Amrum hilft der Ukraine …!


Familie Olmechenko

Vor fast einer Woche geschah das Unfassbare. Es ist Krieg in Europa – es ist Krieg in der Ukraine. Mit Schrecken und Bestürzung verfolgen die Menschen in den Medien die ersten Luftangriffe auf ukrainische Städte und den Einmarsch der russischen Truppen auf Befehl des russischen Präsidenten Putin. Ukrainische Bürgerinnen und Bürger, die in Deutschland und vielen weiteren Ländern leben, befinden sich in großer Sorge und Angst um das Leben ihrer Familien, Verwandten, Freunde und Bekannten, die nun in den Kriegsgebieten Schutz suchen müssen, oder die sich bereits auf der Flucht aus ihrer Heimat befinden. Nur das Nötigste kann von den Flüchtenden mitgenommen werden und vieles muß zurückbleiben.

Für die auf Amrum lebende Familie Iryna Halun und Maksym Olmechenko ist das alles ein großer Schock. Seit 15 Jahren sind sie in Deutschland, und leben seit 11 Jahren mit ihren drei Kindern und dem Familienhund auf der Insel Amrum. Regelmäßig besuchen sie ein- bis zweimal im Jahr ihre Familien und Freunde in ihrem Heimatland. Doch die anfängliche Ohnmacht und Hilflosigkeit ist nun einem Aktionismus gewichen, und Maksyms Plan, den Flüchtenden zu helfen, als auch die Bürgerinnen und Bürger mit nötigem Material zur eigenen Verteidigung zu unterstützen, nahm Gestalt an.

Maksym, dessen Frau Iryna im Hotel Seeblick****Genuss und Spa Resort angestellt ist, teilte der Hotelchefin Nicole Hesse seine Idee mit, eine spontane Hilfsaktion ins Leben zu rufen und bat um ihre Unterstützung. Nicole Hesse zögerte nicht eine Sekunde, entwarf einen Hilfsaufruf und innerhalb von nur einer Stunde nach der Veröffentlichung ” Hilfe für die Ukraine” in den sozialen Netzwerken und diversen Whatsapp-Gruppen lief ihr Telefon auf Hochtouren und die bereitgestellten Garagen auf dem Seeblick-Grundstück waren binnen 24 Stunden prall gefüllt mit den benötigten Hilfsgütern und Spenden. Die Amrumer Bürgerinnen und Bürger bewiesen bereits in vergangenen Aktionen, in denen es um das Wohl, die Sicherheit und Gesundheit von Menschen ging, dass so eine Hilfekette schnell, spontan und reibungslos funktioniert. Kräfte werden gebündelt und Kontakte mobilisiert, man steht hier fest zusammen für Frieden, Sicherheit und Menschlichkeit.

“Es ist echt toll und unglaublich wieviel hier zusammengekommen ist, und auch immer noch angeliefert wird. Die Amrumer*innen sind einfach toll. Wir sind berührt und dankbar, denn soviele Menschen und die verschiedensten Institutionen wie Apotheken, Geschäfte, Firmen auf der Insel, Freunde von Föhr und dem Festland haben sich auf viele Arten beteiligt”, erzählt Nicole Hesse, während sie mit vielen freiwilligen Helfer*innen die unendlichen Mengen an Kartons, Taschen und Paketen sichteten und sortierten nach Lebensmitteln, Hygieneartikeln, Babynahrung, Windeln, Medikamenten sowie Verbandsmaterialen, Decken, Kleidung und Thermoskannen, etc. Alle Kartons wurden beschriftet, um es den Menschen vorort leichter zu machen, die Materialien zu verteilen, und diese in diese in Fahrzeuge und Anhänger verstaut. Die Welle der Hilfsbereitschaft riss am Dienstagnachmittag nicht ab – immer wieder fuhren Autos vor, die noch mehr Spenden brachten. Immer wieder kamen Amrumerinnen und Amrumer auf Maksym zu, wünschten ihm alles Gute für die Mission und überreichten auch finanzielle Unterstützung. Vorort herrschte wirklich eine besondere Stimmung am Dienstagnachmittag bei den tatkräftigen, entschlossenen und hilfsbereiten Menschen, und viele Gedanken an welchen Ort all diese Hilfsgüter gelangen werden, und vor allem wie es den Menschen dort geht, beschäftigten die freiwilligen Helfer*innen.

