Ein Gottesdienst, zwei Pastoren, eine besondere Sprache. Einmal im Jahr wird es friesisch in der St. Clemens-Kirche. Warum selbst Nicht-Muttersprachler dafür intensiv üben, zeigt dieser besondere Sonntag.
Friesisch rund ums Biakebrennen

Auch 2026 sangen und beteten die Friesen im Gottesdienst. Meistens tun sie dies auf Deutsch, doch am vergangenen Sonntag fand ein friesischer Gottesdienst in der St. Clemens-Kirche statt. Dieser wurde im Amrumer Friesisch, Öömrang, abgehalten. Mit dabei waren die Inselpastorin Martje Brandt und der von Amrum stammende Pastor Richard Hölck aus Hamburg-Wandsbek. Für Richard war es das fünfte Mal, dass er sich am „Öömrang Hööw“ beteiligte.

Martje selbst spricht kein Friesisch, wie sie sagt. Beim Öömrang Hööw, der immer um das Biakebrennen stattfindet, ist das jedoch anders. Da spricht sie kaum Deutsch, ihr Team gibt ihr die Texte auf Öömrang vor und übt diese mit ihr. Das hat toll funktioniert.
Mithilfe eines zweisprachigen (Öömrang/Deutsch) Gottesdienstheftes konnten alle Anwesenden den friesischen Gottesdienst verfolgen. Kinka Tadsen und Pastorin Brandt begrüßten die zahlreichen Besucher:innen zum „Öömrang Hööw“.
Predigt in der Muttersprache

Der diesjährige Gottesdienst wurde wieder von Martje Brandt und ihrem Team ausgearbeitet. Richard Hölck, der seine Wurzeln in Norddorf hat, hielt die Predigt in seiner Muttersprache Öömrang. Das diesjährige Team bestand aus Andrea Hölscher, Susanne Jensen, Jan und Helga Ruempler, Kinka Tadsen, Kirsten Tadsen sowie der Kirchenmusikerin Katharina Rau und dem Chor der Kirchengemeinde St. Clemens.
Gemeinsam sangen alle das Lied „En borag, diar ei bräächt an fäält!“ („Ein feste Burg“). Danach trug Jan Ruempler Psalm 23 auf Öömrang vor.

Anschließend führten mehrere Teammitglieder durch den friesischen Gottesdienst weiter. Der Kirchengemeindechor St. Clemens, unter der Leitung von Dirigentin Katharina Rau, sang zwischendurch die Lieder „Hergod din stem“ („Hergott, deine Stimme“) und „Wees dach ei baang“ („Fürchte dich nicht“).
Kirsten Tadsen trug die Epistellesung vor. Dabei handelte es sich um das 13. Kapitel des ersten Korintherbriefs, das auch als „Hohelied der Liebe“ bekannt ist. In diesem zentralen Text des Neuen Testaments stellt Paulus die Liebe „Agape“ als die höchste christliche Tugend dar.
Susanne Jensen sprach zusammen mit der Gemeinde das Glaubensbekenntnis. Danach wurde wieder gesungen: Es ertönte das Lied „Herr, deine Liebe …“ („Hergod, din leefde“).
In der Predigt von Pastor Richard Hölck auf Öömrang ging es um die durcheinandergeratene Weltordnung, wie „Sodom und Gomorra“. Er predigte über Glaube, Hoffnung und Liebe („gluuw, hööb an leefde“).
Noch einmal wurde gemeinsam gesungen: „Wer nur den lieben Gott lässt walten …“ („Hooker üüb God saat sin fertrauen“). Helga Ruempler sprach das Fürbittengebet, und gemeinsam wurde das „Vater unser“ gebetet.
„Wees‘m ei baang“ – „Fürchtet euch nicht“ – das Leitwort

Das diesjährige Leitwort lautete: „Wees‘m ei baang – Fürchtet euch nicht!“ Brandt entschuldigte sich bei den Übersetzern Helga und Jan Ruempler für die Fehler im Begleitheft – in der Eile habe sie es versäumt, die bereits korrigierten Texte zu übernehmen.
Pastorin Martje Brandt bedankte sich bei allen Beteiligten und den Gottesdienstbesucher:innen. Es folgten der Segensgruß und der Segen. Zum Abschluss gab es noch einmal Gesang. Das gemeinsam gesungene Lied „Dü min tüs, min öömrang lun …“ („Du mein Zuhause, mein Amrum Land“) rundete den wieder einmal sehr schönen friesischen Gottesdienst ab.
Auch einige in ihrer Friesentracht anwesende Amrumerinnen waren zu bestaunen.
Blick in die Zukunft der Kirchengemeinde

Brandt bat um Unterstützung für das Projekt „Kirchenrenovierung St. Clemens“, das im März in Angriff genommen werden soll. In vielen Bereichen wird noch Hilfe benötigt. Wer Interesse hat, kann auf der Informationsveranstaltung am 10. März ab 18 Uhr im Clemens-Hüs mehr über das Vorhaben erfahren.
Zu Weihnachten im letzten Jahr wurde bereits ein mehrsprachiger Gottesdienst durchgeführt, der zu einem Drittel auf Deutsch, zu einem Drittel auf Plattdeutsch und zu einem Drittel auf Öömrang gehalten wurde. Dies soll wiederholt werden, denn die Gottesdienstbesucher waren begeistert.
AmrumNews Online-Zeitung der Insel Amrum
