Brände, Geiste und ein Whisky als Likör


Eine große Auswahl an Bachgau-Spirituosen gibt‘s in der Blauen Maus oder direkt vom Erzeuger www.bachgau-destille.de

Nie hätte ich gedacht, wie interessant ein Spirituosen-Tasting sein kann und dass es mich fünf anregende Stunden in der Blauen Maus auf Amrum erleben lassen würde.

Dass eine Schnapsprobe erheiternd sein dürfte, liegt auf der Hand. Dass in der Maus neben dem ausgezeichneten Whisky-Angebot auch andere geistige Getränke ausgeschenkt werden, weiß ich als Whisky-Muffel natürlich schon länger. Schließlich hatte mich ein Obstbrand nach einem kräftigen Bar-Essen auf die Verkostung von Hochprozentigem aus der kleinen bachgauDestille am 1. Mai aufmerksam gemacht. Aber dass ich jemals einen solchen Abend ohne Kater überstehen könnte und sich meine Antipathie gegenüber Whisky als persönliches Geschmacksvorurteil entpuppen würde, hätte ich bis letzten Mittwoch nicht geglaubt.
Da präsentierte Alexander Hotz mit seiner Frau Christine Spirituosen der bachgau-Destille in der Blauen Maus. Die beiden sympathischen Franken waren schon zum dritten Mal auf Amrum. Sie kommen aus einem Dorf zwischen Darmstadt und Aschaffenburg: 400 Einwohner, vier Bierbrauer, zwei Schnapsbrenner. Als Quereinsteiger setzt Alexander Hotz hier die Brenntradition der Familie seiner Frau fort und verarbeitet die Ernten von Streuobstwiesen zwischen Spessart und Odenwald. 2013 machte er das Destillieren zu seinem Hauptberuf.
Bachgauer und Mäuse

Mit großer Leidenschaft für seinen Beruf und mancher Anekdote ließ er uns an seinem Wissen teilhaben. So habe ich gelernt, dass Brände und Geiste hierzulande einen Alkoholgehalt von 37,5 bis 42 oder 43% im Volumen enthalten müssen und was einen Brand von einem Geist unterscheidet. Anders als früher werden gute Brände heute zweifach destilliert und enthalten keinen Fusel mehr. Die giftigen Alkohole (zu erkennen am Geruch nach Spiritus oder Klebstoff) werden rausdestilliert und abgetrennt. Klar, auch die Menge macht das Gift, wie bei jeder Droge, aber eben nicht nur. Reinheit und Qualität der Grundstoffe sind von Bedeutung, für den kopfschmerzfreien Genuss und einen guten Geschmack.

Ein Brand entsteht aus einer Maischegärung. Die Frucht wird zerquetscht und mit einer Hefe versetzt, die den im Fruchtsaft enthaltenen Zucker in Alkohol umwandelt, der dann zweimal destilliert wird. Hat eine Frucht nicht genug eigenen Saft für die Gärung, wird sie mit 96%igem Neutralalkohol „aufgesetzt“ und gibt ihr Aroma an den Alkohol ab, sozusagen den Geist. Der wird anschließend noch destilliert und heißt dann auch so.
Manche Brände reifen vor der Flaschenabfüllung noch mehrere Monate in alten Eichen- oder Maulbeerbaumfässern, die ihre Farbe und Aromen an die Destillate abgeben (zu erkennen am Vermerk „holzfassgelagert“). Meist lagerten darin zuvor französische Rotweine wie Pinot Noir oder amerikanische Bourbon-Whiskys.
Man hätte dem fröhlichen Tasting am 1. Mai ein paar mehr Gäste gewünscht

Auch Liköre werden mit Trinkalkohol angesetzt, doch nicht gebrannt. Für Likör ist kein Mindest- oder Höchstalkoholgehalt festgelegt, aber er muss 20 Gramm Zucker pro Liter Flüssigkeit enthalten. Durch die Zugabe von Wasser oder anderer nicht-alkoholischer Flüssigkeit reduziert sich der Alkoholgehalt. So wird zum Beispiel aus einem gut 40%igen Whisky ein Whisky-Likör mit 25% Alkohol im Volumen.

