Von Wacken bis Amrum – manche Ortsschilder scheinen magisch Anziehungskraft auf Diebe auszuüben. Kuriose Namen, zweisprachige Beschriftungen oder Kultstatus machen Verkehrsschilder zu begehrten Trophäen. Doch hinter dem kuriosen Phänomen steckt ein Problem mit teuren und gefährlichen Folgen.
Anfang Juni verschwand auf Amrum das Ortsschild der Gemeinde Nebel. Unbekannte montierten das Schild am Noorderstrunwai ab und nahmen es mit. Was auf den ersten Blick wie ein harmloser Streich wirken mag, ist in Wirklichkeit eine Straftat – mit Folgen für Kosten, Verkehrssicherheit und im schlimmsten Fall auch für Menschenleben.
„Die Kosten für ein neues Schild inklusive Montage belaufen sich auf etwa 400 Euro“, sagt Bürgermeister Cornelius Bendixen. Da das Ortsschild an der Landesstraße L 115 steht, muss allerdings nicht die Gemeinde Nebel selbst für den Schaden aufkommen, sondern der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH). Geld, das an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt werden könnte.
Ein Ersatzschild ist bereits bestellt. Bis zur Montage bleibt ein provisorisch aufgestelltes 50-km/h-Schild am Ortseingang von Norddorf kommend stehen.
Ortsschild von Nebel spurlos verschwunden
Warum ausgerechnet das Nebeler Ortsschild? Dafür gibt es eine naheliegende Erklärung. Auf Amrum tragen die Ortsschilder nicht nur den deutschen Namen, sondern auch die friesische Bezeichnung in Öömrang. Auf dem Schild von Nebel steht zusätzlich „Neebel“. Genau diese zweisprachige Beschriftung macht die Schilder für Sammler und Souvenirjäger besonders attraktiv.
Solche Ortsschilder sind in Nordfriesland keine Seltenheit. Doch gerade ihre Besonderheit macht sie begehrtes Diebesgut. Bundesweit verschwinden immer wieder Schilder mit auffälligen oder bekannten Ortsnamen. Ein prominentes Beispiel ist die Gemeinde Wacken, deren Ortsschild wegen des weltbekannten Heavy-Metal-Festivals so häufig gestohlen wurde, dass die Gemeinde inzwischen offizielle Souvenir-Schilder verkauft.
Auf Amrum gibt es diese Möglichkeit nicht. Wer ein Schild mitnimmt, nimmt es illegal mit.
Wer für Ersatz und Kosten aufkommt
Selbst fest vernietete oder verschweißte Ortsschilder sind vor Dieben nicht sicher. Der Ersatz verursacht Aufwand und Kosten. Zuständig für Aufstellung und Wartung ist je nach Straßentyp die Kommune, der Kreis oder – wie im Fall Nebel – das Bundesland.
Ortsschilder erfüllen dabei weit mehr als einen dekorativen Zweck. Sie markieren den Beginn einer geschlossenen Ortschaft und lösen automatisch die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h aus. Fehlt ein solches Schild, kann dies zu gefährlichen Situationen führen.
Was manche als lustigen Streich abtun, kann daher ernste Konsequenzen haben. Wer ein Ortsschild abmontiert, begeht in der Regel Diebstahl gemäß § 242 Strafgesetzbuch. Werden bei der Demontage Halterungen beschädigt, kann zusätzlich Sachbeschädigung vorliegen.
Noch gravierender wird es, wenn durch das fehlende Schild die Verkehrssicherheit beeinträchtigt wird. Dann kann sogar ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr vorliegen.
Warum ein fehlendes Schild gefährlich werden kann
Die möglichen Strafen sind erheblich: Je nach Tatbestand drohen Geldstrafen oder Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren. Besonders problematisch wird es, wenn das fehlende Schild zu einem Unfall beiträgt. In diesem Fall könnten die Täter zusätzlich für entstandene Schäden oder Verletzungen verantwortlich gemacht werden.
Der Diebstahl des Nebeler Ortsschildes zeigt deshalb deutlich: Hinter einem scheinbar kuriosen Souvenir steckt mehr als nur ein verschwundener Metallrahmen. Es geht um öffentliche Sicherheit, unnötige Kosten und die Frage, wo Spaß aufhört und Verantwortung beginnt.
Die Polizei nimmt sachdienliche Hinweise, die zur Überführung des oder der Täter führen an.
AmrumNews Online-Zeitung der Insel Amrum


Was ist bloß mit dieser Welt los?
Vielleicht sollte Nebel es Wacken gleich tun und auch Souvenir-Schilder anbieten. Es gibt doch sicher eh schon genug Merchandising-Produkte mit Thema Amrum, z.b. die Form der Insel als Autoaufkleber, Leuchttürme u.s.w. Das Ortsschild hat einfach das Pech das es leichter zu klauen ist als der echte Leuchtturm. 🙂 Hätte man jetzt noch ein paar Tonnen der Steine vom Wittdüner Strand sähe das anders aus. Wie viele Souvenir-Schilder müsste man wohl verkaufen um 400€ wieder rein zu bekommen?
Und dann gibt es ja noch das gleichnamige Wetterphänomen “Nebel” das vielleicht auch einen “Haben-wollen” Reiz auslösen könnte. Da sind “Nord-dorf”, “Süd-dorf” oder “Wittdün” dagegen fein raus, denn für den Namens-affinen Dieb dürften diese Benennungen wohl viel zu gewöhnlich sein – vermute ich. Der geneigte Dieb möge sich einen Duden Deutsch-Öömrang kaufen/klauen. Der ist auch leichter zu verstauen. Und faltbar. 😉 K,M.