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Großartiges Konzert zum Jahresausklang mit Giora Feidman und dem Gershwin-Quartett …


Giora Feidman und das Gershwin Quartett

Zum Jahresabschluss 2018 gab es ein besonderes musikalisches Highlight auf Amrum. Giora Feidman und das Gershwin Quartett gaben in dem ausverkauften Norddorfer Gemeindehaus ein gemeinsames Konzert. Bereits 2006 gastierte Feidmann schon einmal auf der Insel Amrum, und verzauberte die Zuhörer mit seiner Musik.

Feidmans Biografie ist lang und gefüllt mit den Meilensteinen seines Lebens, das von Anfang durch die Musik begleitet und bestimmt wurde.

Am 25. März 1936 wurde Feidman als Sohn jüdischer Einwanderer aus Bessarabien in Argentinien geboren, und die ersten musikalischen Grundsteine in seiner Kindheit durch die jüdischen Lieder, die seine Mutter ihm vorsang, gelegt. Als Jugendlicher, der in Buenos Aires aufwuchs, erlernte er die Klarinette, begleitete seinen Vater musikalisch auf Festen und erhielt bereits mit 18 Jahren eine Anstellung als Klarinettist an der renommierten Opernbühne Teatro Colon/Südamerika. 1956 reist Feidman mit einem Vertrag, vermittelt durch Dirigent Paul Kletzki, für das Israel Philharmonic Orchestra nach Israel, dem er die nächsten 18 Jahre angehörte, und auf deren Welttourneen er unter Dirigenten, wie zum Beispiel Leonard Bernstein, Karl Münch, Raffael Kubelik und vielen weiteren Namhaften mehr, spielte. Nach der Gründung des Staates Israel 1948 strömen viele Juden nach Palästina. Mit sich führen sie schlechte Erfahrungen und Verletzungen, aber auch genauso viele schöne Erinnerungen an ihre Gastkulturen. Hier verschmolzen Farben, Klänge, Sprache und Tradition, und die jiddischen Lieder prägten Feidman sehr. Die Musik der osteuropäischen Juden heißt “Klezmer”. Die Klezmorim waren Musiker auf Wanderschaft, spielten auf Hochzeiten, Festmahlen und zum Tanz. In dieser Form der Musik kommen widersprüchliche Stimmungen auf, mitreißend, lustig und lebensfroh, aber auch zuweilen traurig, melancholisch und nachdenklich stimmend.

Durch Emigration osteuropäischer Juden vermischte sich die Musik mit der der Gastländer. In den USA mit dem Jazz, in Argentinien mit dem Tango. Sie vermengten sich im jüdischen Staat aufs Neue, auch mit arabischen Einflüssen. Anfang der 70er verließ Feidman das Orchester, ging als Solist nach New York, und eroberte die Bühnen der Welt. In Deutschland war er damals noch nicht bekannt. Mit dem Musical “Ghetto” von Joshua Sobol 1984, für welches ein jüdischer Musiker gesucht wurde, änderte sich dies jedoch. Feidman selbst übernimmt den Part, Esther Ofarim spielte darin die Hauptrolle, und das Musical hatte großen Erfolg in Berlin und Hamburg. Feidman entdeckte dadurch neben seiner musischen Leidenschaft auch die Schauspielerei.

Mit Standing Ovations und Beifallsrufen …

1985 erschien seine erste LP der viele weitere folgten, unter anderem mit Werken von George Gershwin und argentinischen Tangos. Feidman wirkte auch bei Theaterstücken, Musicals, Opern und Filmen mit. Am bekanntesten sei hier die Filmmusik zu dem Holocaust-Film “Schindlers Liste” zu nennen, die Feidman zusammen mit Itzak Perlman geschrieben hatte. Aber auch Auftritte in Filmen “Jenseits der Stille” und  “Comedian Harmonists” gehörten dazu.

Feidman wurde mit der Fülle seiner Projekte zu einem Botschafter zwischen den Völkern und Kulturen, und viele besondere Ereignisse folgen auf seinem Lebensweg. Feidman folgte der Einladung 2005 von Papst Benedikt XVI nach Köln um auf dem Weltjugendtag aufzuspielen, vor mehr als 800.00 Zuhörern. Feidman ist eine Persönlichkeit der Zeitgeschichte. Im Jahre 2001 verlieh man ihm in Berlin das Große Bundesverdienstkreuz am Bande als Würdigung seiner besonderen Verdienste um die Aussöhnung zwischen Deutschen und Juden.

