Insel- und Halligkonferenz tagte auf Föhr …


Die 45. Mitgliederversammlung der Insel-und Halligkonferenz fand in diesem Jahr auf Föhr statt. Neben den vor Ort erschienenen Teilnehmern nutzen viele Mitglieder die Möglichkeit der Online- Teilnahme. Die Insel- und Halligkonferenz ist der Zusammenschluss aller Gemeinden, Städte und Ämter der Inseln und Halligen in Nordfriesland, sowie der Hochseeinsel Helgoland. Der Verein behandelt Themen wie Sicherheit auf See, Küstenschutz, Klimaschutz, Verkehr, Daseinsvorsorge, Nachhaltige Regionalentwicklung, Tourismus und internationale Vernetzung mit dem Ziel eines gemeinsamen Standpunktes gegenüber Politik und Verwaltung.

Mit der „Strategie für das Wattenmeer 2100“ hat die Landesregierung angesichts des Klimawandels und des dadurch bedingten Meeresspiegelanstieges die Weichen für die Zukunft des Wattenmeeres in Schleswig-Holstein gestellt. Als Ergänzung dazu hat nun die Insel- und Halligkonferenz ein Positionspapier verabschiedet, welches eine Reihe von Vorschlägen zur Umsetzung der Strategie beinhaltet. Unter anderem fordert die Konferenz

  • Initiierung eines Pilotprojektes zur Entwicklung des Insel- und Halligvorlandes zur Vermeidung und Bekämpfung weiterer Erosion an den Inseln- und Halligkanten
  • Sicherstellung der Arbeitsplätze im Küstenschutz für die Bewohnerinnen und Bewohner der Inseln und Halligen sowie Erhalt dieser Arbeitsstellen vor Ort
  • Keine weitere Hamburger Hafenschlickverklappung vor Helgoland. Der Elbschlick ist abzulagern, zu dekontaminieren und vorrangig im Küstenschutz für den Deichbau zu verwenden
  • Zusammenfassung aller Vollzugsorgane See in einer unter einem Kommando geführten „Deutschen Küstenwache“
  • Anpassung der vorhandenen Sicherheitskonzepte, die den neuen Herausforderungen der Meeresnutzung (Off-Shore Windparks, Rohstoffgewinnung, wachsender Schiffsverkehr) Rechnung trägt
  • Keine CO2-Verpressung in Nordfriesland, unter dem Wattenmeer oder der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ)
  • Mitgliedschaft der Insel- und Halligkonferenz im Stiftungsrat der Nationalparkstiftung Schleswig-Holstein

Da Staatssekretärin Dr.Dorit Kuhnt aufgrund wichtiger Termine hinsichtlich neuer Corona-Maßnahmen verhindert war und ihre online Teilnahme kurzfristig absagen musste, verlas Manfred Uckermann ihr Grußwort.

Küstenschutz in Schleswig-Holstein (GPK 2012), Dr. Johannes Oelerich, 45.IHKo

Wie stellen wir uns gerade auf den Inseln und Halligen auf jährliche Meeresspiegelanstiegsraten von 1 bis 2 Zentimetern zum Ende dieses Jahrhunderts ein?“ war die Eingangsfrage der StaatssekretärinFür die Sicherung der Halligen und Inseln werden komplexe Strategien und Maßnahmen erarbeitet. Die Sicherung vor Uferabbruch, Erhöhung der Warften, Schutz der sandigen Inselküsten und auch eine Erhöhung der Deiche sind nur einige Maßnahmen.  Die Herausforderung ist, diese geplanten Maßnahmen mit den Anforderungen des Naturschutzes in Einklang zu bringen. Dorit Kuhnt machte aber deutlich, dass Naturschutz letztendlich nicht zu einer Verzögerung oder sogar zu einer geringeren Schutzwirkung von Maßnahmen führen darf. Küstenschutz als Schutz von Menschenleben, Hab und Gut hat oberste Priorität.

Dieses ist mit erheblichen Kosten verbunden. In diesem Jahr werden voraussichtlich 88 Mio. EURO für den Küstenschutz ausgegeben. Das Grußwort endete mit dem Wunsch auf eine weitere gute Zusammenarbeit aller Beteiligten.

