Von „Altvögeln“ und „Küken“ – ein Jahr Amrum im Naturschutz …

Es ist kaum zu glauben: Schon wieder geht auf Amrum ein Jahr Freiwilligendienst im Naturschutz zu Ende – ein Jahr voller Engagement, Erlebnisse und neuer Freundschaften. Die Freiwilligen der Schutzstation Wattenmeer und des Öömrang Ferian sind sich einig: „Dieses Jahr war das Schönste, was uns passieren konnte.“

Beim gemeinsamen Abendessen im Naturzentrum lernen sich die neuen und die erfahrenen Freiwilligen beider Naturschutzvereine kennen.

Willkommen „Küken“!

Herzlich wurden nun die Neuen, von den vorherigen Teams liebevoll „Küken“ genannt, auf Amrum begrüßt. Damit sich die Freiwilligen beider Naturschutzverbände schnell kennenlernen, fand auch in diesem Jahr wieder ein Willkommensabend unter dem Pottwal im Naturzentrum in Norddorf statt. Beim gemeinsamen Essen war es spannend zu erfahren, woher die neuen Freiwilligen kommen und was sie auf die Idee gebracht hat, nach Amrum zu gehen.

Nach dem Essen wird getanzt: Die „Altvögel“ zeigen den „Küken“, wie die „Schutten-Tänze“ funktionieren.

Die neuen Freiwilligen der Schutzstation Wattenmeer

Linus, Ronja, Nico und Rieke sind die neuen Vier der Schutzstation Wattenmeer in der Natour-Düne in Wittdün.

Linus ist 19 Jahre alt und kommt aus Mannheim. Nach dem Abitur möchte er nicht sofort studieren, sondern erst einmal weit weg von zu Hause herausfinden, welche Themen und Fachgebiete ihn interessieren. „Ein eigenes kleines Forschungsprojekt wäre toll“, überlegt Linus. Außerdem möchte er unbedingt ein Hochbeet im Garten bauen und in der Amrumer Soulband Saxofon spielen. Erfahrung damit hat er: Bereits seit zehn Jahren spielt er Saxofon.

Mit zwölf Jahren war Ronjas Oma zur Kur auf Amrum. Seitdem steckte sich die ganze Familie mit dem Amrum-Fieber an. Ronja, 18 Jahre alt und aus Freiberg am Neckar, kennt die Insel daher gut. „Irgendwann habe ich mal eine Doku gesehen, dass man auf Amrum einen Freiwilligendienst absolvieren kann, und jetzt hat es geklappt“, freut sie sich.

Um einen Einblick in die Tätigkeiten eines Freiwilligen zu bekommen, absolvierte Ronja bereits vor drei Jahren ein einwöchiges Praktikum beim Öömrang Ferian im Naturzentrum. Besonders die naturkundlichen Führungen fand sie damals interessant. „Ich möchte einmal Lehrerin für Englisch und Physik werden. Daher ist das Sprechen vor Gruppen eine gute Übung.“

Nico, 18 Jahre, aus Bonn, ist eher zufällig auf Amrum gestoßen. Die Bilder und Beschreibungen sahen so schön aus – hier wollte er hin. „Die ersten Führungen, bei denen ich mitgelaufen bin, waren richtig klasse! Das ist so viel Wissen, was die ‚Altvögel‘ haben. Ich freue mich schon sehr darauf, wenn ich auch so weit bin und dieses Wissen an die Besucher weitergeben kann“, berichtet Nico von seinen ersten Tagen auf Amrum.

Rieke, 19 Jahre, kommt aus einem sehr kleinen Dorf in Nordrhein-Westfalen. Früher war sie mit ihrer Familie immer auf Föhr im Urlaub und hat auch schon einige Wattwanderungen mitgemacht. „Ich wollte einfach einmal ein Jahr auf einer Insel leben“, erklärt Rieke. „Ich freue mich, dass ich das jetzt auf Amrum machen kann.“ Und seit Kurzem weiß sie auch schon, was sie nach dem Freiwilligendienst machen wird: „Im nächsten Jahr fange ich eine Dachdeckerausbildung an.“

Vorfreude auf ein Jahr voller spannender Aufgaben: Die neuen „Küken“ beider Vereine sind bereit für ihren Einsatz im Naturschutz.

Neue Gesichter im Naturzentrum

Im Naturzentrum des Öömrang Ferian sind es Maren, Flora, Pauline und Helene, die sich auf ein Jahr Amrum freuen.

Die weiteste Anreise hatte Maren. Die 19-Jährige kommt aus der Nähe von Zürich in der Schweiz und liebt das Meer. Als sie die Einsatzstellenbeschreibung des Naturzentrums gelesen hatte, war ihr klar: „Da möchte ich hin!“ Führungen im Wattenmeer und ganz viel Naturschutzarbeit – genau das wünscht sie sich. Außerdem möchte sie das Jahr nutzen, um erste Berufserfahrungen zu sammeln und selbstständiger zu werden.

Bereits nach wenigen Tagen als Freiwillige findet Maren das Watt sehr spannend. Zuvor hatte sie diesen Lebensraum noch nicht kennengelernt. Auch für die Zeit nach dem Freiwilligenjahr hat sie bereits einen Plan: Sie möchte Umweltingenieurwesen studieren.

