Blaufeuer in Nebel erfindet sich neu …

Im Blaufeuer hat sich einiges verändert. Neue Gerichte, mehr Plätze und längere Öffnungszeiten sollen noch mehr Gäste anziehen. Wie aus einem Concept Store ein ganz besonderer Treffpunkt wurde…

Salate mit hausgemachtem Dressing, ofenfrisches Ciabatta und Pasta Blaufeuer mit Trüffel und Parmesan.

Es duftet nach frischem Trüffel. Nach gebratenem Knoblauch, angeschwitzten Tomaten und Scampi. In der Küche dampft es. Warmes Abendlicht fällt durch die großen Fenster auf antike Holzmöbel, bunt gemusterte Kissen und salbeifarbene Wände. An einem großen runden Tisch sitzt ein Paar und spielt Schach. Aus den Lautsprechern klingt leise Folk- und Rockmusik der 70er und 80er Jahre. Van Morrison, Simple Minds. Das Blaufeuer in Nebel ist der Inbegriff von stilsicherer Gemütlichkeit. Und das Beste: Seit dieser Saison bietet es mehr Sitzplätze, längere Öffnungszeiten und eine größere Speisekarte. Mehr Möglichkeiten also, diesem schönen Lokal einen Besuch abzustatten.

Spaghetti mit Garnelen und Rucola: “Die Pasta bekommen wir frisch vom Italiener aus Hamburg.”

Vom Concept Store zum Restaurant

Seit gut 10 Jahren betreibt Sybille Hasenclever nun schon den Laden in der ehemaligen Inselapotheke. Was als Concept Store mit Kleidung, Spirituosen, Longboards, Taschen, Büchern und alten Schallplatten begann, wurde bald um Snacks erweitert und konzentrierte sich schließlich auf die Kombination aus ausgewählter Bekleidung und kleinen Speisen. Jetzt war die Zeit reif für eine erneute Veränderung.

„Ich habe schon immer gerne gekocht“, erzählt Sybille. „Auch wenn es meist nur einfache Gerichte waren“, lacht sie. Doch gerade die schlichten Rezepte, bei denen es umso mehr auf die Qualität der Zutaten und die Frische ankommt, sind oft die anspruchsvollsten.

Besuch vom Künstler: Zufällig genießt Georg “Schorsch” Dittmar sein Feierabendbier unter den eigenen Werken – die auch alle im Blaufeuer käuflich zu erwerben sind.

Eine Entscheidung an Silvester

“Vorletztes Silvester hatten wir so einen tollen Abend hier im Blaufeuer”, erzählt Sybille. “Ich habe ein komplettes Menü gekocht, hatte viel Zeit dazu, die Gäste waren total entspannt. Das war so gemütlich!” Und da fragte sie sich dann, was sie eigentlich wirklich die nächsten zehn Jahre machen möchte: “Und mir wurde klar – Kochen macht mir einfach mehr Spaß als Klamotten zu verkaufen.”

Also baute sie um. Die Bekleidungsabteilung wurde auf die Größe eines “begehbaren Kleiderschranks” (wie einige Gäste es begeistert nennen) reduziert und der Gastraum entsprechend vergrößert. Insgesamt acht große Tische hat das Blaufeuer nun, auf der Terrasse kann man gemütlich im Strandkorb sitzen. “Das ist natürlich nur dank meines tollen Teams zu stemmen”, lobt Sybille. Aktuell arbeiten neben ihr und Koch Frank Brennan vier weitere Insulanerinnen im Service. “Alle mit ihren eigenen Stärken und Ideen. Das ist total super und bereichernd!” Und Frank, da sind sich alle einig, ist der Meister der Organisation. Als gelernter Gastronom weiß er ganz genau, wo das Messer hängt – und wie man alle anderen Kochutensilien am sinnvollsten sortiert, sodass jeder Handgriff in der Küche stimmt.

Sybille Hasenclever (vorne, zweite von rechts) mit ihrem Team.

