Angespannte Haushaltslage für die Gemeinden und das Amt Föhr-Amrum …

Die Kassen sind leerer als gedacht.
Der Haushalt 2026 des Amtes Föhr-Amrum weist ein deutliches Minus aus – Rücklagen gibt es nicht. Was das für die Gemeinden der beiden Inseln bedeutet, wird erst beim Blick auf die Umlagen deutlich.

Deutlich höheres Defizit als im Vorjahr

Amtsdirektor Christian Stemmer , Quelle: Amt Föhr-Amrum

In einer Pressemitteilung des Amtes Föhr-Amrum machte Amtsdirektor Christian Stemmer auf die schwierige Haushaltslage für das Haushaltsjahr 2026 aufmerksam. Der Ergebnisplan weist Erträge in Höhe von 14.213.000 Euro und Aufwendungen in Höhe von 17.610.000 Euro aus. Daraus ergibt sich ein Jahresfehlbetrag von 3.397.000 Euro (Vorjahr: -1.108.900 Euro). Eine Ausgleichsrücklage zum Ausgleich des planerischen Fehlbetrags ist beim Amt Föhr-Amrum nicht vorhanden. Der Fehlbetrag muss kurzfristig über einen Kassenkredit abgedeckt werden. Sollte sich die Situation in den kommenden Jahren nicht verbessern, besteht frühestens nach 5 Jahren die Möglichkeit, die Allgemeine Rücklage in Anspruch zu nehmen.

Verwaltung für 15 Gemeinden und die Stadt Wyk

Das Amt Föhr-Amrum übernimmt Verwaltungsaufgaben für die 15 amtsangehörigen Gemeinden der Inseln Föhr und Amrum sowie für die Stadt Wyk. Dazu zählen das Einwohnermeldeamt (Ausweise, An- und Abmeldungen), das Standesamt, Gewerbeangelegenheiten, die kommunale Steuerverwaltung, das Bauwesen sowie soziale Angelegenheiten. Auch die Verwaltung der Schulgebäude und die damit verbundenen finanziellen Verpflichtungen sind ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit des Amtes. Zudem vertritt das Amt die Interessen der Region gegenüber dem Kreis Nordfriesland und dem Land Schleswig-Holstein.

Derzeit sind 87 Mitarbeiter beim Amt beschäftigt. Insgesamt sind 47 Prozent des Haushalts für Personalkosten eingeplant.

Millionen für Schulbau und Sanierungen

Für Investitionen sind 6.199.500 Euro vorgesehen. Davon entfallen allein 3.500.000 Euro auf den zweiten und dritten Bauabschnitt der Sanierung der Öömrang Skuul. Weitere größere Posten sind die Sanierung der Obdachlosenunterkünfte auf Amrum mit 600.000 Euro sowie der Umbau des Fachklassentrakts an der Eilun Feer Skuul mit 405.000 Euro.

Wie Amtsdirektor Christian Stemmer in seiner Rede zur Verabschiedung des Amtshaushalts 2026 mitteilte, liegt die Hauptlast der Investitionen im Jahr 2026 mit 82 Prozent bei Schulen und Kindergärten. Dieser Anteil werde sich in den kommenden Jahren auf über 90 Prozent erhöhen, wenn die derzeitigen Planungen in bauliche Maßnahmen umgesetzt werden. Die vollständige Rede ist auf dem Amtsportal abrufbar.

53 Prozent Amtsumlage für die Gemeinden und die Stadt Wyk

Für das Jahr 2026 beträgt die Amtsumlage 53 Prozent. Das bedeutet, dass die amtsangehörigen Gemeinden 53 Prozent ihrer eigenen Steuereinnahmen an das Amt abführen müssen. Grundlage für die Berechnung sind die Gewerbesteuer, die Grundsteuer A und B, der Gemeindeanteil an den Gemeinschaftssteuern (Einkommen- und Umsatzsteuer) sowie die Schlüsselzuweisungen.

Die drei Amrumer Gemeinden beteiligen sich mit insgesamt 22,89 Prozent (2.434.200 Euro) an der Amtsumlage (Nebel: 9,5 Prozent, Wittdün: 7,13 Prozent, Norddorf: 6,26 Prozent).

Die Gesamteinwohnerzahl des Amtes liegt bei 10.396 (Stand: 31. Dezember 2024). Davon leben 8.178 Menschen auf Föhr und 2.218 auf Amrum.

Umlagen schränken kommunalen Spielraum ein

Neben der Amtsumlage müssen die Gemeinden auch eine erhebliche Kreisumlage zahlen. Im Haushaltsjahr 2026 beträgt diese 35 Prozent. Für die drei Amrumer Gemeinden fallen dadurch zusätzlich 1.567.500 Euro an (Nebel: 645.500 Euro, Wittdün: 481.500 Euro, Norddorf: 440.100 Euro).

Zur Unterstützung finanzschwächerer Kommunen wird zudem eine Finanzausgleichsumlage erhoben. Norddorf zahlt hier zusätzlich 238.000 Euro, Nebel 156.700 Euro und Wittdün 46.500 Euro.

Amts-, Kreis- und Finanzausgleichsumlage sind für die Gemeindehaushalte erhebliche Kostenfaktoren, die den Spielraum für eigene Investitionen deutlich einschränken.

Wie geht es weiter?

Amtsdirektor Christian Stemmer macht in seiner Rede zum Haushalt deutlich, dass der Amtshaushalt 2026 ist eine historische Herausforderung ist, aber auch kein Grund zur Resignation, sondern eher ein Aufruf zu gemeinsamem Handeln. „Wir müssen sparen, wo es möglich ist. Jedoch nicht dort, wo es nur noch weh tut. Wir müssen investieren, wo es notwendig ist und gemeinsam, wenn nötig, nach neuen Lösungen suchen. Wir brauchen langfristig aber auch immer strukturelle Lösungen, denn wir brauchen Einnahmen. Unsere Finanzkraft hängt direkt von den Zuflüssen aus den Gemeinden ab. Bleiben diese aus, fehlen uns die Mittel. Ohne diese Finanzkraft müssten neue Schulden aufgenommen werden, um in Zukunft investieren zu können.“

Bau-, Wohnungs- und Lebenshaltungskosten sind auf den Inseln deutlich höher als auf dem Festland. Bleibt zu hoffen, dass Land und Bund dieses bei entsprechenden Förderprogrammen zukünftig mehr berücksichtigen. Aus dem Topf des Sondervermögens sind bisher nur ca. 4,5 Mio. Euro für Föhr und Amrum vorgesehen.

Über Ralf Hoffmann

Ralf Hoffmann wurde 1955 in Schleswig geboren und zog mit seinen Eltern und Geschwistern 1962 nach Amrum. Nach dem Abitur in Niebüll studierte Ralf Luft und Raumfahrttechnik in Berlin. Die ersten 6 Berufsjahre verbrachte er als Entwicklungsingenieur bei VW und danach wechselte er als Aerodynamischer Entwicklungsingenieur zu Ford nach Köln. Als Leiter der Aerodynamischen Entwicklung für Ford Europa und die letzten 15 Jahre als Manager Aerodynamik und Motor- und Komponentenkühlung war er weltweit verantwortlich und viel unterwegs, um die jeweiligen Prototypen unter Hitze und Kälte zu testen. Nach all den Jahren auf dem Festland sind Ralf und seine Frau Karin nun wieder nach Amrum zurückgekehrt.

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