Anlässlich des internationalen Hospiztages lud die Amrumgruppe der Hospizinitiative Föhr-Amrum zum Filmabend ins Inselkino – und der Saal war voll. In Würde zuhause sterben – ist das auf Amrum möglich?

Zum dritten Mal organisierte die Amrum-Gruppe der Hospizinitiative Föhr-Amrum e. V. anlässlich des Welthospiztages, der am kommenden Samstag begangen wird, einen Benefiz-Filmabend im Inselkino.
Bereits eine Viertelstunde vor Beginn der Vorstellung waren alle Karten vergeben und der Saal bis zum letzten Platz gefüllt. Im Anschluss wurde vom Angebot, bei einem Gläschen Sekt mit den Ehrenamtlichen der Hospizinitiative ins Gespräch zu kommen, rege Gebrauch gemacht, denn das Thema bewegt viele, auch auf Amrum.
The room next door
Inselärztin Dr. Claudia Derichs, die während der Corona-Pandemie die Amrumer Hospizgruppe mit ins Leben gerufen hat, hatte sich in diesem Jahr den Film „The room next door“ gewünscht, weil er das Thema ‚Sterben zu müssen‘ einfühlsam behandelt und auch auf die emotionalen Schwankungen krebskranker Menschen eingeht, die sie aus der Praxis gut kennt.

Selbstbestimmt in Würde zu sterben, darum geht es in dem Film des spanischen Kult-Regisseurs Pedrao Almodovar „The room next door“ mit den großartigen Schauspielerinnen Tilda Swinton und Julianne Moore in den Hautrollen. Die unheilbar an Krebs erkrankte Kriegsreporterin Martha besorgt sich ein Medikament für ihren Suizid und bittet ihre Freundin Ingrid, ihr in den letzten Tagen ihres Lebens beizustehen.
Der Film setzt sich behutsam mit ethischen Fragen individueller Freiheit und Verantwortung auseinander und spart angesichts des nahen Todes nicht an schönen, tröstlichen, sogar lustigen Momenten. Er geht nicht näher auf Fragen der aktiven Sterbehilfe oder Palliativersorgung ein, bietet aber für das Thema Sterbebegleitung eine gute Gesprächsgrundlage.
Auf Amrum leben – bis zuletzt!
Menschen in ihrer letzten Lebensphase einfühlsam und respektvoll zu begleiten, Angehörige zu entlasten und diskrete Ansprechpartner für Ängste, Sorgen und Nöte zu sein, das haben sich die Ehrenamtlichen der Hospizinitiative Föhr-Amrum auf ihre Fahne geschrieben und in ihrer Ausbildung zu Sterbebegleiter:innen gelernt.
„Sie sind bis zum letzten Augenblick Ihres Lebens wichtig, und wir werden alles tun, damit Sie nicht nur in Frieden sterben, sondern auch bis zuletzt auf Amrum leben können.“ So formuliert es die Amrumer Gruppe der Initiative frei nach Cicely Saunders, der 2005 verstorbenen Begründerin der Hospizidee.
Im heimischen Umfeld zu sterben statt einsam an Schläuchen im Krankenhaus, das wünschen sich viele und haben hoffentlich eine entsprechende Patientenverfügung und eine Betreuungsvollmacht unterschrieben.
Mit schmerztherapeutisch ausgebildeten Mediziner:innen, dem ambulanten Pflegedienst und der ehrenamtlichen Sterbebegleitung des Hospizvereins steht den Amrumer:innen in ihrer letzten Lebensphase ein eingespieltes Palliativ-Netzwerk zur Verfügung. Auch seelsorgerischer Beistand ist gegeben, nur die Betten-Kapazitäten für Pflegebedürftige am Feederhuugam reichen nicht aus, wie der Förderverein zur Altenpflege auf Amrum unlängst anmahnte.
Kann man auf Amrum in Würde sterben?
Wenn es darum geht, dass Menschen auch in ihrer letzten Lebensphase auf Amrum bleiben können, ziehen beide Vereine an einem Strang. So spendierte der Förderverein zur Altenpflege die Kinokarten für die Benefiz-Veranstaltung, auf der insgesamt 539,50 Euro an Spendengeld für die ehrenamtlichen Arbeit der Amrumer Hospizgruppe zusammenkamen.
Im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen die Begleitung und Versorgung von sterbenden Menschen. Aber auch chronisch oder vorübergehend Kranke und Angehörige, die sich Unterstützung wünschen, können mit der Initiative Kontakt aufnehmen, ebenso wie alle Menschen, die sich mit dem Themenkreis auseinandersetzen möchten.
Mich persönlich beruhigt der Gedanke, dass ich zwar zu Fachärzten auf‘s Festland muss, aber auf Amrum in meinem eigenen Bett sterben kann und nicht allein sein werde, wenn es einmal soweit ist.
Wenn Sie mehr wissen möchten:
Koordinatorin und Ansprechpartnerin der Hospizinitiative Föhr-Amrum e.V. auf Amrum ist Kirsten Schüler-Seiffert: hospizinitiativeamrum@posteo.de oder www.hospiz-initiative-foehr-amrum.de
Fotos: Claudia Jung
AmrumNews Online-Zeitung der Insel Amrum

