Jens Quedens – ein Amrumer Original wurde 80 …

Wetterkapriolen …

Zur Feier des Tages war eine „einmalige“ Rundfahrt um Amrum und um Föhr mit der MS „Eilun“ vorgesehen, doch das Wetter spielte genau an diesem Tage verrückt. Nicht, dass es nur mehr als windig war – nein, es musste ja ausgerechnet an diesem Tag ununterbrochen wie aus Eimern gießen.

Doch nun der Reihe nach.

Jens Quedens kam als drittes Kind von Johannes und Weline („Hanje“ und „Lantj“) am 30. Juli 1945 in Norddorf zur Welt.

An einer Begegnung aus Kindheitstagen erinnert sich Jens sehr gerne. Es war im Sommer 1955 am Norddorfer Strand. Ein gleichaltriger Badegastjunge namens Hans Nebel (Semordnilap: Lebensnah) spielte, typischerweise nur mit Badehose bekleidet am Wasser und hatte so seine Probleme mit einer „Gemeinen Strandkrabbe“ (Krebs) in Drohstellung. Das machen die Krebse immer dann wenn sie sich bedroht fühlen und mitunter kneifen sie dann mit den Scheren. Das kann schmerzhaft sein, ist aber in der Regel nicht gefährlich. Wie fasse ich diesen Krebs an ohne das er kneift? Jens kam dem Jungen zur Hilfe und zeigte ihn wie man einen Krebs am Panzer anfasst. Von hinten packen und seitlich am Panzer anfassen! So entgeht man dem schmerzhaften zukneifen.

Hans erinnerte sich auch an diese erste Begegnung mit Jens, erzählte sie allerdings etwas anders. Er wusste aber noch wie Jens gekleidet war, mit einer blauen Turnhose und einem Kurzarm T-Shirt. Auf die Frage hin warum er so am Strand herumlaufe, erwiderte Jens: „Ich will doch nicht so aussehen wie Ihr!“

Hans und Jens 80+80

Aus dieser Begegnung entstand eine Freundschaft die auch noch heute – nach 70 Jahren! – andauert und inzwischen die gesamte Familie mit einschließt. Gemeinsam wurde nun der 80.Geburtstag gefeiert. Jens am 30. Juli und Freund Hans Nebel aus Bad Lauterberg, am 31. Juli.

Wattenmeerkreuzfahrt

Zurück zur Rundreise mit der MS „Eilun“. Das Tiefdruckgebiet Karlheinz machte aus der Rundreise eine „Wattenmeerkreuzfahrt“, die – trotz des Wetter – traumhaft schön war. Von Wittdün aus ging es windgeschützt zwischen Amrum und Föhr hinauf bis zur Amrum-Odde, wo die Eilun von neugierigen Kegelrobben beobachtet wurde. Unter Land, der Ostseite Amrums, ging die Fahrt zurück nach Wittdün.

Ulla sorgte für Stimmung

Ulla sorgte mit dem Akkordeon für die passende Stimmung an Bord.

Obwohl viele sich zuvor noch nie gesehen hatten, fühlte man sich wie in einer großen Familie in der viele interessante Gespräche geführt wurden. Aus nah und fern waren die Gäste angereist.

John Zhou singt in Sanskrit

„Nationalhymen“, wie das Saterlied (Seelter Läid) wurde von zwei Damen aus dem niedersächsischen Saterland vorgetragen und der Chinese John Zhou präsentierte in Sanskrit zwei Lieder. Nicht nur das, er hat so ganz nebenbei zwei Damen im Handumdrehen mit Akupunktur behandelt und dadurch sie von ihren Rückenschmerzen befreit.

Der Tag fand seinen Ausklang in der „Blauen Maus“, wo die netten Gespräche fortgesetzt wurden. „Keine Geschenke!“, darum hatte Jens gebeten, doch er bekam dennoch so Einige. Eine Abordnung der Amrumer Trachtengruppe überraschte Jens mit ihrer tanzenden Anwesenheit in der „Blauen Maus“.

Amrumer Trachtengruppe tanzt in der Blauen Maus

Um Punkt Mitternacht wurde dann auf den 80.Geburtstag von Hans Nebel angestoßen.

Jens und seine Geschwister kamen alle irgendwann zur Fotografie.

