Tradition trifft Zeitgeist – auf Föhr und Amrum begeisterte Mattis Brodersen mit seinem neuen friesisch gesungenen Album.
Zwischen friesischen Texten, englischen Balladen und viel Herz für die Heimat erlebte das Publikum einen Abend, der Musik und Sprache verbindet.
Ein Abend im Zeichen des Friesischen
Ein ganzer Konzertabend im Zeichen der friesischen Sprache: „Fering“ heißt das neue Album des Föhrer Singer-Songwriters Mattis Brodersen. Die Premiere fand – natürlich – in heimischen Gefilden in Oldsum auf Föhr statt, sogar der NDR war vor Ort. Schon einen Tag später kam Mattis mit seinen Musikerkollegen und der Hamburger Vorband „Frische Mische“ nach Amrum.

Das Norddorfer Gemeindehaus füllte sich bis auf den letzten Platz, und Frische Mische stimmte den Abend mit eigenen deutschen Liedern ein, die das Publikum begeisterten. Ganz aus dem Leben gegriffen und vom Alltag inspiriert, sangen sie vom Feiern, der Feuerwehr und dem schwimmenden Postboten in Venedig. Produzent und gebürtiger Föhrer Bente Faust heizte mit einem Gastauftritt am Schlagzeug zusätzlich ein.
Von „Junge“ zu „Sune“
Mit bester Laune verabschiedeten sich Jan Labinski und Peer Jensen, die Musiker von Frische Mische, und machten die Bühne frei für Mattis Brodersen und seine Band. Eine kleine Umfrage zeigte, dass rund drei Viertel des Publikums kein Friesisch sprachen – deshalb moderierte Mattis den Abend teils auf Fering (Föhrer Friesisch), teils auf Deutsch.
Mit dem ersten Lied der von der Fering-Stiftung produzierten CD, „10 juar“, begann das Konzert und nahm alle mit auf eine Reise in die Entstehung des Albums. Darauf finden sich sieben selbstgeschriebene Titel sowie traditionelle und ins Friesische übersetzte Songs. Ein bekanntes Stück war bereits am Vortag im Radio NDR zu hören: der Song „Junge“ von Die Ärzte.
„Natürlich brauchte ich vorher eine Genehmigung“, erzählt Mattis. „Ich habe ein Demo hingeschickt – die Ärzte waren begeistert und wollen sogar eine CD haben.“ Seine friesische Version „Sune“ spielte er mit sichtlicher Freude.

Musik, die Sprache lebendig hält
Begleitet wurde der sonst oft solo auftretende Musiker von Tom Cebulla am Schlagzeug, Luca Miketta an der E-Gitarre und Bassist Sören van Betteraey. Von Pop-Rock über Punk, Swing bis hin zu Balladen – das Publikum erlebte ein abwechslungsreiches Konzert mit vielen Facetten. Neben den friesischen Liedern der neuen CD spielte Mattis auch einige englische Stücke aus seinem Debütalbum „Part One“.
Seine Erfahrungen, Erlebnisse und Gefühle aus einem einjährigen Auslandsaufenthalt hat er im Lied „Asia“ verarbeitet – man konnte förmlich die asiatische Sonne spüren. Die friesischen Lieder handeln von Freundschaft, Liebe, Heimat, dem Reisen und Wiederkommen nach Föhr. Besonders bei „Heer am tu bewaarin“ wurde deutlich, wie sehr Mattis die Bewahrung seiner Muttersprache am Herzen liegt. Das ist ihm mit „Fering“ eindrucksvoll gelungen.
„Wi san heer am tu bewaarin, wat det tidj hal ens ferjat.
Gratem wel wi diar üüb swaare:
Üüsens fering spriik, det blaft.
Wi haa’t dach salew uun a hun, hü loong at fering heer noch jaft.
Tup skel wi diarför iinstun – üüsens fering spriik, det blaft!“
(Wir sind hier, um zu bewahren, was die Zeit gerne mal vergisst. Laut wollen wir darauf antworten: Unsere friesische Sprache bleibt. Wir haben’s doch selbst in der Hand, wie lange es Friesisch hier noch gibt. Zusammen wollen wir dafür einstehen – unsere Friesische Sprache bleibt.)

Heimatklang mit Herz
Mattis wurde das Friesische in die Wiege gelegt – von seinen Eltern, die ihn an diesem Abend nach Amrum begleiteten. „Das Musikalische hat er, glaube ich, von mir“, lacht seine Mutter stolz. Auch sie freute sich über bekannte Gesichter im Publikum – wie eine ehemalige Schulfreundin.
Föhr und Amrum sind bis heute eng verbunden – das zeigte sich an diesem Abend einmal mehr. Das Publikum war begeistert, sang und feierte mit. Bei dem Lied „Between the Lines“ gab Mattis einen Ausblick auf Zukünftiges – der Applaus sprach für sich. Zwei Zugaben später endete ein fast zweistündiges Konzert, das vielen noch lange im Gedächtnis bleiben dürfte.

