Wind, Niedrigwasser und Eis bringen den Fahrplan durcheinander. Obwohl die Fähren seit 1971 eigentlich tideunabhängig fahren, bleibt die Natur ein mächtiger Faktor. Warum das so ist – und was das mit einem verlorenen Rechtsstreit zu tun hat.
Ostwind bremst den Verkehr und nun auch noch Eis

Der derzeitige, tideabhängige Fährverkehr auf der Linie Föhr–Amrum wird von der Wyker Dampfschiffs-Reederei (W.D.R.) ab der Mole in Dagebüll betrieben. Die Fahrzeiten variieren täglich, da die Fahrpläne an die Gezeiten angepasst werden müssen, um Niedrigwasser zu vermeiden.
Seit Wochen schränken starker Ostwind und der dadurch bedingte niedrige Wasserstand den Fährverkehr – nicht nur auf der Inselroute – stark ein. Da sich Ebbe und Flut täglich ändern, ändern sich auch die Abfahrtszeiten.
Aufgrund des anhaltenden Ostwindes wird sich daran in den kommenden Tagen nichts ändern. Die Wettervorhersage zeigt bis Freitag nächster Woche Wind aus Osten an.

Die W.D.R. informiert ihre Fahrgäste auf ihrer Homepage und in der App (faehre.de) regelmäßig über Fahrplanänderungen, die durch Witterungs- und Wasserverhältnisse entstehen. Wer eine Fährüberfahrt plant, sollte sich am Vortag dort informieren.
Auch die eisigen Temperaturen können Auswirkungen haben. Es hat sich Eis gebildet und Tauwetter ist nicht in Sicht. Aktuell liegt die Wassertemperatur der Nordsee um den Gefrierpunkt. Eisgang im Wattenmeer kann den Fährbetrieb der W.D.R. erheblich beeinträchtigen und zu Fahrplanänderungen oder Ausfällen führen. Dicke Eisschollen behindern die Schifffahrt. In extremen Fällen ist der Verkehr stark eingeschränkt oder es wird Unterstützung benötigt. Grundsätzlich sind die Fähren der W.D.R. jedoch robust gebaut. Laut Reederei gibt es durch den aktuellen Eisgang noch keine konkreten Probleme, die Entwicklung wird jedoch beobachtet.
Als die Tide noch täglich den Fahrplan bestimmte
Bis 1971 war der Fährverkehr tideabhängig, sodass sich die Abfahrtszeiten täglich änderten. In den Geschäftsstellen der Reederei gab es Anzeigetafeln, auf denen die aktuellen Abfahrtszeiten bekannt gegeben wurden.
In der Nähe der Wandelbahn am alten Reedereigebäude in Wittdün befand sich auf der Südseite, links neben dem Eingang, eine solche Tafel. Die Abfahrtszeiten der Schiffe wurden täglich mithilfe selbst hergestellter Einstecktafeln aktualisiert. Bis zum Spätsommer 1971 gab es täglich tideabhängige Abfahrtszeiten.
Der Weg zur Tideunabhängigkeit

Bereits Ende der 1960er-Jahre gab es Bestrebungen, dies zu ändern. Doch erst am 26. September 1971 wurde der erste tideunabhängige Fahrplan eingeführt.
Dafür wurde die Fahrrinne vor Dagebüll mit einem Saugbagger vertieft. Der Schlick wurde mehrere hundert Meter nördlich des Hafens unterhalb des Schutzdeiches über ein eigens verlegtes Rohrsystem wieder eingeleitet.
Heute wäre eine solche Entnahme kaum noch möglich, denn selbst der Einsatz einer Schaufel im Watt ist ohne Genehmigung verboten. Seit 1974 besteht das Naturschutzgebiet Nordfriesisches Wattenmeer, das seit 1985 Teil des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer ist.
Seit dem 26. September 1971 gibt es einen tideunabhängigen Fahrplan für die Verbindung von Dagebüll nach Wyk und Wittdün, wodurch feste Abfahrtszeiten möglich wurden.
Rechtsstreit um die Kosten

Den Verantwortlichen war bewusst, dass die Tideunabhängigkeit mit hohen Folgekosten verbunden sein würde. Wer trägt die Kosten für die Freihaltung der Häfen, die über eine Bundeswasserstraße erreichbar sind? Da der Bund eine tidefreie Verbindung nicht für erforderlich hielt, wollte er die Kosten nicht übernehmen. Es kam zum Rechtsstreit, den die Reederei verlor. Dennoch hielt sie am tidefreien Verkehr fest und akzeptierte die laufenden Kosten.
Seit fast 55 Jahren fahren die Schiffe der W.D.R. nunmehr tideunabhängig.
Bagger gegen die Verschlickung

Bei extremem Niedrigwasser sind Sedimentablagerungen im Fährhafen deutlich zu erkennen. Um einer vollständigen Verschlickung vorzubeugen, kommt in den Wintermonaten regelmäßig ein Baggerschiff zum Einsatz. Der Laderaumsaugbagger „Hegemann 2“ sorgt derzeit dafür, dass die Wassertiefe in der Fahrrinne wieder das festgelegte Niveau erreicht.
Das entnommene Material wird an festgelegten Stellen in der Nordsee verklappt.
Bei starkem Ostwind reichen diese Maßnahmen jedoch nicht aus, sodass es erneut zu Änderungen im Fahrplan kommt.
Die W.D.R. versucht den Verkehr auch unter schwierigen Bedingungen aufrechtzuerhalten – die Sicherheit hat jedoch Vorrang.
AmrumNews Online-Zeitung der Insel Amrum

