Jahreshauptversammlungen statt Großbrände: Auf Amrum ist der Jahresbeginn traditionell die Zeit der Rückblicke, Wahlen und Beförderungen bei den Feuerwehren. Auch in Nebel und Süddorf-Steenodde standen nun Ehrungen, personelle Veränderungen und wichtige Zukunftsthemen im Mittelpunkt.
Jahresauftakt bei den Inselwehren
Januar und Februar sind die Monate, in denen es viel über die Feuerwehren der Insel Amrum zu berichten gibt. Zumeist sind es – Gott sei Dank – nicht reale Einsätze, die in dieser Zeit Eingang in die Pressemitteilungen von Amrum News finden, sondern vielmehr „verwaltungstechnische“ Vorgänge. Traditionell halten die vier Wehren der Insel in dieser Zeit ihre Jahreshauptversammlungen ab. Im Mittelpunkt stehen Neuaufnahmen, Beförderungen, Ehrungen und Neuwahlen.
Nach den Wehren in Norddorf (gegründet 1894) und Wittdün (gegründet 1897) hielten nun auch die beiden Nebeler Wehren – Nebel (gegründet 1887 als „Amrumer Feuerwehr“) und Süddorf-Steenodde (gegründet 1896) – ihre Jahreshauptversammlungen ab. Veranstaltungsort war jeweils das Restaurant „Strandpirat“, in dem im Rahmen der Versammlungen natürlich auch leckeres Essen und reichlich Getränke serviert wurden. Hier gilt es, wie in jedem Jahr, Meike und Sven Richter zu danken.
FF Süddorf-Steenodde: Kontinuität und Neuanfang

Am vergangenen Freitag führte Ortswehrführer Tewe Thomas durch die 130. Jahreshauptversammlung der FF Süddorf-Steenodde. Unterstützt wurde er von Schriftführer Mats Bohn, Kassenwart Andres Krumbein und dem stellvertretenden Wehrführer Norman Peters sowie von der stellvertretenden Bürgermeisterin der Gemeinde Nebel, Elke Dethlefsen.
Begrüßt wurden neben zahlreichen Gästen insbesondere die aktiven Kameradinnen und Kameraden, die Mitglieder der aktiven Reserve sowie Helmut Drews, Jürgen Kramer, Henry Waidhas, Knudt Martinen und Wolfgang Pieck aus der Ehrenabteilung. Nach dem Verlesen des Sitzungsprotokolls des Vorjahres, des Jahresberichtes 2025 sowie des Kassenberichtes und dessen Bestätigung durch die Kassenprüfer wurde der Vorstand einstimmig entlastet.
Als wichtigster Tagesordnungspunkt wurden die nach Ablauf der 6-jährigen Amtsperiode turnusmäßig anstehenden Neuwahlen durchgeführt, wobei die Wahlen des Ortswehrführers und seines Stellvertreters in geheimen Abstimmungen erfolgten. Ortswehrführer (OWF) Tewe Thomas wurde in seinem Amt für weitere 6 Jahre bestätigt. Da der bisherige stellvertretende OWF, Norman Peters, aus familiären Gründen und zum größten Bedauern aller seiner Feuerwehrkameradinnen und -kameraden nach 23 Jahren in der Feuerwehr die Insel verlassen hat, musste ein Nachfolger bestimmt werden. Hier bot Jan Hansen seine Mitarbeit an und wurde mit großer Mehrheit gewählt.

Neu in die Wehr aufgenommen wurden:
Tjorben Thomas und Fenke Stille.
Nach erfolgreicher Absolvierung von Lehrgängen wurden befördert:
Zu Feuerwehrmännern: Malte Prieg, Leif Jessen, Henning Blume, Tjorben Thomas, Matthias Lutz
Zur Hauptfeuerwehrfrau: Sandra Fangard
Zu Hauptfeuerwehrmännern: Matti Franke, Felix Heinrich, Steffen Sumpf
Zum Hauptfeuerwehrmann mit 3 Sternen: Jan Hansen

