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Leck behoben. Andreas Thaden geht wieder fischen …


Der „Hilfsarbeiter“ und sein Schiff in Cuxhaven

Andreas Thaden geht wieder auf Fangfahrt. Knapp zwei Monate fiel sein Schiff aus, war das „Steuerhaus Nr. 1“ von der Steenodder Mole verschwunden. Nicht nur die Krabbenfreunde litten. Andreas Thaden litt auch, schließlich hatte sich sein Kutter gleich am ersten Fangtag der Saison ein suppenschüsselgroßes Loch in den Bug gerissen. Acht Wochen Zwangspause.

„Ich bin hier nur der Handlanger“. Wenn Amrums Krabbenfischer so zurückhaltend spricht, muss etwas Außergewöhnliches passiert sein. Thaden grinst. „Doch, ich hab’ hier jetzt nichts zu sagen.“ Wochenlang lag sein Fischkutter zur Reparatur in einer Cuxhavener Werft. Was das Loch in das knapp neunzehn Meter lange Schiff hereingerissen hat, weiß bisher niemand. Die Untersuchungen laufen. „Es hat gerummst“, erinnert sich Thaden.  Das war am 1. April, nachmittags, ein bis zwei Stunden südlich von Amrum. „Ich dachte zuerst an eine Palette“. Weiter gingen seine Gedanken nicht, ein Kontrollgang übers Schiff,  kein Wasser, keine Schieflage. „Das Trimmen des Schiffes ist für mich Gefühl“ – alles gut. Fünf Stunden später entdeckt er Wasser im Vorschiff, da ist er bereits auf Heimatkurs. Es ist 21 Uhr und noch dreieinhalb Stunden bis Hochwasser. Thaden steuert den Kutter auf den Hubsand, die Sandbank vor Amrum. Er braucht Hilfe beim Lenzen und gibt dem Seenotretter Bescheid. „Das hat alles super geklappt“, sagt Thaden, der bis dato noch immer nicht wusste, woher das Wasser kam. Als er glaubt, die Situation im Griff zu haben, will er Kurs auf Steenodde nehmen. Der Plan: trockenfallen lassen und Schiff kontrollieren.

Das Loch mit der Schweißnaht

Daraus wird nichts. Beim Versuch von der Sandbank wegzukommen, brach massiv Wasser ein. Thaden spürte sofort, wie das Schiff vorne tiefer ging und steuerte zurück auf die Sandbank. „Hinter dem Loch werden Isolierung und Verschalung das Wasser aufgehalten haben, aber jetzt war wohl alles total aufgeweicht und der Proppen flog raus“,  sagt Thaden. Ein Blick in die Luke auf dem Vorschiff bestätigt zumindest das Ausmaß: Von den beiden Kabinen für den Kapitän und seinen Mitarbeiter ist nicht mehr viel zu sehen, das Wasser steht der steilen Holztreppe bis zum Anschlag. Dokumente, Zeugs, Decken, Ersatzteile … alles schwimmt oder ist begraben unter Seewasser.

Da war klar: vor Niedrigwasser kein Runterkommen von der Sandbank. Die Pumpen pumpten, der Kapitän legte sich ein paar Stunden hin und dachte an die schwere Technik, an das Hydraulik- und Elektrosystem vorne im Schiff, wo das Wasser schwappte. „Läuft schon“, hofft er.

Eiskaltes Wasser, Windstärke 6 – und die Sonne geht auf. Thaden und ein Elektrofachmann von der Insel, den der Seenotretter übergesetzt hat, stehen vor dem Rumpf des Krabbenkutters und versuchen, ein Stahlblech über das Loch zu schweißen. „Ich hab’ versucht, den Wind abzuhalten“, sagt Thaden. Zuvor hatten sie mit Putzlappen und Bauschaum das Loch zugepappt. „Du kannst dir nicht vorstellen, was Männer alles machen“, sagt er grinsend. Weit hinten kreuzt die Frühfähre der WDR den Horizont im gleißenden Licht: Das Foto bekommt Thaden später zum Geburtstag geschenkt – groß aufgezogen auf Leinwand.

Aber noch ist der 2. April und Thaden – „das Schiff gesichert“ – macht sich auf den Weg nach Cuxhaven, wo sein Schiff immer liegt, wenn es etwas daran zu tun gibt. Hält das Blech die fünf Stunden? „Die erste Stunde machst du dir Gedanken. Dann geht alles gut und du denkst dir, na ja, jetzt sinds ja nur noch vier Stunden.“

Da kam das Wasser her …

Was das Loch in den 8-mm-Stahl der Außenhaut gerissen hat, weiß immer noch niemand. Die Prozedur läuft … Versicherer, Inspektor, Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie, Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Hamburg. „Man vergisst manchmal, dass die Nordsee ein riesiges Offshore-Industriegebiet ist. Wir wissen nicht, was da wirklich passiert“, sagt Thaden.

In der Werft im Landwehrkanal muss alles raus aus dem Vorschiff. Bergeweise Dreck, Sand, noch mehr Sand, Bilder, Erinnerungen, Dokumente, Listen, Ersatzteile im Wert von mehreren tausend Euro: zig Spezialdichtungen, Kugellager. „Man hat, wenn man auf einer Insel beheimatet ist, eine ganz andere Bevorratung “, sagt Thaden und verzieht den Mund. Die Dokumente hat er ausgelegt und tagelang getrocknet.

Die hydraulische Steueranlage blieb verschont

Treppe abschleifen, Thaden lackiert schon zum dritten Mal. Die Bordwand ist längst wieder schier, Tischler kümmern sich um eine neue Innenverschalung, die Trennwand zwischen den Kabinen, Einbauten, wie Schränke, Betten, Ablagen. Thaden zeigt auf den Kasten in Kopfhöhe mit der hydraulischen Steuerungsanlage. „Bis dahin stand der Dreck.“ Genau unter der ersten Kontaktreihe blieb das Wasser  stehen.

Nun ist alles wieder im Lot. „90 Prozent sind fertig.“ Andreas Thaden ist zurück auf Amrum und lief am Montag zu seiner ersten Fangfahrt aus. Bald gibts wieder regelmäßig Krabben an der Steenodder Mole.

 

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About Undine Bischoff

Journalistin und Texterin. Fuhr mit drei Jahren zum ersten Mal über den Kniep – in einer Schubkarre. Weil ihr Vater da draußen eine Holzhütte baute, zwanzig Feriensommerjahre lang. Betextet Webseiten und Kataloge, schreibt für verschiedene Medien und natürlich für Amrum News.

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