Auch Flora möchte nach dem Abitur erst einmal herausfinden, wohin die Reise gehen könnte. Die 19-Jährige kommt aus Hannover. „Mein Opa hatte mal für den Deutschen Wetterdienst auf Föhr Daten erhoben. Das hörte sich interessant an. Daher habe ich geschaut, was man in dieser Region bei einem Freiwilligen Ökologischen Jahr machen kann. Auf Amrum scheinen die Tätigkeiten besonders abwechslungsreich zu sein“, erzählt Flora.

Bereits nach den ersten Tagen auf der Insel ist Flora begeistert von den Salzwiesen, Dünen und der einzigartigen Weite des Strandes.

So geht es auch Pauline, 19 Jahre, die bereits in Köln mit dem Biologiestudium begonnen hat. Schon seit Langem schwirrte ihr die Idee im Kopf herum, ein FÖJ an der Nordseeküste zu machen. Deshalb wagte sie den Sprung aus dem Studium nach Amrum. „Ich finde die Botanik besonders spannend. Ich hoffe, mein im Studium erworbenes Wissen auch auf die Naturräume des Wattenmeers anwenden zu können.“

Die Jüngste im Bunde ist Helene. Sie ist 17 Jahre alt und kommt aus Panketal. Ihre Familie ist eng mit Amrum verbunden. Im Sommer 2008 heirateten ihre Eltern im Öömrang Hüs, und auch viele Sommerurlaube verbrachte die Familie in der Region.

Im vergangenen Sommer stand für Helene nach einer Wattwanderung fest: „Das Wattenmeer fasziniert mich, ich möchte mich für diese einzigartige Natur engagieren.“ Besonders interessiert sie die Vogelwelt. „Außerdem habe ich schon während der Schulzeit sehr gerne Vorträge zu interessanten Themen gehalten. Daher freue ich mich, den Gästen die Natur Amrums näherzubringen.“

„Altvögel“ geben ihr Wissen weiter

Mit der Ankunft der „Küken“ auf der Insel beginnt auch für die „Altvögel“ eine besondere Zeit. Sie nehmen die Neuen unter ihre Flügel und führen sie in den kommenden Wochen in alle wichtigen Aufgaben ein.

Ob Salzwiesen- oder Dünenführung, Vogelzählungen oder Kreuzkrötenmonitoring – das Aufgabengebiet ist abwechslungsreich, verantwortungsvoll und in der Region Wattenmeer etwas ganz Besonderes für die Freiwilligen.

Ein ereignisreiches Jahr auf Amrum geht zu Ende: Die „Altvögel“ blicken auf viele besondere Erlebnisse im Freiwilligendienst zurück.

Abschied und neue Wege

Für die „Altvögel“ steht gleichzeitig der Abschied vor der Tür. Nach einem Jahr Amrum mit Freundschaften fürs Leben, vielen wunderbaren Begegnungen mit Amrumer:innen, Gästen und den zahlreichen Freiwilligen der Insel, mit Meeresleuchten, Polarlichtern, Kegelrobbenbaby und fast täglichem Baden – auch im Winter bei Eis und Schnee – geht ein ganz besonderes Jahr zu Ende.

Auch wenn der Abschied schwerfällt, haben alle bereits neue Ziele vor Augen: Bei den „Altvögeln“ der Schutzstation Wattenmeer werden Kristin Psychologie, Lena Tiermedizin und Janne Erneuerbare Energien studieren. Carlotta strebt eine Ausbildung zur Mechatronikerin an.

Und wohin geht es bei den Freiwilligen des Öömrang Ferian? Anna wird eine Ausbildung im Bereich Theatertechnik absolvieren. Idita, Luca, Mila und Lilith zieht es an die Ostsee: Idita und Luca werden in Kiel studieren – Idita Physik des Erdsystems, Luca Geografie. Mila freut sich auf ihr Studium der Landschaftsökologie und des Naturschutzes in Greifswald. Auf Fehmarn hat bereits Lilith ihre Ausbildung zur Pferdewirtin begonnen.

Damit endet zwar ihr gemeinsames Jahr auf Amrum, nicht aber die Freundschaften und die Verbindung nach Amrum.

Über Karen Heidemann

Karen Heidemann erblickte das Licht der Welt 1963 in Bremen, nach dem Abitur folgten eine Ausbildung zur MTRA und erste Berufsjahre in Bremer Kliniken, 1988 Studium der Biologie in Oldenburg, entdeckte dort ihre Leidenschaft für die Botanik, schloss ein Auslandsstudium in den USA mit Forschungstätigkeit im Yellowstone Nationalpark ein, war nach ihrem Diplom 1995 als Biotopkartiererin in den neuen Bundesländern unterwegs, wechselte 1996 an die Uni Trier als Wissenschaftliche Mitarbeiterin, entdeckte dort im Rahmen einer ehrenamtlichen Vereinstätigkeit ihre zweite Leidenschaft: Umweltbildung. Ging im Jahr 2000 nach Köln, um als Bildungsreferentin / Projektleiterin in der nachuniversitären Weiterbildung Schwerpunkt Medizin tätig zu werden. Nachdem ihre 2 Töchter zwecks Studiums eigene Wege gingen, verwirklichte sie 2023 ihren Traum, auf einer Nordseeinsel zu leben und kam nach Amrum. Dort war sie in den Bereichen Umweltbildung und Schutzgebietsbetreuung am Naturzentrum in Norddorf tätig, 2025 übernahm sie dort die Leitung.

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