Stahlriese am Amrumer Strand angetrieben …


Gleich als Sspielplatz in Beschlag genommen …

Am Morgen des Karfreitag gab es im Spülsaum des Norddorfer Strandes einen Fund der besonderen Art: Ein roter Stahlriese mit Beleuchtung und einer weißen 8.

Die Fahrwassermarkierung, eine Backbord-Leuchttonne, war im Vortrapptief nahe Jungnamensand (ca. 4 Kilometer westlich vom Nebeler Strand) abgerissen und trieb bis an den Norddorfer Strand. Ein Strandkorbvermieter hatte sie am frühen Freitagmorgen entdeckt, ein erster Bergungsversuch mit zwei Traktoren scheiterte, erst beim nächsten Niedrigwasser am Abend konnte sie mit Hilfe von drei Traktoren in Schlepp genommen und hinauf zum Strandübergang gezogen und zwischengelagert werden, dort wurde sie anschließend von vielen Schaulustigen bestaunt.
Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) hat die „havarierte“ Leuchttonne inzwischen mit Unterstützung eines Autokranes auf einen Tieflader verbracht und abtransportiert. Im Wittdüner Seezeichenhafen, einem Außenbezirk des WSA Tönning, wird das Seezeichen nun für einen neuen Einsatz in der Nordsee vorbereitet. Für die havarierte Tonne ist schon eine andere Tonne in Vorbereitung und diese wird der in Wittdün beheimatete Tonnenleger „Amrumbank“ am Freitag dann als Ersatz exakt auf die alte Position aussetzen, so Wolfgang Stöck, Leiter des Außenbezirks Amrum vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Tönning (WSA). Dann wird auf der Position 54°38’32.3″N 8°15’32.4″E die solarbetriebene rote Backbord-Leuchttonne mit der Nummer 8 den Schiffen wieder eine Orientierungshilfe geben und bei Dunkelheit alle 4 Sekunden rot aufblitzen.
Diese Leuchttone mit knapp 10 Metern Länge und einem Durchmesser von 2,50 Meter hat ein Gewicht von ca. 5.000 Kilogramm, dazu kommen noch einmal 240 Kilogramm für den Solar-Kompakt-Aufsatz. Der Preis für solch ein Tonne wird mit 17.000 bis 20.000 Euro beziffert. Diese kompakten Systeme mit den energiegünstigen LED-Laternen brauchen fast keine Wartung mehr und liegen in der Regel viele Jahre wartungsfrei auf See aus.
Besonders bei Stürmen werden die Rundstahlketten zwischen der Tonne und den Tonnensteinen am Meeresboden stark beansprucht. Die Kettenlänge entspricht in etwa dem dreifachen der Wassertiefe. Durch den Wellengang treten an den Kettengliedern starke „Ruckkräfte“ auf, so das die Glieder auseinanderreißen und die Tonne sich dann selbstständig macht.
Schwimmende Fahrwassertonnen sind sogenannte laterale Zeichen und markieren, wie der Name es bereits vermuten lässt, die Schifffahrtsstraßen. Backbordtonnen kennzeichnen die Backbordseite (links) des Fahrwassers von See her kommend. Die Farbe der Backbordseite des Fahrwasser ist rot, die der Steuerbordseite (rechts) grün. Steuerbordtonnen werden mit ungeraden Nummern bezeichnet während die Backbordtonnen gerade Nummern haben.
Fotos: Gerd Arnold, Anna Jannen und Wolfgang Stöck
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Über Gerd Arnold

Gerd Arnold ist ein „echter“ Nordfriese, 1957 in Nebel auf Amrum geboren und der friesischen Sprache (öömrang) mächtig. Nach dem Schulabschluss erlernte er in Wittdün den Beruf des Elektroinstallateurs. 1976 zog es ihn nach “Deutschland”, Wohnorte waren u.a. Wuppertal, Owschlag, Koblenz und Pinneberg. 33 Jahre war er bei der Bundeswehr, u.a. als Flugzeugelektriker und Ladungsmeister auf der Transall C-160. Ende Oktober 2010 – ging es altersbedingt – in den Ruhestand. Als Hobby ist da zum einen das Angeln, seit 40 Jahren ist er im Amrumer Angelverein aktives Mitglied und zum anderen der Handball, da allerdings nur passiv bei den Damen der HG Owschlag-Kropp-Tetenhusen als Hallensprecher in der 3.Liga Nord. Von 1980-1995 und seit 2005 ist Gerd in Owschlag beheimatet, sein zuhause ist aber immer Amrum geblieben. Gerne würde er dauerhaft auf die Insel zurück, es fehlt bisher aber noch ein passendes Wohnungsangebot.

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One comment

  1. Lieber Herr Arnold

    mit großem Interesse habe ich den Aufenthalt der Leuchttonne auf Amrum verfolgt und viele Fotos davon gemacht. Nur, auf die Insel darf ich ja nicht und wie soll das von Nürnberg aus gehen? Doch, da gibt es ja diese genialen Webcams, denen wirklich nichts entgeht.
    Am Osterfreitag, 9.April um 0:30 Uhr geriet die Tonne zum ersten Mal ins Blickfeld der Norddorfer Webcam, sie trieb langsam nach Norden, eine Stunde später um 1:30 ist sie dann auf Amrum gestrandet. Bei der nächsten Flut, etwa mittags kam sie um 11:40 Uhr wieder frei und driftete bis 12:20 Uhr wenige hundert Meter nach Norden, wo sie dann erneut strandete.
    Ja, unzählige Fotos zeigen, dass sie nach der Bergung von den Kindern ausgiebigst als Klettergerüst und zum Schaukeln genutzt wurde, oder als bequemer Sitz von den Größeren, um den Sonnenuntergang zu bewundern.
    Beeindruckend waren auch die Fotos nachts oder am frühen Morgen zur beginnenden Dämmerung,
    dunkelblauer Himmel, viele Sterne sind noch sichtbar und unten leuchten das Hörnumer Seezeichen, der Windpark, das tiefrote Licht der Tonne und die Lampen von Lollypop um die Wette. (Abends vor Sonnenuntergang lohnte es sich, den Blick der Kamera etwas zu schwenken und das schöne Pottwalskelett zu bewundern, das die dann tiefstehende Sonne herrlich aufleuchten ließ.)
    Am Dienstag, 13. April wurde die Tonne abgeholt und kam dann um 10:10 Uhr im Seezeichenhafen an. Diesmal fotografierte natürlich die Wittdüner Webcam. Sie zeigte auch eine halbe Stunde später, wie der Tieflader am Anleger abgestellt wurde, der dann um 11:50 Uhr auf die Fähre kam.
    Also, alles spannend wie ein Krimi, ein „Bewegungsprofil“ der Leuchttonne wurde erstellt.

    Walter Axmann

    P.S. zu K. Martinens Leserbrief zu Ihrem Artikel „Rundum beste Aussichten“. Von der Software der Kameras werden Aufnahmen von Menschen bis zur Unkenntlichkeit verpixelt, sodass Datenschutz gewährleistet bleibt. Ist man jedoch mit dem Hund unterwegs, wird man trotzdem an seinem Hund erkannt, der wird nämlich schön scharf abgebildet.

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