Für seine Whiskys arbeitet Alexander Hotz mit örtlichen Bierbrauern zusammen und verwendet Gerstenmalz, kein Torfmalz. Im Unterschied zu den, von den Erntezeiten abhängigen Obstbränden, steht der Grundstoff für Whisky das ganze Jahr über zur Verfügung. Schon 2008, noch im Nebenerwerb, hat er seinen ersten Whisky gebrannt. 2016 wurde ein Whisky der bachgau-Destille als einer der besten deutschen Whiskys ausgezeichnet. Kein Wunder also, dass sich Bachgauer und Mäuse auf der Whiskymesse in Frankfurt kennenlernten.
Natürlich durfte ein kleiner Schuss Whisky auch in Jan von der Weppens Prawn-Cocktail, dem ersten Gang des Begleitmenüs zum Tasting, nicht fehlen. Als Hauptgang standen Fish‘n Chips oder Steak zur Auswahl, und zum Abschluss wurde ein aromatisches Waldmeister-Vanille Dessert serviert, angereichert mit nur ein paar Tropfen Waldmeisterlikör. Vor, zwischen und nach den Gängen gab es Hochprozentiges.
Ein guter Brand wird nie kalt getrunken und gehört nicht in den Kühlschrank, hatten wir gleich zu Beginn des Tastings gelernt. Nur dann entfaltet er im Glas seine Aromen.
Ein edler Geist im Glas: die Vogelbeere

Wir starteten mit dem seltenen Vogelbeergeist (42% vol). Erstaunlich mild aus so herben Beeren. Der holzfassgelagerte Quittenbrand danach (43% vol) entfaltete ein unverwechselbares, zartes Quitten-Aroma.

Es folgten die Whiskys. Wir probierten den Bachgau Whisky, einen 40%igen Single Malt; den Bachgau Highländer mit 46%, auch ein Single Malt; den Bachgau Willi-Whisky mit 43% , ebenfalls ein Single Malt, aber im Holzfass ausgebaut, das zuvor mit Williams-Christ-Birnenbrand belegt war. Dann hatte der achtjährige Single Malt Bachgau-Whisky seinen großen Auftritt: Alkoholgehalt 62,5% vol – und kein bisschen kratzig. Bisher hatte ich an den Whiskys nur genippt, aber dieser war etwas Besonders. Mit ein paar Wassertröpfchen aus der Pipette trank ich ihn ganz aus. Nummer 7 ließ mich an meiner Whisky-Abneigung gänzlich zweifeln: Der Bachgau SMOKE, ein 46% Buchenrauchmalz-Whisky, ausgebaut in französischer Limousin-Eiche mundete mir besonders. Der Rauchgeschmack schneide in Tastings erstaunlicherweise gerade bei Frauen gut ab, erzählte Christine Hotz.
Mir schmeckte dann auch die Whisky-Biene, ein 25%iger Whiskylikör und zum krönenden Abschluss der 20%ige Heidelbeer-Kakao-Likör. Kein Sahne-Likör, sondern fruchtig mit einer kleinen Note schwarzer Schokolade. Bordeauxrot wie ein Kirschsaft und so lecker wie ein Blaubeermuffin im Glas. Passt bestimmt gut auf Vanilleeis oder in Sekt.
Nicht den Hauch eines Kätzchens hatte ich am nächsten Tag, obwohl ich als Sechsten von neun ausgeschenkten Spirituosen sogar den 62,5%igen Single Malt Whisky probiert hatte. OK, ich habe auch keinen zusätzlichen Alkohol getrunken (dafür viel Wasser), ausnahmsweise Fleisch (statt Fisch) im Hauptgang des dreigängigen Maus-Menüs gewählt und mich bei den Probiermengen stark zurückgehalten. Es liegt aber auch an der hohen Qualität der von Alexander Hotz in Schaafheim-Radheim hergestellten Produkten. Eine große Auswahl aus der bachgau-Destille gibt‘s in der Blauen Maus oder direkt vom Erzeuger www.bachgau-destille.de
Vielleicht sollte ich auch dem Whisky generell nochmal eine Chance geben und am 29. Mai am Tasting mit Heinfried Tacke teilnehmen, dem Whisky-Experten Deutschlands? Anmeldung unter https://blauemaus-amrum.de/termin/whisky-tasting-13
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Über Astrid Thomas-Niemann

Astrid Thomas-Niemann ist gelernte Schifffahrtskauffrau sowie studierte Sprach- und Erziehungswissenschaftlerin. Sie hat viele Jahre als Schifffahrtsanalystin gearbeitet und lebt seit 2015 in Wittdün. Als junge Frau kam Astrid 1981 das erste Mal auf die Insel und besuchte auf Zeltplatz II die Niemanns aus Hamburg, die Amrum seit 1962 urlaubsmäßig die Treue halten, inzwischen bereits in der 4. Generation.

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