Am nächsten Tag verließ Maksym, unterstützt von einem Freund, die Insel mit zwei bis unter das Dach vollgepackten Sprintern plus ebenso vollem Anhänger in Richtung polnisch-ukrainischer Grenze. Das zweite Fahrzeug wurde vom Amrumer Bierverlag für diese wichtige Fahrt zur Verfügung gestellt und die Fährkosten für diese Fahrzeuge wurde von der Wyker Dampfschiffs-Reederei übernommen.

Es gab aber nicht nur Sachspenden, und eine unglaubliche Summe von fast 10.000 € Spendengeldern ist binnen kürzester Zeit zusammengekommen. Dieses Geld wird Maksym verwenden, um Schutzausrüstungen für die ukrainische Bevölkerung zu kaufen, damit sie sich verteidigen können. Um Missverständnissen hier nochmals vorzubeugen: Diese Materialien fließen definitiv den Bürgerinnen und Bürgern zu – nicht der Armee! Und um sich auch davon zu überzeugen, dass alle Dinge an den richtigen Stellen ankommen, ist es Maksym besonders wichtig, selbst vorort zu sein. “Ich habe viele Kontakte gefunden, aber trotzdem fahre ich selbst um mir ein Bild zu machen. Ich will nicht einfach die Sachen an weitere Lieferdienste abgeben, auch hier muß man vorsichtig sein, ob alles echt ist. Da will ich auf Nummer sicher gehen”, erklärt Maksym entschlossen und erzählt weiter: “Regelmäßig bekommen wir Anrufe von unseren Familien und Freunden. Es ist schrecklich. Jetzt ist die Zeit gekommen, jetzt müssen wir was machen, nur gemeinsam können wir etwas schaffen. Einfach nur sitzen und auf den schrecklichen Blockbuster warten – das will ich nicht. Und dann sterben Menschen, die überhaupt nichts mit Krieg zu tun haben. Es ist Zeit, etwas zu tun.” Maksym wird nun die nächsten drei bis vier Tage unterwegs sein. Er hat aber schon angekündigt, dass es nicht bei dieser einen Fahrt bleiben wird. Es wird weitergehen mit der Unterstützung und Hilfe für die Ukraine.

Allen Amrumrinnen und Amrumern, allen freiwilligen Helfern und Spendern sei hier auf diesem Wege ein großer Dank ausgesprochen für all ihre Hilfe und Unterstützung in Form von Sach- und Geldspenden! Drücken wir Maksym die Daumen und wünschen ihm und seinem Freund auf der Reise alles Gute!

Für weitere Spenden darf man sich gern weiter an Nicole Hesse als Koordinatorin wenden:

mail@seeblicker.de

Handy: 0170-7367837 (Nicole Hesse)

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Über Susanne Jensen

Susanne Jensen wurde 1965 in Hamburg geboren. In Appen bei Pinneberg aufgewachsen, kam sie nach der Erzieherausbildung 1985 auf die Nordseeinsel. Die Mutter von zwei heut erwachsenen Söhnen arbeitete anfangs einige Jahre in der Fachklinik Satteldüne und war dann von1992 bis 2016 als Erzieherin in den Kindergärten Wittdün und Nebel beschäftigt. Nun ist Susanne wieder tätig als Erzieherin in der Fachklinik Satteldüne.

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One comment

  1. Toll, wie Ihr das macht.
    Euere Reinhard und Biggi Vetter

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