Zwei Stunden Stillstand im Schlick …

Eigentlich sollte alles nach Plan laufen – doch dann kam es anders. Eine Fähre der W.D.R. fährt sich trotz moderner Technik im Wattenmeer fest. Was an diesem Mittwoch schieflief, offenbart die Tücken von Wind, Wasser und Prognosen.

MS Norderaue hat Zwangspause in Wittdün

In der heutigen Zeit kommt es nicht oft vor, dass sich eine Fähre der Wyker Dampfschiffs-Reederei (W.D.R.) im Wattenmeer festfährt. In früheren Zeiten gehörte das „Festsitzen“ zur Gewohnheit – gegen die Naturgesetze kann man kaum etwas machen.

Zunächst fing die Fähre leicht an zu vibrieren, dann gab es einen Ruck – und sie steckte im Schlick. Die „Schraubendampfer“ versuchten, sich wieder freizufahren, was mitunter auch gelang. In den meisten Fällen hieß es jedoch warten, bis die Flut einsetzte, was viele Stunden dauern konnte.

Ostwind, Ebbe und ein kritischer Moment

Heutzutage versucht die W.D.R., dem Festsitzen mit Fahrplanänderungen aus dem Weg zu gehen. So war es auch für Mittwoch, den 21. Januar 2026, vorgesehen. Doch die Natur hatte andere Pläne. Es herrschte starker Ostwind, wodurch die Ostsee vollläuft und die Nordsee leerläuft. Hinzu kam ein schneller Ebbstrom.

Der Kapitän der MS „Norderaue“ legte gegen 08:30 Uhr in Dagebüll ab, um nach Föhr zu fahren. Doch bereits nach einer knappen Viertelstunde saß die Fähre in der sogenannten Dagebüller Rinne fest.

Warum moderne Technik nicht alles sieht

Wenig Wasser – Sandbank vor dem Hubsand sichtbar

Wie kann so etwas bei so viel Hightech – etwa moderner Echolot-Technologie – und präzisen Wasserstandsvorhersagen passieren? Ein Echolot zeigt zwar Hindernisse an, erkennt jedoch keine tiefen, weichen Sedimente. So kann es trotz Technik zum Festsitzen kommen. Möglicherweise verlässt man sich heute auch zu sehr auf technische Hilfsmittel.

Bei Wasserstandsvorhersagen handelt es sich eben um Prognosen. Und Prognosen können danebenliegen. Mehr Wind als erwartet oder ein schnellerer Abfluss des Wassers reichen aus, um die Berechnungen zunichtezumachen.

Im nordfriesischen Wattenmeer verändert sich der Wasserstand normalerweise um etwa einen Zentimeter pro Minute. An diesem Mittwoch waren die Veränderungen jedoch deutlich größer, sodass die „Norderaue“ im Schlick stecken blieb.

Stillstand auf der Fahrrinne

Ebbe im Seezeichenhafen – Ernst Meier Hedde fehlt

Schiffe mit geringerem Tiefgang, wie das Tochterboot „Lotte“ des Seenotrettungskreuzers „Ernst Meier-Hedde“, konnten die „Norderaue“ noch passieren. Die „Ernst Meier-Hedde“ selbst sowie der Saugbagger „Hegemann 2“ mussten ihre Fahrt in Richtung Dagebüll jedoch kurz vor der Einfahrt nach Wyk unterbrechen.

Auch die MS „Nordfriesland“ konnte nicht passieren und musste auf dem Weg von Wyk nach Dagebüll unverrichteter Dinge umkehren.

Folgen für Schifffahrt und Fahrplan

Ernst-Meier Hedde hat in die Norderaue verlegt

Am Donnerstagvormittag war erneut wenig Wasser vorhanden. Die Fähre um 09:30 Uhr fiel aus. Im Seezeichenhafen Wittdün lagen die wenigen Freizeitboote trocken. Auch größere Schiffe und Krabbenkutter saßen auf Grund. Der Seenotrettungskreuzer „Ernst Meier-Hedde“ verlegte seinen Standort zwischen 8:00 und 11:30 Uhr vom Liegeplatz im Hafen in die Norderaue vor Wittdün.

Für die kommenden Tage ist weiterer starker Ostwind vorhergesagt. Daher kann es auch am Wochenende zu Fahrplanänderungen bei der W.D.R. kommen. Hilfreich ist die App der Reederei unter www.faehre.de.

Über Gerd Arnold

Gerd Arnold, 1957 in Nebel auf Amrum geboren. Ein „echter“ Amrumer mit der friesischen Sprache (öömrang) aufgewachsen. Bis 1972 die Schule in Nebel besucht, danach Elektroinstallateur in Wittdün gelernt. 1976/77 in Wuppertal den Realschulabschluss nachgeholt. Ab Oktober 1977 als Berufssoldat bei der Bundesluftwaffe und seit November 2010 Pensionär. Nach vielen Jahren der verzweifelten Suche nach passenden „bezahlbaren“ Wohnraum auf Amrum endlich fündig geworden, seit Februar 2022 wieder ständig auf Amrum. 2019 ins Team der Amrum News integriert, aber das soll neben dem Angeln nicht die einzige Aktivität auf der Insel bleiben.

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