Drei Tage voller Klang und Konzentration.Mit einem Abschlusskonzert in der St.-Clemens-Kirche fand der dreitägige Saxophon-Workshop einen großartigen Abschluss.

Der diesjährige Workshop mit den renommierten Dozenten und Saxophonisten Jonny Möller und Anselm Simon auf Amrum bot erneut eine besondere Mischung aus Erfahrung, Freundschaft und musikalischer Entdeckung: Unter den 18 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wirkten Sopran-, Alt-, Tenor- und Baritonsaxophone in einer harmonischen Gemeinschaft zusammen. Viele sind schon von Anfang an dabei – so entstand über die Zeit eine verlässliche Freundschaft, die sich auch am Konzertabend in der St.-Clemens-Kirche widerspiegelte. „Vor 15 Jahren haben wir den ersten Saxophon Workshop hier auf Amrum gegeben. Und inzwischen sind es nicht nur leidenschaftliche Musiker:innen, die hier her kommen, sondern alle haben sich auch in die Insel verliebt”, bestätigen die beiden Profimusiker die Leidenschaft zu Amrum dem Instrument Saxophon.
Drei Tage intensiver Arbeit gingen dem Konzertabend voraus. Im Gemeinschaftsraum des Schullandheims Honigparadies schallten die Töne durch die Räume. Gemeinsam wurden die neuen Stücke angeschaut, besprochen und in kleineren und größeren Gruppen erarbeitet.
„Wir mussten uns an die Stücke heranarbeiten. Am ersten Tag rollt man noch mit den Augen, doch schon am zweiten Tag fangen die harmonischen Töne an, sich zu finden – Rhythmus und Lied wachsen zu einem Ganzen zusammen“, erzählt Anselm Simon am Abend in der Kirche.
Ein Abend in der St.-Clemens-Kirche
Mit dem Kanon „Bruder Jakob“ leiteten sie den stimmungsvollen Abend ein: Die Saxophonistinnen und Saxophonisten zogen durch die Kirche, füllten Mittelgang und Empore mit warmem Klang und schufen so eine einladende, fast sakrale Atmosphäre – wie ein Glockengeläut.
Die St.-Clemens-Kirche bot dank ihrer Akustik den idealen Rahmen, um die Nuancen der Saxophone in allen Registerlagen zu erleben.
Jonny Möller erklärte, erzählte und nahm das Publikum mit auf die Reise vom Workshop bis zum Konzert. Mit seinem nordisch-plattdeutschen Humor begeisterte er die Zuschauer und nahm den Musikerinnen und Musikern die Anspannung. In zwei Gruppen spielten die Teilnehmenden, im letzten Block schließlich alle 20 gemeinsam. Die St.-Clemens-Kirche leuchtete förmlich in den Klangfarben der Instrumente.
Nordischer Humor und musikalische Leidenschaft
Abwechslungsreiche Stücke begeisterten nicht nur das Publikum – man hatte das Gefühl, dass die Musikerinnen und Musiker die Lieder lebten. Eine besondere Überraschung waren nicht nur die spontanen plattdeutschen Einlagen von Jonny Möller: In diesem Jahr brachte er sogar die ganze Gruppe dazu, auf Plattdeutsch zu singen – natürlich mit einer saxophonistischen Einleitung.
„Fresenhof“ – Musik auf Platt mit Herz
„Fresenhof“ (Plattdeutsch für „Friesenhof“) ist ein Lied des deutschen Liedermachers Knut Kiesewetter aus dem Jahr 1976 und einer seiner größten Erfolge. Wegen seines plattdeutschen Textes gehört es zu den Liedern, die zu Beginn der 1970er-Jahre eine Renaissance des Niederdeutschen einleiteten. Der Inhalt passte bestens zu den herbstlichen Wetterkapriolen draußen: Das Lied beschreibt den Beginn der dritten Jahreszeit in Nordfriesland – mit Regen („Wenn de Regen vun’t Reitdach dröppt“), Sturm („Wenn de Storm över’t Feld geiht“) und der länger werdenden Dunkelheit („Dat de Dag köder ward un de Nach de duert lang“) – sowie dem näheren Zusammenrücken von Freunden und Nachbarn („Denn de Nabers sünd disse Tied ok nich geern alleen“). Es endet mit der Zeile: „Denn ward dat Harvs op uns Fresenhof.“ – Dann wird es Herbst auf unserem Friesenhof.
Stimmungsvoll und inbrünstig sangen alle zusammen – und der Sturm draußen schien tatsächlich etwas nachzulassen.
Ein gemeinsamer Ton für Amrum
Der selbst komponierter Kanon von Anselm Simon setzte ein weiteres Zeichen für die Zusammenarbeit: Die Spieler:innen führten eine mehrstimmige Linie durch den Raum, mit klarem Ensemblegefühl, und ließen die Komposition zu einem kollektiven Erlebnis werden.
Die Solisten-Einlagen in dem Konzert wurden mit tosendem Applaus begleitet. Das Publikum erlebte einen Abend voller Gemeinschaft, Können und Kreativität.
„So, nu aber Schluss – der Köhm wartet auf uns!“, lacht Jonny und bedankt sich im Namen aller Musikerinnen und Musiker.
Die am Ausgang gesammelten Spenden werden, wie schon in den 14 Jahren zuvor, zu einem großen Teil wieder an ein Amrumer Projekt weitergegeben.
„Auf diesem Weg möchten wir Danke sagen – und freuen uns schon auf das nächste Jahr“, verabschiedeten sich Anselm Simon und Jonny Möller.
AmrumNews Online-Zeitung der Insel Amrum

