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Absoluter Hörgenuss: Vogelstimmenführung vom Öömrang Ferian


Schönste Insel: Lukas Griem vor dem Amrumer Naturzentrum

Man kann schon sagen, Lukas Griem ist im Paradies angekommen. Dabei ist er gerade mal 20. Wenn er frühmorgens zu seinen Vogelstimmentouren aufbricht ist der Gesangsgipfel zwar schon durch, aber auch die Zeit nach dem Höhepunkt ist wunderschön – und er erlebt sie nicht allein. „Was singt denn da?“, die Vogelstimmenexkursion des Öömrang Ferian hat sich seit dem Start Mitte März zum Highlight-Geheimtipp entwickelt. Trotz der frühen Uhrzeit. Immer so zwischen sechs Uhr und halb neun zieht Lukas Griem los.

Warum er für seinen Bundesfreiwilligendienst auf Amrum gelandet ist, ist ganz einfach: „Weil ich dachte, es ist die schönste Insel. Sie hat so viele unterschiedliche Naturlandschaften.“ Durch die streift er jetzt auf Vogelkiek. Eineinhalb bis zwei Stunden, erst durch Norddorf, dann über die Felder, wo er etwas zur Feldlerche, dem Vogel des Jahres, erzählt und zur Bestandsentwicklung der Feldvögel bei der heutigen landwirtschaftlichen Intensivnutzung. Weiter gehts durch den Amrumer Wald und zum Schluss an die Dünenkante. Demnächst wandelt er die Tour ein bisschen ab Richtung Schilf: „Da kann man jetzt die Rohrsänger (Schilf-, Teich-, Sumpf-) hören, sowie das Blaukehlchen. Das seien wirklich die Top-Arten in dieser Landschaftsform.

Dass Lukas Griem mit seiner Vogelstimmen-Fangemeinde dann doch erst nach dem Gesangsgipfel loszieht, der sich irre früh um und bei Sonnenaufgang bildet, hat sogar Vorteile. „Das ist zum Lernen gut, weil nicht alles gleichzeitig singt. Ein paar Arten sind dann isoliert, und der Mensch nicht so überfordert.“

Woher er das Know-how hat, ist auch einfach: „Weil ich auf dem Land gewohnt habe, weit weg von Freunden. Ich bin in den Wald gegangen, mich hat alles mögliche interessiert, und die Vögel haben einfach recht auffällig gesungen.“ Auch im großen Garten des elterlichen Hauses in Schwalingen bei Schneeverdingen zwischen Soltau und Sittensen war viel Gesang – und ein Fernglas. „Am Anfang weiß man natürlich nicht, wer da singt, aber die Lösung sitzt irgendwo im Busch. Man braucht eben Geduld. Vögel bestimmen lernt man erst mal nach Sicht. Dass mit den Stimmen kommt später.“

Kann man in den Dünen sehen und hören: den Wiesenpieper

Wenn auf Amrum Grünfink und Kohlmeisen anfangen, hören Nachtigall, Rotkehlchen und Amseln schon wieder auf. Jetzt gerade singt der Zaunkönig, am Start sind Heckenbraunellen und verschiedene Grasmückenarten sowie Laubsänger wie Fitis und Zilpzalp. Wobei auch da die Natur die Zeit vorgibt. „Der Gesang der Vögel wird von Licht und Wärme reguliert. Wenn es bewölkt ist, singen alle etwas leiser. Mit dem Wetter steht und fällt so eine Führung.“

In Sachen Vogelstimmen lernt der Profi von seinen Gästen eher nichts mehr, dafür aber anderes: „Die erzählen sich ihre Eselsbrücken, wie sie sich die Namen merken, das ist interessant. Die Mönchsgrasmücke war bei einer Frau der Redevogel.“ Fasziniert stellen manche Mithörer fest, was für ein unglaubliches Gefühl es sein muss, mit Kenntnis all dieser Stimmen den Frühling wahrzunehmen.

Besonders für Lukas Griem ist immer, wenn er merkt, dass eine Vogelart nur durchzieht, wie zum Beispiel der Waldlaubsänger. „Den habe ich nur auf einer einzigen Führung gehört.“ Oder die Klappergrasmücken. „Die schwappten wie eine Welle hier durch. Man hatte das Gefühl, da saß in jeder Hecke eine.“

Leider ist ab August schon Schluss mit der Experten-Tour in Sachen Vogelstimmen, denn Griem geht nach Dresden, Umweltmonitoring studieren. „Nur dort gibts den Schwerpunkt Feldornithologie, der hat mich interessiert.“ Wen wunderts?! Demnächst also mehr von ihm im Raum Dresden, wo er sein Können gern weiter zu Verfügung stellen würde. Solange hat Amrum ihn exklusiv. Naturliebhaber sollten es ausnutzen! Die nächste Führung ist am Samstag, 22. Juni. Los gehts um 7 Uhr in Norddorf am Minigolfplatz. Alle Termine stehen immer im „Amrum Aktuell“.

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About Undine Bischoff

Journalistin und Texterin. Fuhr mit drei Jahren zum ersten Mal über den Kniep – in einer Schubkarre. Weil ihr Vater da draußen eine Holzhütte baute, zwanzig Feriensommerjahre lang. Betextet Webseiten und Kataloge, schreibt für verschiedene Medien und natürlich für Amrum News.

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