Amrum bekommt ein farbenfrohes Korallenriff – aus Wolle …

Wer diesen Winter zur Nadel greift, schafft mehr als nur Deko. Das Amrumer Häkelriff verbindet Handarbeit, Kunst und den Schutz bedrohter Korallenriffe. Wie aus kleinen Maschen ein großes Zeichen für die Ozeane wird, erfahren Sie hier.

Eine Winteridee, die Freude macht – und etwas bewirkt

Es ist Anfang Dezember – höchste Zeit also, sich um die Weihnachtsgeschenke zu kümmern. Handwerklich talentierte Mitmenschen greifen da gerne mal zu Nadel und Faden und häkeln den obligatorischen Topflappen für die vormals moderne Hausfrau. Kann man machen. Wenn Sie aber in diesem Jahr eine neue Herausforderung suchen und überdies einen sinnvollen Beitrag zu einem großen Gemeinschaftsprojekt leisten wollen, haben wir genau die richtige Beschäftigung für lange Winterabende für Sie: Häkeln Sie Korallen!

Sie wollen uns unterstützen? Dann kommen Sie zur Natour-Düne am Badeland in Wittdün und holen sich kostenfrei Wolle ab.
© Lena Koers

Zugegeben, als Weihnachtsgeschenk ist das möglicherweise nur etwas für besonders fortschrittliche Aquarianer, die ihre Wasserbecken durch tierfreundliche Trockenreservate mit Stofffischen ersetzen wollen – was durchaus löblich ist und auch überaus dekorativ sein kann, wie einige Beispiele auf Pinterest zeigen: https://de.pinterest.com/BoxfishHandicraft/aquarium-h%C3%A4keln/

Was jedoch immer ein schönes Weihnachtsgeschenk ist, sind gemeinsame Aktivitäten und Zeit. Genauer: Gemeinsame Häkelzeit. Und ganz nebenbei macht man der Insel, der Rüm Hart Stiftung und der Schutzstation Wattenmeer eine Freude, wenn man in diesem Winter Tiere statt Topflappen häkelt. Denn: Bis zum inselweiten Aktionstag “Tag der Ozeane” am 10. Juli 2026 soll im Veranstaltungssaal in der NaTourDüne Wittdün ein möglichst stattliches farbenfrohes Wollriff entstehen! Doch dafür braucht es Ihre Unterstützung!

Ein globales Kunstprojekt mit ernstem Hintergrund

Werden Sie Teil dieses tollen Projekts und häkeln Sie Korallen! Auf Wunsch werden die Namen aller Unterstützer*innen am Tag der Ozeane veröffentlicht.
© Lena Koers

Das Amrumer Häkelriff soll ein Satellitenriff der internationalen Häkelriff-Gemeinschaft („Crochet Coral Reef“) werden, die bereits auf allen Kontinenten Menschen dazu inspiriert hat, Kunst und Naturschutz miteinander zu verbinden. Jede gehäkelte Koralle ist ein kleiner Beitrag zum großen Ganzen – und ein Symbol für Vielfalt, Kreativität und gemeinsames Engagement. Denn bei dem Projekt geht es nicht nur darum, ein buntes Kunstwerk zu schaffen, das begeistert. Das fragile Konstrukt soll auch nachdenklich stimmen: Korallenriffe gehören zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen unserer Erde. Durch den Klimawandel, Übernutzung und Verschmutzung geraten sie weltweit in Gefahr. Deshalb sind auch weiße Häkel-Korallen ausdrücklich erwünscht – sie stehen für gebleichte, sterbende Riffe und machen die Dramatik der realen Entwicklung sichtbar.

Korallen in Gefahr –  Forschung sieht düstere Zukunft

Nur mit Ihrer Hilfe kann am Ende ein prächtiges Riff entstehen.
© Nina Löschner

Einem aktuellen Bericht zufolge, an dem über 100 Wissenschaftler*innen mitgearbeitet haben, werden die tropischen Korallenriffe in den nächsten Jahrzehnten komplett absterben, wenn wir es nicht endlich schaffen, die Klimaerwärmung einzudämmen. Denn: der Kipppunkt der Korallenriffe, also der maximale Toleranzwert einer Erwärmung, liegt bei 1,2 Grad. Bei der derzeitigen Erderwärmung von etwa 1,4 Grad ist dieser bereits überschritten. Ein Verlust der Riffe hat nicht nur Auswirkungen auf den Tourismus der jeweiligen Regionen, sondern bedroht vor allem die Artenvielfalt und die Sicherheit der Küstenbewohner. Einerseits sind rund 25 Prozent der Unterwasserfauna in den Riffen beheimatet und finden hier Nahrung und Schutz. Andererseits bilden die Riffe einen natürlichen Schutzwall vor großen Wellen und Tsunamis. Auch wenn das Amrumer Häkelriff den Prozess nicht aufhalten kann, soll es dennoch zur Sensibilisierung dieses ernsten Themas beitragen.

So können Sie mitmachen

So könnte am Ende ein fertiges Riff aussehen. © Rüm Hart Stiftung

Also machen Sie mit und lassen Sie ein farbenprächtiges Korallenriff auf Amrum wachsen. Wie das geht? Ganz einfach: Kommen Sie während der Öffnungszeiten der Nationalpark-Ausstellung vorbei und häkeln Sie im benachbarten Veranstaltungsraum in aller Ruhe Ihre Korallen. Dank der großzügigen Wollspende der Gebr. Otto Baumwollfeinzwirnerei GmbH+Co. KG stellen wir Ihnen die Wolle kostenfrei zur Verfügung. Ein paar Nadeln sind ebenfalls vorhanden, bringen Sie aber gerne eigene mit. Alternativ können Sie sich auch Wolle abholen und ganz bequem zu Hause oder in der Ferienwohnung häkeln. Die fertigen Kunstwerke bringen oder schicken Sie dann wieder zur Schutzstation zurück (Schutzstation Wattenmeer e. V., Am Schwimmbad 1, 25946 Wittdün / Amrum).

Im Internet finden Sie einige Anleitungen zu möglichen Korallen. © Institute For Figuring

Inspiration und einige Häkelanleitungen finden Sie im Internet, beispielsweise hier:  https://www.museum-frieder-burda.de/pdf/Anleitung.pdf oder als Video auf YouTube: https://youtu.be/xB9bj_07b_Q?si=H4QylQT8dhPm-TbG

Weitere Informationen zur Initiative der Rüm Hart Stiftung: https://stiftung-ruem-hart.de/ein-haekelriff-fuer-amrum

Über Nina Löschner

Nina Löschner kam 1989 kurz vor dem Mauerfall in Ost-Berlin zur Welt. Aufgewachsen auf dem Brandenburger Land zog es sie nach der Schule zurück in die Hauptstadt. In Berlin studierte sie Kunstgeschichte und Englisch, arbeite anschließend im Projektmanagement eines Auktionshauses und schließlich sieben Jahre lang als Redakteurin für Funk und Fernsehen. 2022 nahm sie sich eine berufliche Auszeit und absolvierte einen Freiwilligendienst im Naturschutz auf Amrum. Doch die Insel ließ sie nicht mehr los - und so brach sie alle Zelte in der Hauptstadt ab. Heute arbeitet Nina als Leiterin der Schutzstation Wattenmeer in Wittdün.

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