Mit Liedern, Laternen und einer alten Geschichte feierten Kinder und Erwachsene den Martinstag in Nebel. In der St. Clemens-Kirche wurde die Legende des heiligen Martin lebendig – vom Mantelwunder bis zum Laternenumzug. Warum das Licht an diesem Abend mehr bedeutet als nur eine schöne Tradition, zeigt sich am Ende des Weges.

Jedes Jahr am 11. November wird mit dem Martinstag an einen ganz bestimmten Heiligen erinnert: Sankt Martin.
Um 17 Uhr trafen sich die Teilnehmenden in der St. Clemens-Kirche in Nebel. Dort lauschten sie den Worten von Pfarrer Karl-Friedrich Grimmer*, der die Geschichte vom heiligen Martin erzählte – dem römischen Soldaten, der in einer kalten Nacht einem Bettler begegnete und ihm aus Mitleid ein Stück seines Mantels gab. Diese Geschichte kennen wir fast alle.
* Pfarrer Grimmer vertritt noch bis zum 19.11.2025 die Inselpastorin Brandt während ihres Herbsturlaubes.

Sankt Martin – der römische Soldat
Er wurde im Jahr 316 als Sohn eines römischen Offiziers in Pannonien, dem heutigen Ungarn, geboren. Aufgewachsen ist er im italienischen Pavia. Mit fünfzehn Jahren ging er zur Armee, wurde Soldat und bald darauf Offizier. Martin war während seiner gesamten Dienstzeit ein hilfsbereiter Mensch.
Eines Tages, in einer kalten Winternacht vor mehr als 1500 Jahren, ritt er an einem hungernden und frierenden Bettler vorbei. Er teilte seinen weiten Mantel mit seinem Schwert und gab dem Mann einen Teil seines wärmenden Umhangs, damit dieser nicht in der Kälte sterben musste. In der folgenden Nacht erschien ihm der Legende nach Jesus Christus im Traum – bekleidet mit genau diesem Mantelstück. Martin ließ sich daraufhin taufen und wurde Geistlicher. Das Christentum war damals noch eine sehr junge Religion.

Sankt Martin – der Heilige
Er wurde vom Papst heiliggesprochen und ist heute der Schutzpatron vieler Berufe: unter anderem von Winzern, Fassmachern, Huf- und Waffenschmieden, Webern, Schneidern, Bürstenbindern, Gerbern, Hirten, Hutmachern und Müllern. Außerdem beschützt er Bettler, Soldaten und alle Haustiere.
Mit Laternen durch Nebel
Nach der Geschichte in der St. Clemens-Kirche zogen Kinder und Erwachsene mit selbst gebastelten Laternen singend und vom Posaunenchor begleitet durch Nebel.
Vor der Bäckerei Claussen wurde der erste Stopp eingelegt. Hier spielte der Posaunenchor Laternenlieder, und alle sangen kräftig mit.

Anschließend ging es ins Ortszentrum zum Parkplatz am Kaufhaus Bendixen. Dort saß ein dürftig bekleideter Bettler (Kinka Tadsen) in seiner löchrigen Kleidung. Aus dem Dunkel erschien der Reiter St. Martin (Martina Schmidt-Bendixen) auf seinem Pferd und überbrachte die Botschaft der Barmherzigkeit. St. Martin teilte seinen Mantel und gab dem Bettler eine Hälfte, damit dieser sich wärmen konnte. Was zuvor in der Kirche erzählt worden war, wurde nun leibhaftig auf dem Parkplatz dargestellt.
Der Laternenumzug endete im Clemens-Hüs, wo zur Stärkung Brötchen, warmer Kakao und Früchtetee gereicht wurden.
Warum Laternen zum Martinstag gehören
Doch was hat der heilige Martin mit den bunten Laternenumzügen zu tun?
Lichterprozessionen waren bereits in der frühen Christenzeit bekannt. Wahrscheinlich wurde damit auch der heilige Martin an seinem Gedenktag geehrt.
Früher entzündeten die Menschen im November häufig Feuer auf den abgeernteten Feldern, um für die Ernte zu danken und sich symbolisch vom Erntejahr zu verabschieden. Kinder zogen mit selbst gebastelten Fackeln aus Stroh oder Laternen aus ausgehöhlten Rüben durch die Straßen. So entstand aus dem Erntefeuer das Laternelaufen.
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