Dankbares Publikum

In vielen Musiker-Kombinationen ist Giora Feidman seit Jahren unterwegs, berührt und begeistert die Menschen mit dem Klang seiner Instrumente, der Klarinette und der Bassklarinette. Und auch an diesem Abend sollte es nicht anders sein. Südamerikanische Tangos, osteuropäische Klezmer-Musik, sowie Anleihen aus Filmmusik, Jazz und Klassik wurden in brillanter und leidenschaftlicher Weise dargeboten. Berührend, gefühlvoll, emotional, lustig, nachdenklich, verträumt, mitreißend, melancholisch waren die Stücke. Und das wunderbare und großartige Zusammenspiel von den Violinen (Michael Gershwin, Natalia Raithel), Viola (Juri Gilbo), Cello (Kira Kraftzoff) und Giora Feidmann an der Klarinette phantastisch. Augen zu, sich mitnehmen lassen von den Klängen, einfach lauschen, sehen und genießen. Fotos können viel aussagen- aber die Stimmung und den Zauber an diesem Abend selbst zu erleben, die berührenden Worte Feidmans zu hören, das war etwas Besonderes und wird lange im Gedächtnis und den Herzen bleiben. “Die Kraft der Musik bringt alle Menschen zusammen. This is the Power of Music. Wir sind so reich, ein Teil dieses Planeten zu sein”, sagte Feidman.

Mit Standing Ovations, Beifallsrufen und donnerndem, minutenlangem Applaus belohnten die über 400 begeisterten Zuschauer die Musiker für einen unvergesslichen und großartigen Abend.

 

Vor Konzertbeginn hatte Amrum-News die Möglichkeit, kurz mit Giora Feidman zu sprechen.

Amrum-News: Hatten Sie etwas Zeit, sich unsere Insel anzuschauen?

Nein, leider nicht. Aber ich bin jetzt da und alles ist Ok. Wir kamen an, dann ging es ins Hotel und direkt zur Probe. Morgen geht es auch schon gleich ganz früh weiter.

Amrum-News: Nach 12 Jahren sind Sie wieder hier auf Amrum, wie kam es dazu? 

Ich wurde vor 12 Jahren hierher eingeladen, und weil ich das letzte Mal so schlecht gespielt habe, wurde ich 12 Jahre nicht eingeladen. Ich hoffe, dass ich heute besser spiele. 😉

Ich kam hier an und dachte, diesen Platz kenne ich. Ich spiele jeden Tag an vielen verschiedenen Orten, aber hier heute fühle ich etwas. Und nun weiß ich an was ich mich erinnere, an die Energie dieses Raumes. Dies ist ein Tempel. Tempel bleibt ein Tempel. Die Energie einer Kirche. Der Platz ist leer, aber mit den Menschen darin, wenn sie auf den Plätzen sitzen, ist die Energie da, das ist die Energie der Kirche. Eine Konzerthalle hat das nicht. Musik transformiert die Energie in einer Konzerthalle. Musik ist die Krönung.

Sie werden das merken, wenn sie sitzen und ich zu spielen beginne. Dieser Platz ist großartig”.

Amrum-News: Ihr Leben wurde von Anfang an durch die Musik bestimmt. Was möchten Sie den Menschen als Botschaft mitteilen?

Ich erzähle Ihnen etwas. Ein neu geborenes Baby kommuniziert mit seiner Mutter. Wodurch? Durch ihren Gesang: Es sagt: “Sing für mich”. Es gibt nicht eine Mutter auf dem ganzen Planeten, die nicht für ihr Baby singt. Warum? Weil es keine Alternative gibt. Der Platz der Musik ist die Seele, und das ist unsere Sprache und der höchste Ausdruck von Liebe für das menschliche Wesen ist, wenn eine Mutter ihr Baby nimmt, es in ihren Armen wiegt und für es singt.

Musik und Tanz sind zwei Kräfte, die wir mitbekommen haben. Zum Beispiel: du nimmst das Baby und schiebst es mit dem Kinderwagen damit es wundervoll schläft. Was ist das? Das ist ein Walzer. Walzer ist einer der Tänze, der überlebt hat. Menuett und diese Tänze gibt es nicht mehr. Der Walzer aber wird für immer existieren.

Da sind so viele Dinge die einfach passieren, aus der Natur heraus. Es gibt kein Talent für Musik. Niemand bringt uns bei zu sprechen, niemand bringt uns bei zu gehen. Niemand hat uns das beigebracht. Es steckt alles in uns drinnen. Die größte Tragödie der menschlichen Rasse ist, dass sie ihre Seele nicht mehr fühlen. Ich glaube, langsam, langsam wacht die Welt für die Musik auf, aber es ist immer Elektronik. Ich habe eine Erfahrung bei Freunden gemacht, und meine Hände auf einen Synthesizer gelegt. Es war ein anderer Sound. Es war Elektronik. Nein. Der einzige Platz den ich fühle, greifen kann, ist die innere Stimme.
Höre auf Deine innere Stimme, schließe Deine Augen, nehme Dein Inneres wahr.

Das Leben ist nicht schwer. Störe nicht die Seele, sondern gib der Seele Frieden, das ist das ganze Geheimnis.

 

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About Susanne Jensen

Susanne Jensen wurde 1965 in Hamburg geboren. In Appen bei Pinneberg aufgewachsen, kam sie nach der Erzieherausbildung 1985 auf die Nordseeinsel. Die Mutter von zwei heut erwachsenen Söhnen arbeitete anfangs einige Jahre in der Fachklinik Satteldüne und war dann von1992 bis 2016 als Erzieherin in den Kindergärten Wittdün und Nebel beschäftigt. Nun ist Susanne wieder tätig als Erzieherin in der Fachklinik Satteldüne.

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