Nach den Grußworten der stellvertretenden Bürgermeisterin, die u. a. mitteilen konnte, dass der Um- und Erweiterungsbau des neuen FW-Gerätehauses in Süddorf für September d. J. avisiert ist, sofern die Baumaßnahmen am Gerätehaus in Nebel abgeschlossen sein werden, folgten Grußworte des anwesenden Kreiswehrführers Lutz Kastka, der stellvertretenden Amtswehrführerin, des Abschnittsleiters Bevölkerungsschutz und Katastrophenabwehr, des Kreisausbilders, der Jugendfeuerwehr, des Rettungsdienstes, der Ärzteschaft, der Polizei, des Amtes Föhr-Amrum, der PSNV-E und der Nachbarwehren. Nach Beendigung der Versammlung wurde zu einem gemütlichen Kameradschaftsabend übergegangen.
FF Nebel: Abschied nach 24 Jahren im Amt
Bereits eine Woche zuvor leitete Ortswehrführer Oliver Ziegler gemeinsam mit seinem Stellvertreter André Neumann, Kassenwart Olaf Isemann und Schriftführer Ralf Klein die 139. Jahreshauptversammlung der FF Nebel. Auch hier konnten neben vielen Gästen die aktiven Mitglieder und die aktive Reserve begrüßt werden. Als Ehrenmitglied war Uli Petersen anwesend.
Nach einer Gedenkminute für die im vergangenen Jahr verstorbenen Kameraden Michael Lemcke und Wolfgang Paul wurden Tristan Möller, Melf Dethlefsen und Thomas Kaffer per Handschlag in die Wehr aufgenommen, und nach Genehmigung der Berichte wurde auch hier der Vorstand einstimmig entlastet
Als nächster Tagesordnungspunkt stand die turnusmäßige Wahl des Schriftführers an. Da Ralf Klein nach 24-jähriger Amtszeit nicht zur Wiederwahl antrat, wurde Thorsten Hinz einstimmig als neuer Kassenwart gewählt.

Nach bestandenen Lehrgängen konnten befördert werden:
Zu Feuerwehranwärtern: Melf Dethlefsen, Tristan Möller, Thomas Kaffer
Zu Feuerwehrmännern: Nick Isemann, Tom Kristensen
Zu Oberfeuerwehrmännern: Thorsten Hinz, Alexander Pyhan
Zur Hauptfeuerwehrfrau: Aileen Peters
Zur Löschmeisterin: Susanne Jensen

Für die zehnjährige Feuerwehrzugehörigkeit wurde Daniel Peters geehrt, für die dreißigjährige Zugehörigkeit Martin Drews jun. und Henning Claußen.
Löschmeisterin Susanne Jensen und Löschmeister Ralf Klein wurden auf Antrag nach 24-jähriger bzw. 30-jähriger engagierter Feuerwehrzugehörigkeit in die Ehrenabteilung überstellt und erhielten je einen Präsentkorb.
Weiterhin wertschätzte der Ortswehrführer das Engagement aller Kameradinnen und Kameraden sowie derer Partner. Ein großes „Dankeschön“ ging ebenfalls an die Amrum-Touristik, die für die Dauer des Um-/Neubaus des Feuerwehrgerätehauses in Nebel die ehemalige Bushalle im Gewerbegebiet zur Unterstellung der Fahrzeuge zur Verfügung stellt, an Olaf Isemann, der seine Werkshalle vorübergehend als Unterkunft nach Einsätzen und Übungsabenden öffnet und Henning Claußen für die stete Versorgung mit Backwaren.

Bürgermeister Cornelius Bendixen berichtete über den Fortschritt des Neu- und Erweiterungsbaus des Nebeler Gerätehauses. Der Baubeginn erfolgte – entgegen der ursprünglichen Ankündigung – erst im dritten Quartal 2025 und hat sich durch das langanhaltende Winterwetter verzögert. Dennoch zeigt sich der Bürgermeister zuversichtlich, dass im Sommer die Einweihungsfeier stattfinden kann. Der Dachstuhl ist bereits errichtet. Zudem wurde angekündigt, dass über den Zweckverband Sicherheit und Soziales ein „neues gebrauchtes“ Feuerwehrfahrzeug für die Nebeler Wehr beschafft wird.
Nachdem dann die Grußworte des Bürgermeistes, der Nachbarwehren und vieler anderer Gäste überbracht waren konnte auch hier die Versammlung geschlossen werden und der inoffizielle Teil inklusive „Bürgermeisterrunden“ begann.

