Brutvögel im Blick: Die Frühjahrszählungen auf Amrum …

Jedes Frühjahr beginnt auf Amrum eine besondere Bestandsaufnahme der Natur: Ehrenamtliche und Freiwillige ziehen frühmorgens mit Fernglas, Spektiv und Tablet durch Dünen, Salzwiesen und Marschen, um die Brutvögel des Wattenmeers zu erfassen. Die Daten sind Teil eines internationalen Monitorings und liefern seit Jahrzehnten wichtige Erkenntnisse für den Schutz der Küstenvögel.

Die Freiwilligen Mila Kayser und Luca Hilpert zählen Brutvögel auf der Geest.

Internationale Datenerhebung im Wattenmeer

Auf Amrum werden das ganze Jahr über Vögel gezählt – genauso wie entlang der gesamten Wattenmeerküste. Im Frühjahr kommt eine besondere Erhebung hinzu: die Brutvogelkartierung. Dabei werden jene See- und Küstenvögel erfasst, die im Wattenmeer brüten.

Kaum für eine andere Tiergruppe existieren derart umfangreiche und langjährige Datenreihen wie für die Brutbestände der Küstenvögel. Bereits seit Beginn des 19. Jahrhunderts werden ihre Bestände dokumentiert. Mit einer gemeinsamen Erklärung von Dänemark, Deutschland und den Niederlanden wurden die Erhebungen 1994 auf eine einheitliche wissenschaftliche Grundlage gestellt: das trilaterale Monitoring- und Bewertungsprogramm TMAP (Trilateral Monitoring and Assessment Programme).

Möwen werden gezählt

Sieben Zählungen zwischen März und Juni

Die Erfassungen der Brutvögel finden von Mitte März bis Anfang Juni statt. In insgesamt sieben Durchgängen werden auf festgelegten Routen bestimmte Vogelarten gezählt. Schon in den frühen Morgenstunden sind die Vogelzählerinnen und Vogelzähler mit Spektiven, Ferngläsern und Tablets unterwegs.

Auf Amrum übernehmen diese Aufgabe die Freiwilligen und Ehrenamtlichen der schutzgebietsbetreuenden Vereine Öömrang Ferian und Jordsand. Ihre Beobachtungen liefern wertvolle Daten für den internationalen Vogelschutz.

Ein Blick durch das Spektiv: brütende Säbelschnäbler. © Mila Kayser

Auftakt mit der Graugans

Der erste Zähldurchgang beginnt mit der Graugans. Sie startet bereits Ende Februar mit der Revierbildung und dem Nestbau. Ab Mitte März legt sie meist vier bis sechs Eier.

Im Jahr 2025 erfassten die Freiwilligen des Öömrang Ferian insgesamt 833 Brutpaare. Gezählt wurde in den Salzwiesen, Marschen und Dünengebieten einschließlich der vorgelagerten Strandseen sowie auf landwirtschaftlich genutzten Flächen der Geest.

Kiebitze, Seeschwalben und viele weitere Arten

Mitte April folgt die zweite Zählrunde – dann stehen die Kiebitze im Fokus. Auch sie beginnen früh im Jahr mit der Brut.

Mit jedem weiteren Durchgang kommen zusätzliche Arten hinzu, die oft zeitgleich erfasst werden müssen: Rotschenkel, Sandregenpfeifer, Brandgans, Eiderente, Säbelschnäbler sowie verschiedene Möwen- und Seeschwalbenarten sind Beispiele der zu zählenden Arten.

Vor der Zählung der brütenden Möwen werden die zu kartierenden Dünenabschnitte abgestimmt.

Großeinsatz an Himmelfahrt

Ein besonderer Höhepunkt der Brutvogelkartierung findet auf Amrum traditionell an Himmelfahrt statt. Dann richtet sich der Blick vor allem auf die Möwenkolonien in den streng geschützten Dünen.

Da das weitläufige Dünengebiet nur schwer einzusehen ist, werden für diese Zählung zahlreiche Helferinnen und Helfer benötigt. Unterstützung kommt dabei von den Freiwilligen der Schutzstation Wattenmeer sowie von ehemaligen Ehrenamtlichen des Öömrang Ferian und des Jordsands, die eigens für die Aktion anreisen.

Am kommenden langen Wochenende kann die Gruppe mit ihren gelben Warnwesten von den Bohlenwegen aus beobachtet werden. Da die Dünen nicht betreten werden dürfen, erhalten alle beteiligten Helferinnen und Helfer eine besondere behördliche Betretungserlaubnis. Die Erhebung ist Teil des wattenmeerweiten TMAP-Programms und von internationaler Bedeutung. Sie leistet einen wichtigen Beitrag zum Schutz der See- und Küstenvögel.

Über Karen Heidemann

Karen Heidemann erblickte das Licht der Welt 1963 in Bremen, nach dem Abitur folgten eine Ausbildung zur MTRA und erste Berufsjahre in Bremer Kliniken, 1988 Studium der Biologie in Oldenburg, entdeckte dort ihre Leidenschaft für die Botanik, schloss ein Auslandsstudium in den USA mit Forschungstätigkeit im Yellowstone Nationalpark ein, war nach ihrem Diplom 1995 als Biotopkartiererin in den neuen Bundesländern unterwegs, wechselte 1996 an die Uni Trier als Wissenschaftliche Mitarbeiterin, entdeckte dort im Rahmen einer ehrenamtlichen Vereinstätigkeit ihre zweite Leidenschaft: Umweltbildung. Ging im Jahr 2000 nach Köln, um als Bildungsreferentin / Projektleiterin in der nachuniversitären Weiterbildung Schwerpunkt Medizin tätig zu werden. Nachdem ihre 2 Töchter zwecks Studiums eigene Wege gingen, verwirklichte sie 2023 ihren Traum, auf einer Nordseeinsel zu leben und kam nach Amrum. Dort war sie in den Bereichen Umweltbildung und Schutzgebietsbetreuung am Naturzentrum in Norddorf tätig, 2025 übernahm sie dort die Leitung.

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