Kultspiel verbindet Generationen …

Das große Bierpong- Fieber am 06.Juni auf Amrum

Vom US-College-Klassiker zum insularen Publikumsmagneten

Mitfiebern, anfeuern, treffen: Volles Haus beim Bierpong-Turnier

Nebel. Es herrscht ein lebhaftes Treiben in der alten Kniepsandhalle, dem heutigen 54°Nord am Strandübergang in Nebel. Die Halle füllt sich langsam mit Besuchern und den Mitspielern des fünfmal jährlich stattfindenden Bierpong-Turniers. Für das Juni-Spiel haben sich 70 Teams – also insgesamt 140 Personen – angemeldet.
Die Stimmung ist von Vorfreude und Spannung geprägt, Musik schallt durch die Boxen, Pizzaduft liegt in der Luft und eine große Auswahl an den unterschiedlichsten Getränken steht an der Bar bereit. Nach einer kurzen Begrüßung, ein paar Erklärungen zu den Regeln und der Bitte um ein respektvolles und faires Miteinander geht es los. Die verschiedenen Teams begeben sich an ihre Tische. Manche tragen als Zeichen ihrer Zugehörigkeit ein gleiches T-Shirt oder ähnliche Kleidung. So liest man Teamnamen wie „Die Drei Lustigen Zwei“, „Die Verrückten Wilden“, „Ponychester United“, „Jesus Kristus“ oder „Un Pegel Bar“, um einige kreative Namenskonstellationen zu nennen. Die ersten Bierbecher auf den Tischen werden mit Bier befüllt. Die Spannung steigt.

Von der Unizeit zum Insel-Magneten: Die Entstehung
Die Idee, mal ein eigenes Turnier auf Amrum zu organisieren, kam den Veranstaltern – den Brüdern Leve und Matti Lorenzen sowie Mats Johannsen – während ihrer eigenen Studienzeit, als sie selbst ein Bierpong-Turnier der Landjugend besucht hatten. Alle waren sich schnell einig: Das wäre genau das Richtige für die jungen Leute auf der Insel!
Und so dauerte es nicht lange, bis 2021 das erste Spiel stattfand. Was für die Jugend begann, wurde schnell zum Magneten für alle Generationen. Heute kommt ein bunt gemischtes Publikum von 16 bis 65 Jahren zusammen, denn ein Alterslimit gibt es hier nicht.

„Auch meine Eltern spielen da gerne mal mit“, erzählt Leve Lorenzen schmunzelnd im Gespräch.

Regeln und Fairplay auf Amrum
Und so geht’s:

Auf einer Bierbank werden auf jeder Seite 10 Becher in einer Pyramidenform aufgestellt und mit einem Liter Bier gefüllt. Ziel ist es, einen Tischtennisball über eine Distanz von 2,20 Metern in einen der Becher der gegnerischen Mannschaft zu treffen. Jeder getroffene Becher muss von der jeweiligen Mannschaft ausgetrunken werden. Dann ist wieder die gegnerische Mannschaft am Zug.
Einschließlich der ersten K.-o.-Runde durchläuft jedes Team vier Spiele. Das entspricht insgesamt vier Liter Bier pro Team – also pro Person zwei Liter. Das ist für einen ungeübten und nicht trinkfesten Menschen eine Menge, und deshalb sind die Regeln nicht ganz so streng, sagt Leve. „Wer kein Bier mag, kann stattdessen auch ein anderes Getränk wie zum Beispiel Cider oder Prosecco wählen. Es geht uns nicht darum, dass irgendjemand mit einer Alkoholvergiftung das Event verlässt. Es gibt keinen Trinkzwang und das Bier darf auch später ausgetrunken oder an eine andere Person abgegeben werden“, erklärt Leve Lorenzen weiter. Der Spaßfaktor und die Geselligkeit stehen eindeutig an erster Stelle. Übersteht ein Team die K.-o.-Runden, dann entscheidet sich der Sieg in der finalen Endrunde.
Fakt ist:

Bierpong ist nicht nur etwas für junge Leute. Wenn man mal vom Spielfieber erfasst wurde, dann ist das Alter total egal. Ob aktiver Mitspieler oder nur Zuschauer – was zählt, sind die lockere Atmosphäre, die Geselligkeit und einfach nur der Spaß, dabei zu sein.

Gegeneinander am Tisch, miteinander im Bild

Stimmen aus der Halle: Ein kleines Team-Interview
Die erste Runde beginnt.