Einsätze 2025: Fehlalarme als Schwerpunkt
16 Alarmierungen verzeichnete die FF Nebel im Jahr 2025, 14 die FF Süddorf-Steenodde. Beide Wehren rückten jeweils fünfmal gemeinsam zu Fehlalarmen aufgrund fehlerhafter Auslösungen der Brandmeldeanlage in der Fachklinik Satteldüne aus.
Vier Wehren für 2.300 Einwohner
Amrum hat mit seinen drei Gemeinden vier (!) Feuerwehren, deren aktive Mitglieder freiwillig ihren Dienst zum Schutze der Bevölkerung und Umwelt leisten. Längst ist es nicht mehr nur die Brandbekämpfung, die als eine ursprüngliche Aufgabe angesehen werden kann. Technische Hilfeleistungen, Gefahrguteinsätze, vorbeugender Brandschutz, aber auch Wasserrettung und Unterstützung anderer Hilfsorganisationen wie DGzRS, Katastrophenschutz, Polizei und Rettungsdienst haben auch auf der Insel Amrum für die Wehren einen hohen Stellenwert. Eine fundierte Ausbildung und regelmäßige Übungen sind Grundvoraussetzung für das Funktionieren einer Feuerwehr. Dies ist insbesondere für die Insel Amrum von großer Bedeutung, sind doch im Ernstfall die Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehren ggf. für längere Zeit auf sich allein gestellt. Im Bedarfsfall kann es aufgrund der Insellage doch eine lange Zeit dauern, bis Unterstützung „von außen“ kommt.
Nicht zu vergessen ist neben den eigentlichen Aufgaben einer Feuerwehr auch der soziale Aspekt: Förderung des Gemeinschaftssinns mit Kameradschaft, Zusammenhalt und Teamwork sowie Unterstützung öffentlicher Veranstaltungen wie z. B. die amrumtypischen Festlichkeiten Biikefeuer, Sonnwendfeier oder Stadtfeste.
Nachwuchs bleibt entscheidend
Der Mensch wird älter, und mit zunehmender Lebensdauer lässt seine Leistungsfähigkeit nach. So wird jedes Feuerwehrmitglied irgendwann aus der aktiven Bereitschaft ausscheiden, in die passive Abteilung übergehen, die Wehr verlassen oder als Ehrenmitglied weitergeführt. Enorm wichtig ist es für die Wehren daher, sich zu jeder Zeit um Nachwuchs zu bemühen.
Die Mitgliedschaft in einer Freiwilligen Feuerwehr ist, zumindest in Deutschland, wie der Name schon sagt, „freiwillig“. Dies war nicht immer so. Zu Zeiten des Militarismus im deutschen Kaiserreich und später nochmals im „Dritten Reich“ waren Feuerwehren sehr militärisch geprägt. Zwar hat auch heute das Prinzip von Führung, Disziplin und Einordnung in strukturierte Abläufe einen essentiellen Stellenwert für das Funktionieren einer Wehr, dennoch ist der Eintritt in den Dienst eben „freiwillig“. Auch das war nicht immer so. Es gab Zeiten, da war es „Vorschrift“, dass aus jedem Haushalt auf den Inseln zumindest ein Mann in der Feuerwehr sein musste. Auch heute hätten die Amtsführungen die Möglichkeit, eine sog. Pflichtfeuerwehr einzurichten, wenn eine Freiwillige Feuerwehr, z. B. aufgrund von Personalmangel, nicht zustande kommt und somit der Brandschutz nicht gewährleistet werden kann. Städte ab 100.000 Einwohnern sind in Deutschland gesetzlich dazu verpflichtet, eine Berufsfeuerwehr zu unterhalten. Davon sind wir auf Amrum zwar weit entfernt und sind mit den ca. 130 aktiven Mitgliedern der vier Feuerwehren recht gut aufgestellt, was bei 2.300 Bewohnern 5,65 Feuerwehrleute auf 100 Einwohner bedeutet (zum Vergleich: In Hamburg sind es nur 0,16 Bedienstete bei 3.100 Feuerwehrkräften auf 1,9 Mio. Einwohner). Dennoch gilt es auch auf Amrum, stets neue Mitglieder für den Feuerwehrdienst zu gewinnen. „Wenn Du nicht kommst, wer kommt dann?“ gilt als Aufforderung an alle Mitbürgerinnen und Mitbürger der Insel Amrum, sich für eine Aufgabe als Feuerwehrmann oder -frau zu engagieren!“
AmrumNews Online-Zeitung der Insel Amrum
