Christo lebt …

Licht, Planen und Perspektive lassen die „Alte Post“ unerwartet an Christos große Verhüllungen erinnern.

Die verhüllte Alte Post …

Wer sich derzeit am späten Nachmittag oder frühen Abend im Bereich des Fähranlegers oder der Südspitze in Wittdün aufhält und den Blick auf die Baustelle „Alte Post“ richtet, fühlt sich in das Jahr 1995 zurückversetzt. 1995 war es, als das Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude den Berliner Reichstag verhüllte.

 

… erscheint bei Dunkelheit wie Kunst am Bau

Seit den 1960er-Jahren hat das Ehepaar, das durch spektakuläre Verhüllungsprojekte weltweit bekannt geworden ist, immer wieder auf sich aufmerksam gemacht. Neben anderen Projekten verhüllten 1969 Jeanne-Claude und Christo einen Küstenstreifen in der Nähe von Sydney. 1972 spannten sie einen Vorhang durch ein 400 Meter breites Tal in den Rocky Mountains, 1985 wurde die Pont Neuf in Paris verpackt und – nach 23-jähriger Planungszeit – 1995 schließlich der Berliner Reichstag mit über 100.000 Quadratmetern feuerfestem, mit einer Aluminiumschicht überzogenem Polypropylengewebe eingehüllt.

Eine gewisse Ähnlichkeit mit dem verhüllten Reichstag ist vorhanden Quelle für das Bild vom verpackten Reichstag: deutschlandfunkkultur.de

Und jetzt, 2025, also die „Alte Post“ in Wittdün auf Amrum? Manch einer mag an einen verfrühten Aprilscherz denken, aber wer zur richtigen Zeit auf die Baustelle blickt, könnte tatsächlich an ein Kunstprojekt glauben. Es ist die dunkle Jahreszeit, und die Arbeiten gehen auch nach Sonnenuntergang – der zurzeit ja schon gegen 16 Uhr stattfindet – weiter. Dafür braucht es Licht, und so ist die Baustelle, an der aktuell bis zu sieben Gewerke gleichzeitig tätig sind, hell beleuchtet. Weil das Gebäude zudem mit Kunststoffplanen verhangen ist (AmrumNews berichtete), ergibt sich ein großartiger, futuristischer Anblick, der sehr wohl an eine künstlerische Verpackungsaktion erinnert.

Es waren aber definitiv nicht Jeanne-Claude und Christo, die dieses „Kunstprojekt“ inszenierten, denn beide verstarben bereits 2009 bzw. 2020. Und so werden es wohl die Bauarbeiter an der „Alten Post“ gewesen sein, die dieses außergewöhnliche Spektakel geschaffen haben. Sag noch mal einer, es gäbe keine „Kunst am Bau“ …

Über Peter Totzauer

Dr. med. Peter Totzauer, Facharzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Anästhesie, Notfallmedizin, Spezielle Schmerztherapie, geb. 1954 in Fürth/Bay., hat, bedingt durch den Beruf des Vaters, als Kind u.a. 4 ½ Jahre in Frankreich gelebt. Abitur 1974 in Köln, Studium der Humanmedizin an der Universität Bonn. War seit 1982 ärztlich tätig, davon viele Jahre als Oberarzt in der Anästhesie und als Leitender Notarzt in Euskirchen. War 2007 für ein halbes Jahr im Rahmen einer „Auszeit“ vom Klinikalltag bei seiner Lebensgefährtin und mittlerweile Ehefrau Claudia auf Amrum. Dies hat ihm so gut gefallen, dass er seit Ende 2008 seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ganz auf die Insel verlegt hat und hier seit 2010 mit in der „Praxis an der Mühle“ gearbeitet hat. In 2024 ist er endgültig in den ärztlichen Ruhestand getreten. Er hat zwei erwachsene Kinder, sein Sohn ist niedergelassener Physiotherapeut in Neuss, seine Tochter ist Lehrerin an der Öömrang Skuul.

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One comment

  1. Mein Erster Gedanke war das es wie ein Gigantischer Zuckerwürfel aussieht. Christo war Nr. 2. 🙂 K.M.

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