Dr. Johannes Oelerich vom Ministerium Energiewende, Landwirtschaft Umwelt, Natur und Digitalisierung gab einen Überblick über die wachsenden Anforderungen an Küsten- und Naturschutz am Beispiel der Deichverstärkung in Dunsum/Utersum.

Auf den Inseln und Halligen des Kreises Nordfriesland gibt es Landesschutzdeiche auf einer Länge von 71 km, Regionaldeiche mit einer Gesamtlänge 59 km sowie 39 Warften. Die gesamte Küstenlänge der Inseln und Halligen beträgt 271 km.

Im Rahmen des Generalplan Küstenschutzvon 2012 wurden die Deichabschnitte von Dunsum (2,5 km) und Utersum (2,0 km) in die Liste der zu verstärkenden Landesschutzdeiche aufgenommen. Die Uferböschungen sind zu steil, die Deiche haben eine ungenügende Kleiabdeckung und es droht ein Wellenüberlauf bei HW 200-Wasserstand (maximaler Hochwasserstand in einem Zeitraum von 200 Jahren). Die Deiche schützen einen Bereich von 68 km2in denen etwa 4400 Einwohner leben. Bevor mit den eigentlichen Deichverstärkungsmaßnahmen begonnen wird, sind noch umfangreiche Sandvorspülungen im Bereich des Deiches Utersum geplant. Auf einer Länge von 1,9 km müssen ca. 200.000 m3Sand vorgespült werden. Weiterhin werden etwa 350.000 m3 Klei benötigt. Da ein Transport vom Festland zu aufwendig ist, wird der Klei an 8 verschiedenen Stellen auf Föhr entnommen. Die Erhöhung der Deiche erfordert auch eine deutliche Verbreiterung der Deichsohle. Bei der Frage, ob der Deich nach innen oder nach außen verstärkt wird, spielt neben betroffener Infrastruktur (Straße, Gebäude, Entwässerungssiel) auch der Denkmalschutz (Megalithgrab) und vor allem der Naturschutz eine große Rolle. Es gilt abzuwägen, welche Tier- und Pflanzenarten auf der Innen/Außenseite von der Baumaßnahme den geringsten Schaden nehmen könnten. Die Sandvorspülungen sind für das Jahr 2022 geplant, die Arbeiten zur Deichverstärkung für Anfang 2026.

Ein weiteres Thema der Konferenz war der Umgang mit der Covid 19 Pandemie. „Es ist wichtig große Infektionszahlen von den Inseln und Halligen fernzuhalten“ so Ruth Hesse (Ministerium für Soziales, Gesundheit Jugend, Familie und Senioren) in ihrem Bericht über den Sachstand und den Umgang mit der Covid 19 Pandemie in Schleswig-Holstein. Unter anderem berichtete Ruth Hesse, dass Helgoland mit einem Schnelltestgerät ausgerüstet worden ist, damit man unabhängig vom Transport aufs Festland möglichst schnell Testergebnisse bekommen kann. Es wurde diskutiert, ob dieses auch eine Möglichkeit für die Halligen ist, da im Winterhalbjahr die Fährverbindungen sehr witterungsabhängig sind.

  

 

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Über Ralf Hoffmann

Ralf Hoffmann wurde 1955 in Schleswig geboren und zog mit seinen Eltern und Geschwistern 1962 nach Amrum. Nach dem Abitur in Niebüll studierte Ralf Luft und Raumfahrttechnik in Berlin. Die ersten 6 Berufsjahre verbrachte er als Entwicklungsingenieur bei VW und danach wechselte er als Aerodynamischer Entwicklungsingenieur zu Ford nach Köln. Als Leiter der Aerodynamischen Entwicklung für Ford Europa und die letzten 15 Jahre als Manager Aerodynamik und Motor- und Komponentenkühlung war er weltweit verantwortlich und viel unterwegs, um die jeweiligen Prototypen unter Hitze und Kälte zu testen. Nach all den Jahren auf dem Festland sind Ralf und seine Frau Karin nun wieder nach Amrum zurückgekehrt.

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