Die Einschätzung des Gegners
Frage an Team A: Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie viel Angst habt ihr vor dem Gegner?
Team A:

Die durchschnittliche Antwort … eine 2.
Frage an Team B: Eure Gegner schätzen euch auf eine 2 ein. Was ist eure Antwort darauf?
Team B:

(Die selbstbewusste Variante): „2? Optimisten … unsere Trefferquote liegt bei einer 10!“ / „Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall.“
(Die nette Variante): „Es wird gut, egal wer gewinnt.“

Die Gewinnstrategie
Frage an Team A: Was ist für heute eure Gewinnstrategie?
Team A:

„Konzentriert bleiben, sich nicht ablenken lassen, locker aus dem Handgelenk (Backspin).“

Frage an Team B: Seht ihr das genauso oder setzt ihr auf eine andere Taktik?
Team B:

(Kurz und bündig): „Ich gewinne einfach.“

Der Soundtrack des Abends
Frage an Team A: Welcher Song läuft heute Nacht bei eurer Siegerehrung?
Team A:

„Zombie“ von The Cranberries, „Nordisch by Nature“ oder klassisch von Queen

„We Are The Champions“.
Frage an Team B: Und welches Lied hört ihr, wenn es heute nur für den Trostpreis reicht?
Team B:

Das Pleite-Lied (Fail-Sound), „Du hast die Haare schön“ von Mickie Krause oder

„Weinst du oder lachst du“ von Joris.

Zwei Spieler, ein Team, eine Mission

Fazit: Ein Event mit absolutem Spaßfaktor
In den nächsten Stunden bricht das große Spielfieber in der Halle aus. Die Stimmung ist fantastisch: An den Tischen wechseln sich lautes Jubelgeschrei und herzhaftes Lachen ab. Viele der Mitspieler sind nicht das erste Mal dabei. Wer einmal hier war, kommt gerne wieder. Die Vorbereitungen auf das Spiel fallen sehr unterschiedlich aus. Während die einen am Vorabend mal kurz üben, feilen die anderen wochenlang an ihrer Taktik.
Aber egal ob Anfänger oder Profi: Der Hauptgrund für die Teilnahme liegt bei allen an der coolen Stimmung und der Geselligkeit.

„Man lernt immer neue Leute kennen und kommt ins Gespräch.“, freut sich ein Teilnehmer.

Bierpong übt eine große Faszination aus. Vielleicht liegt es daran, dass dieses Kultspiel ein einfaches Spielprinzip, einen hohen Spaßfaktor und die sportliche Herausforderung perfekt miteinander vereint.

Über Jennifer Willert

Geboren 1978 in Aschaffenburg, hat Jennifer Willert heute ihre Heimat auf der Insel Amrum gefunden. Als Physiotherapeutin steht sie mit beiden Beinen im Leben, während ihr Kopf am liebsten in fantastischen Welten wandert. Was als Tagebuchnotizen und Waldgeschichten für ihre Tochter begann, mündete in bisher vier veröffentlichten Büchern und der früheren Mitarbeit bei den Nordbayerischen Nachrichten. Jennifer liebt das Magische im Alltäglichen und schreibt mit viel Herz und Humor darüber, wie man bewusst durchs Leben geht – immer mit dem Ziel, die Welt ein kleines Stückchen heller zu machen.

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3 comments

  1. Reiner Binsen

    “Das wäre genau das Richtige für die jungen Leute auf der Insel!”
    So wird der Alkoholismus von Generation zu Generation weiter gegeben.
    “Wer kein Bier mag, kann stattdessen auch ein anderes Getränk wie zum Beispiel Cider oder Prosecco wählen.”
    Wenn es um das lustige Spiel gänge, dann würde man für alle Wasser vorschreiben.
    Aber es geht bei Alkohol wie immer darum, sich einen Pseudo Grund zu beschaffen, um sich zu betrinken. Man sieht es am Ende am Endergebnis.
    Reiner Binsen

  2. Matti Lorenzen

    Hallo Reiner,
    vielen Dank für deine Rückmeldung!

    Die Teilnahme am Bierpongturnier ist, wie so vieles im Leben, freiwillig.

    Und falls du ein Bierpongturnier mit Wasser für eine gute Idee hältst: Bei der Umsetzung helfen wir dir gerne! Komm einfach auf uns zu.

    Beste Grüße,
    Matti von Kniep

  3. Nur eines: WAS bleibt übrig wenn man von “Bierpong” das “Bier” abzieht?

    Richtig: Ein sehr sehr altes Spielautomaten-Spiel (=Pong). 😉

    Spaß konnte man damit (damals) schon haben. Aber es war; wie so vieles in einer “Spielhalle”; eben auch nicht kostenlos. Ob man nun mit Geld bezahlt, mit einem Kater oder mit Starkem Harndrang mag jeder selbst bewerten. Und ob es die angesprochene “Geselligkeit” wert ist.

    Mich erinnert es eher an frühere Negative Erfahrungen mit Sozialem Druck, i.s.v. “Ach komm, Trink einen mit” oder “auf einem Bein kann man nicht stehen”. Und wäre ich unter 100 Bier trinkenden der eine der nur Wasser trinkt dann… bliebe ich so einem Event doch lieber fern. Und spielte lieber NurPong(Digital), woanders. 🙂 Sorry, Just my 2Ct. KM

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