Im (in) Nebel steckengeblieben …

Ein Hubschrauber-Einsatz auf Amrum gerät wegen dichten Nebels ins Stocken. Statt eines schnellen Patiententransports kommt alles stundenlang zum Stillstand.

Christoph Europa 5 im (in)Nebel steckengeblieben

Das war ein langwieriger Einsatz für den Rettungshubschrauber Christoph Europa 5 gestern auf Amrum.
Um 11:15 Uhr war bereits beim Landeanflug auf den Hubschrauberlandeplatz zu erkennen, dass die Sicht durch Regen und zunehmende Nebelbildung stark eingeschränkt war. Kurz nach der Landung verdichtete sich der Nebel so sehr, dass an einen Weiterflug nicht zu denken war.

Eigentlich sollte ein erkrankter Patient in ein Krankenhaus auf dem Festland transportiert werden. Er wurde zunächst vom medizinischen Personal zur Rettungswache gebracht. Der Hubschrauberpilot blieb in seiner Maschine und hielt – in der Hoffnung auf eine baldige Wetterbesserung – stetigen Kontakt zum Deutschen Wetterdienst. Letztendlich dauerte es jedoch über vier Stunden, bis der RTH kurz nach 15:30 Uhr mit dem Patienten von Amrum abheben konnte. Ein kurzes lichteres Wetterfenster machte dies möglich, wenngleich man den Eindruck hatte, dass der Hubschrauber auch diesmal rasch im Dunst verschwand.

Glücklicherweise stellte sich die Erkrankung des Patienten nicht als lebensbedrohlich heraus, sodass auf einen alternativen Transport – etwa mit den Seenotrettern – verzichtet werden konnte und der Erkrankte die stundenlange Überwachung auf Amrum ohne weitere Verschlechterung überstand.

Das Geschehen hat erneut gezeigt, dass es jederzeit zu Problemen bei der Versorgung akut erkrankter oder verletzter Menschen kommen kann und ein gut funktionierender Rettungs- und Notarztdienst auf Amrum unverzichtbar ist. Es gibt auf Amrum kein Krankenhaus, und Notfälle müssen jederzeit ans Festland gebracht werden können – gegebenenfalls auch unter sachgerechter notfallmedizinischer Begleitung. Auch wenn die Transportmöglichkeiten mittels Rettungshubschrauber in den vergangenen Jahren ausgeweitet wurden, ist immer damit zu rechnen, dass eine zeitnahe Entsendung eines RTH aus verschiedensten Gründen nicht möglich ist. Zumeist kann in solchen Fällen durch die Rettungsleitstelle schon frühzeitig eine alternative Transportmöglichkeit organisiert werden. Dass ein RTH auf Amrum landet, sich die Sichtverhältnisse dann aber so drastisch ändern, dass er nicht wieder abfliegen kann, ist selten – kommt jedoch vor, wie gestern geschehen.

Ein Dank geht an den Rettungsdienst und die Besatzung von Christoph Europa 5, die sich mit stoischer Gelassenheit während der langen Wartezeit auf besseres Wetter um den Patienten gekümmert haben.

Über Peter Totzauer

Dr. med. Peter Totzauer, Facharzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Anästhesie, Notfallmedizin, Spezielle Schmerztherapie, geb. 1954 in Fürth/Bay., hat, bedingt durch den Beruf des Vaters, als Kind u.a. 4 ½ Jahre in Frankreich gelebt. Abitur 1974 in Köln, Studium der Humanmedizin an der Universität Bonn. War seit 1982 ärztlich tätig, davon viele Jahre als Oberarzt in der Anästhesie und als Leitender Notarzt in Euskirchen. War 2007 für ein halbes Jahr im Rahmen einer „Auszeit“ vom Klinikalltag bei seiner Lebensgefährtin und mittlerweile Ehefrau Claudia auf Amrum. Dies hat ihm so gut gefallen, dass er seit Ende 2008 seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ganz auf die Insel verlegt hat und hier seit 2010 mit in der „Praxis an der Mühle“ gearbeitet hat. In 2024 ist er endgültig in den ärztlichen Ruhestand getreten. Er hat zwei erwachsene Kinder, sein Sohn ist niedergelassener Physiotherapeut in Neuss, seine Tochter ist Lehrerin an der Öömrang Skuul.

schon gelesen?

Winterwunder auf vier Beinen

Mitten in Sturm, Schnee und Regen beginnt neues Leben.Auf Amrum sorgt ein neugeborenes Kalb bei …

Schreibe einen Kommentar

WP2Social Auto Publish Powered By : XYZScripts.com