Ein Blick nach vorn
Bei einem kurzen Interview vor dem Auftritt erzählte Mattis, dass er und seine Bandkollegen sich beim Popkurs Hamburg kennengelernt haben. Bereits im August/September nahmen sie das Album „Fering“ im Studio auf.
„Wir sprechen kein Friesisch, aber bei ein paar Passagen singen wir schon mit – so langsam bekommen wir ein Gefühl für die Sprache“, erzählten die drei Musiker lachend. „Gestern auf Föhr haben viele mitgesungen – das war großartig, die Verbundenheit zur Heimat war deutlich zu spüren. Jetzt freuen wir uns auf Amrum!“
Für ein kurzes Interview nahm sich Mattis Brodersen vor dem Konzert auf Amrum noch Zeit.
Gud inj, Mattis. wi freue üs, dat dü mä din nei album uk tu üs auer kimen beest. Hü komt det?
Mattis: Amrum Touristik hää üs det mögelk maaget, hir uun’t gemeenhüs tu spelin. Diarför maad ik mi hartelk besoonke. At koostet nään iintrit, oober wi freue üs auer spenden. Üüb Oomram haa ik ferleeden juar a hög konserte den. Uk üüb gebursdaar an bradlepen haa ik min musik spelet.
Schön, dass du mit deinem neuen Album auch zu uns auf die Insel gekommen bist. Wie kam es dazu?
Mattis: „Die AmrumTouristik hat es uns ermöglicht, hier im Gemeindehaus zu spielen – dafür möchte ich mich herzlich bedanken. Es gibt keinen Eintritt, aber wir freuen uns über Spenden. Auf Amrum habe ich in den letzten Jahren schon viele Konzerte gegeben – auch bei Geburtstagen und Hochzeiten habe ich eigene Songs und Cover gespielt.“
Üüb din album sjongst dü auer din aran Fer, faan wechkeeren an wederkemen. Faan fäästääg an Ameerikoo – beest dü al ans diar uun New York weesen?
Mattis: „Ja, det saster faan min oome as, hü föl öödern, iar ütjwaanert. Ham haa wi besoocht, an för mi wiar det en auerrasjang, dat at flag faan Fer diar tu sen wiar an hög lidj ferang snaaket. Wi haa uun a familie föl auer det tidj faan’t ütjwaanrin snaaket – det wul ik üüb ferang fäästhual.“
Auf deinem Album singst du auch über deine Herkunft, über Weggehen und Wiederkommen. In einem Song geht es um Feste in Amerika – warst du selbst schon dort, in New York?
Mattis: „Ja, das stammt von der Schwester meiner Oma, der wie viele andere vor Jahren ausgewandert ist. Wir haben ihn besucht, und für mich war es eine Überraschung, auf der Flagge von Föhr dort ein kleines bisschen Fering zu entdecken. In der Familie haben wir viel über die Zeit des Auswanderns gesprochen – das wollte ich festhalten, und zwar auf Friesisch.“
„Könst dü di nü iarst ans ütjrau, of gongt at werk gliks widjer?“
Mattis: „Det nei musik-projekt as al ploonet – das tooch uun Berlin. Oober en betj uurlaup fu ik dach noch.“
Gönnst du dir jetzt ein bisschen Pause oder geht die Arbeit gleich weiter?
Mattis: „Das nächste Musikprojekt ist schon in Planung – diesmal in Berlin. Aber ein bisschen Urlaub steht auch noch an.“
„Schongst dü widjerhen üüb ferang?“
Mattis: „Fering komt was an seeker ans weder. Dach mä dethir album as det iarst ans ufslööden, nü komt ingels. Üüb ingelsk as min musik begand. Min iarst album “Part One” as hialandaal üüb detdiar spriak skrewen, an det leit mi. Mä min iarst ferang liitje „Leets glääs“ haa ik markt, hü fein at as, uk üüb ferang tu sjongen. So as ales begand, an troch a Ferring Stiftung kaam di soocht ap, en hial album üüb ferang tu maagin. Det leit nü föör. At hää föl spoos maaget – an ialang spele ik det nü hir bi jam.“
Wirst du weiter auf Friesisch singen?
Mattis: „Fering wird bestimmt wiederkommen. Aber mit diesem Album ist das Thema jetzt erst einmal rund – das nächste Projekt wird englisch. Auf Englisch habe ich auch angefangen, mein erstes Album Part One ist komplett in der Sprache geschrieben, und das liegt mir sehr. Mit meinem ersten friesischen Song Letst glees habe ich gemerkt, wie schön es ist, auch in Fering zu singen. So hat alles begonnen – und durch die Fering-Stiftung entstand dann die Idee zu einem ganzen Album. Jetzt liegt das Ergebnis vor. Es hat großen Spaß gemacht – und heute Abend spiele ich es live.“
Nach dem Konzert standen Mattis, Tom, Luca und Sören für Fragen und Autogramme parat und viele nutzten die Chance die Musiker „hautnah” zu erleben und ein CD mit original Autogramm zu erwerben. „Wow, was ein toller Abend. Zwar haben wir von dem Friesischen nichts verstanden, doch schon die Musik hat uns so mitgerissen, dass wir jetzt anhand des Textbuches in der CD (Friesisch und Deutsch) uns ein bisschen an das Fering herantrauen und auch lernen möchten”, schwärmten zwei Besucherinnen.
AmrumNews Online-Zeitung der Insel Amrum

