzigartig und wunderbar gelungen“, sagte Klara Scheuren, die als wissenschaftliche Volontärin das Projekt zusammen mit Dr. Christine Moersbach, Jule Bauder und Sylvia Haumersen, der Leiterin der Kunstvermittlung im Museum Kunst der Westküste „geschultert“ hat.

Klara Scheuren warf in ihrer Ansprache einen kurzen Rückblick auf die drei Monate des Projekts, vom ersten Workshop auf Amrum bis zur Ausstellungseröffnung. „Es war schön zu beobachten, wie die Kinder mit jedem Mal vertrauter wurden, mit dem Museum, mit Emil, dem Maler aus Nordschleswig und seinen ausdrucksstarken Meeresbildern“, sagte sie. Es lohne sich, Projekte langfristig zu denken, denn es brauche Zeit, um Kindern eine tiefere Beziehung zur Kunst zu ermöglichen.

Für alle, die das Kunstvermittlungsprojekt begleiteten, sei beeindruckend gewesen, mit welcher Leichtigkeit die Kinder das Vorbild hinter sich gelassen hätten und trotz der immer gleichen Vorlage eine breit gefächerte Fülle an Kompositionen geschaffen haben.

Während die Einen schwungvoll und großflächig ans Werk gingen, malten andere eher behutsam präzise und am Detail orientiert. Was der Künstler sich mühsam erkämpfen muss, haben die Kinder: künstlerische Unabhängigkeit.‚Wenn ich schlecht malte, war ich Mensch mit Energie, mit Wollen und Wissen; wenn ich gut malte, war ich Künstler – und sonst nichts’, heißt es dazu in Noldes Autobiografie.“

Amrums Kindergartenleiter Lothar Herberger, der das ambitionierte Projekt maßgeblich mit initiierte, dankte den vielen professionell und ehrenamtlichen Begleitern des Projekts. Viele helfende Hände waren am Start, so auch die Amrumer Rotarier, die das Projekt im Rahmen ihrer Zielsetzungen nicht nur finanziell sondern auch ganz praktisch unterstützten. Bei Vorbereitung, Aufbau und Hängung der Ausstellung im Gemeindehaus halfen Peter Heck-Schau, Kurt Tönissen, Annette Isemann, Michael und Christa Lagenhan, im Hotel Hüttmann Barbara Hitpass-Kossmann mit Kost und Logis und Kantorin Anne-Sophie Bunck begleitete die Amrumer Vernissagen am Flügel.

Die große Unterstützung, die eine erfolgreiche Durchführung dieses Projekts überhaupt ermöglicht hat, das nun in eine langfristige Zusammenarbeit zwischen MKDW und Amrumer Kindergarten münden soll, manifestierte sich auch in den zahlreichen Dankesreden und Grußworten, die auf den drei Eröffnungen gehalten wurden.

Es sprachen Frau Prof. Dr. Ulrike Wolff-Thomsen (Direktorin des MKDW), Lothar Herberger (Leiter Inselkindergarten), Philipp Joroch (Vorsitzender Amrumer Kindergartenverein), Frau Eike Hinrichsen und Herr Philipp Weber von der Föhr-Amrumer Bank, Michael Langenhan für den Rotary Club Amrum, Frank Timpe (Amrum Touristik) und Frau Barbara Hitpass-Kossmann vom Hotel Hüttmann, die sich seit vielen Jahren für den Inselkindergarten engagiert. Sie freue sich sehr über die ausdrucksstarken Bilder in den verschiedenen Räumen des Hotels.

„Die Erfahrungen und Erfolge, die Ihre Kinder machen konnten, sind von unschätzbarem Wert“, richtete sich Frau Hitpass-Kossmann an die Erwachsenen. Vielleicht sei das Projekt ein Anstoß, sich mit Formen und Farben weiter zu beschäftigen und auseinanderzusetzen. Gerade in der heutigen Zeit, in der Kinder immer früher und häufig auch zu oft und zu lange mit Fernsehen, Tablets und Smartphones in Kontakt kämen, sei es wichtig ihnen kreative Alternativen aufzuzeigen, meinte sie.

 

Für alle, die nicht dabei sein konnten, hier die Öffnungszeiten der Ausstellungen auf Amrum und Föhr. Ein Besuch lohnt sich.

 

Gemeindehaus Norddorf, Henershuuch (während der Buchladen-Öffnung)

Mo/Di/Do/Frei nachmittags 15-17 Uhr. Mi/Sa vormittags 10-12 Uhr. So geschlossen.

Hotel Hüttmann, Norddorf, Ual Saarepswai 4

Täglich 12 – ca. 16 Uhr(Bistro-Öffnungszeit) und täglich ab 19:00 Uhr(Restaurantzeit)

Museum Kunst der Westküste, Alkersum auf Föhr, Hauptstraße 1

Di bis So 12-17 Uhr außer an den Weihnachtsfeiertagen. Mo Ruhetag

(Fähre 9:30 Uhr hin, 16:00 Uhr zurück oder mit dem Wattentaxi auf Anfrage)

 

Spenden für eine Fortsetzung der inselübergreifenden Kunstvermittlung  über das Wattenmeer sind willkommen: Konto: Museum Kunst der Westküste,  Det Paulsen Legaat gGmbH, IBAN: DE20 2175 0000 0106 1688 83.

 

 

 

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Über Astrid Thomas-Niemann

Astrid Thomas-Niemann ist gelernte Schifffahrtskauffrau sowie studierte Sprach- und Erziehungswissenschaftlerin. Sie hat viele Jahre als Schifffahrtsanalystin gearbeitet und lebt seit 2015 in Wittdün. Als junge Frau kam Astrid 1981 das erste Mal auf die Insel und besuchte auf Zeltplatz II die Niemanns aus Hamburg, die Amrum seit 1962 urlaubsmäßig die Treue halten, inzwischen bereits in der 4. Generation.
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