Dabei begann für Jens alles anders! Jens hatte einen Traum, er wollte zur See fahren – Kapitän werden.

Vier Jahre fuhr er auf See, damit war die erforderliche Fahrzeit absolviert und der nächste Schritt, die Steuermannsschule (Navigations- oder Seefahrtschule) stand an. Doch die erforderliche Gesundheitskarte gab es nicht, denn die Sehfähigkeit des linken Auges brachte es nach Angaben der Ärzte damals nicht auf die erforderlichen Werte.

Für drei Jahre ging es danach in die Ausbildung als Fotohändler. 1972 hat Jens den Fotohandel von seinem Vater Johannes übernommen.

Stets hat er sich weiter fortgebildet und war immer auf dem aktuellen Stand. Foto Quedens weitete sich auf Amrum aus, drei Läden gab es auf der Insel, die heutigen zwei Läden führt seit 2018 Sohn Leif.

Fotografie reichte Jens aber nicht, er übersetze u.a. Bücher ins Friesische.

1975 gründete Jens den Jens Quedens Verlag. Der Amrum-Kalender erschien in diesem Jahr zum ersten Mal. „Porträt einer Insel“, war dann 1979 das erste Buch. Viele Quedens-Bücher, wie z.B. über Regionalgeschichte und der friesischen Sprache findet man in den Regalen der Buchhandlung. So auch „Max und Moritz – Eine Bubengeschichte in sieben Streichen“ („Maks an Moorits – Sööwen fülkhaiden“) aus dem Jahre 1980. Nicht zu vergessen die Amrumer Jahreschroniken von 1983 bis 2012.

Vor über 50 Jahren hat Jens Quedens den Öömrang Ferian gegründet und von Anfang an ist er der Vorsitzende. Jens hat eine Menge bewegt, für die Kultur, der friesischen Sprache, Naturschutz u.v.m.. Jens ist weit über die Grenzen Amrums hinaus bekannt und ein gefragter Mann.

Aus den Händen des Ministerpräsidenten des Landes Schleswig-Holstein erhielt er 2022 für sein Engagement einen Orden, das Bundesverdienstkreuz am Bande.

15 Jahre (1995-2010) war Jens im Gemeinderat Norddorf tätig, er ist Vertrauensperson des archäologischen Landesamtes u.v.m..

Beim Film „AMRUM“ von Fatih Akim hat er auch mitgewirkt (ab 9. Oktober im Kino). Er schickte dem Drehteam Motive aus den 1940er-Jahren von Amrum (sogenannte Moodboards) für die Drehortsuche und er war auch für die friesischen Dialoge im Film zuständig. Die Darsteller mussten teilweise öömrang sprechen und da war Jens der optimale „Lehrer“!

Wenn man etwas über die Vergangenheit Amrums Wissen will, ist Jens immer eine gute Quelle. Er selbst meint aber, das es so nicht stimme: „Über Aktuelles auf der Insel weiß ich so gut wie nichts mehr, bei älteren Inselgeschichten da kenne ich mich viel besser aus. Wenn ich dann einmal auf dem „Schlauch“ stehe, dann kenne ich jemanden den ich fragen kann.

Amrum News wünscht „sünjhaid“!

Über Gerd Arnold

Gerd Arnold, 1957 in Nebel auf Amrum geboren. Ein „echter“ Amrumer mit der friesischen Sprache (öömrang) aufgewachsen. Bis 1972 die Schule in Nebel besucht, danach Elektroinstallateur in Wittdün gelernt. 1976/77 in Wuppertal den Realschulabschluss nachgeholt. Ab Oktober 1977 als Berufssoldat bei der Bundesluftwaffe und seit November 2010 Pensionär. Nach vielen Jahren der verzweifelten Suche nach passenden „bezahlbaren“ Wohnraum auf Amrum endlich fündig geworden, seit Februar 2022 wieder ständig auf Amrum. 2019 ins Team der Amrum News integriert, aber das soll neben dem Angeln nicht die einzige Aktivität auf der Insel bleiben.

schon gelesen?

Ein Tanzabend, der alle mitreißt …

Ein Abend voller Rhythmus, Emotion und Gemeinschaft.In der Inseldisco zeigen Tänzer:innen ihr Können – und …

Schreibe einen Kommentar

WP2Social Auto Publish Powered By : XYZScripts.com