100 Jahre Gemeinde Norddorf-ein Grund zum Feiern!

1925 – ein turbulentes Jahr  für Norddorf

Brief mit Anmerkungen vom Chronisten Georg Quedens

»Die Dorfschaft Norddorf beantragt, die Gemeindevertretung Amrum wolle in der heutigen Sitzung beschließen: Die Gemeindevertretung Amrum ist mit der Verselbständigung der Ortschaft Norddorf einverstanden.« (Brief vom 22. September)

Die „Verselbständigung“ des zur Gesamtgemeinde Amrum gehörenden Dorfes stand unter keinem guten Stern! Am 17. August 1925 hatte ein Riesenbrand fast die Hälfte des Dorfes vernichtet.
Bis zum Ende der Zugehörigkeit zum Königreich Dänemark (1864) war Norddorf eine selbstständige Gemeinde mit eigenem Bauernvogt. Die südliche Hälfte der Insel gehörte mit Süddorf und Steenodde zur Gemeinde Nebel.
Auf Steenodde standen nur zwei Häuser und Wittdün gab es erst als „Kolonie“ mit ersten Badehotels seit 1890. Gleichzeitig entwickelte sich Norddorf ab 1890 durch Pastor Friedrich von Bodelschwingh und seine Seehospize zu einem beliebten Nordseebad. Das hatte zwangsläufig zur Folge, dass sich Wittdün und Norddorf mit ihrer größeren Steuerkraft nicht auf Dauer vom „Bauerndorf“ Nebel regieren lassen wollten.
1912 errang die „Kolonie“ Wittdün ihre Selbstständigkeit, 1925 dann Norddorf.

Die Gemeinde Norddorf war noch dabei, sich zu etablieren und von der Dominanz der „Seehospize“ zu lösen, als ein Großbrand am 17. August einen wesentlichen Teil des alten Friesenhausdorfes vernichtete!

Norddorf in Flammen!

Norddorf in Flammen

Es war ein Sommer mit wunderschönem Wetter, die Seehospize und die Dorfhäuser mit Badegästen belegt. Da wurden am Nachmittag gegen 16 Uhr alle Feuerwehren der Insel alarmiert. Das große „Ambronenhaus“ stand mit seiner riesigen Reetdachfläche in Flammen. Das Personal hatte am Waschtag die Kessel mit Petroleum-Tuchfetzen angeheizt. Diese flogen, von der Hitze getragen, den Schornstein hoch und landeten auf dem Dach. Das Feuer sprang, vom Westwind getrieben, nach Osten von Haus zu Haus. Und während sich Insulaner und Sommergäste mit Hausrat, Möbeln und sonstigen Sachen in die anliegenden Marschwiesen flüchteten, versuchten die Amrumer Feuerwehren mit den damals unzulänglichen Mitteln, das Feuer zu löschen und das Überspringen von Haus zu Haus zu stoppen. Aber es war ein trockener Sommer, die Brandkuhlen am Marschrand schnell leer.
Erst an den vorletzten Häusern im Ostende konnte das Feuer mit Hilfe von Brandsegeln, womit die Reetdächer abgedeckt wurden, gestoppt werden. Das „Ambronenhaus“ und zehn weitere Gebäude waren verloren.

Aber es gelang, anstelle der abgebrannten Häuser, bis zur Saison 1926 neue Gebäude mit Ferienzimmern zu errichten und m „Ambronenhaus“ konnte noch eine weitere Etage eingezogen werden, sodass letzten Endes der Großbrand von Norddorf ein Segen für die Entwicklung des Seebades war.

Am Sonntag, den 14.9. wird die Gründung der “selbständigen Gemeinde Norddorf” im Gemeindehaus Norddorf gefeiert. Um 16 Uhr hält Bürgermeister Christoph Decker eine Ansprache und anschließend gibt es ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm mit Blaskapelle, Friesentanz, alten Filmen, Speis und Trank …

Über Kai Quedens

Kai Quedens, Maler und Grafiker, der gerne auch ein bisschen textet. Geboren 1965, eine Frau, drei Kinder.

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