Lieblingsrezepte auf der Karte

Die Speisekarte wurde um einige ausgewählte Gerichte erweitert, die zu großen Teilen vegetarisch sind. Neben Bruschetta, Suppen und Salaten mit selbstgemachtem Dressing, gibt es nun auch Bio-Lachs aus dem Ofen, Trüffelpasta und Spaghetti mit Garnelen und Rucola. “Im Grunde sind das alles meine Lieblingsrezepte”, sagt Sybille. “Den Lachs gab es bei uns immer zu Weihnachten. Und am Shakshuka haben eine Freundin aus Krakau und ich ewig gemeinsam getüftelt, bis wir das perfekte Rezept gefunden haben.” Aktuell ist Sybilles ungeschlagener Favorit allerdings die “Pasta Blaufeuer”. Jene mit Trüffel und Parmesan, die so verführerisch duftet. Und dazu ein Glas Chianti Borgo Scopeto. “Den gibt’s sonst nirgends auf der Insel”, sagt Sybille und ergänzt: “Alles, was wir anbieten, ist ganz bewusst ausgewählt. Wir haben beispielsweise lange gesucht, bis wir den perfekten Lieferanten für unsere frischen Nudeln gefunden haben, einen Italiener aus Hamburg.” Zukünftig erwartet die Gäste wöchentlich ein neues wechselndes Gericht. Mal Wokgemüse, mal vegetarisches Erdäpfelgulasch, denn: Sybille ist gebürtige Österreicherin, was vielleicht noch an der einen oder anderen Stelle ihre Küche beeinflussen wird.

Süße Kindheitserinnerungen: Grießbrei und Rote Grütze.

Einrichtung mit Geschichte(n)

So bunt und erlesen die Speisekarte ist, so ist es die Einrichtung des Blaufeuer selbst. Ein liebevolles Sammelsurium ausgewählter Erinnerungsstücke. Ein Vintage-Eklektizismus, der Mid-Century mit Flohmarktfunden und Gründerzeitstücken kombiniert. “Ich kaufe überhaupt nicht gerne neu”, sagt Sybille. Stattdessen schaut sie, wie sie alte Möbel neu arrangieren oder aufarbeiten kann – und wartet einfach, bis die Dinge zu ihr kommen. “Beispielsweise ist der Tisch hier eigentlich ein Bootsrumpf und die Tischplatte dort eine alte Kellertür. Und da hinten der Tisch stammt noch aus der alten Apotheke.” Im Herbst soll, so hofft Sybille, noch die alte Küchensitzecke aus dem elterlichen Bauernhaus in Österreich hinzukommen. Zu jedem Stück gibt es eine Geschichte, eine Erinnerung.

Sybille Hasenclever in ihrem Element: “Ich habe schon immer gerne gekocht.”

Längere Öffnungszeiten, mehr Angebot

Wer sich vom neuen Konzept und den Gerichten überzeugen möchte, hat jetzt häufiger und länger Gelegenheit dazu. Denn mit seinen neuen Öffnungszeiten schließt das Blaufeuer auch eine Lücke im örtlichen Angebot an Mittagssnacks und Barbetrieb. Geöffnet ist das Lokal von Montag bis Freitag von 11:30 bis 21:30 Uhr (Küche bis 21 Uhr) – und lädt damit zu wärmenden Suppen am Mittag, süßen Kindheitserinnerungen wie Grießbrei und Crumble am Nachmittag, herzhaften Lieblingsgerichten und ausgewählten Gin&Tonics am Abend ein.

Für Sybille Hasenclever fühlt sich der Umbau jedenfalls wie die richtige Entscheidung an. Vor zehn Jahren eröffnete sie einen Laden für schöne Dinge. Heute stehen frische Zutaten, gute Gespräche und gemeinsames Essen im Mittelpunkt. Und wenn aus der Küche wieder der Duft von Trüffel, Knoblauch oder frisch gebackenem Crumble zieht, scheint klar: Genau hier möchte sie die nächsten zehn Jahre verbringen.

Die aktuelle Speisekarte, Öffnungszeiten sowie Informationen zur Reservierung finden Sie unter www.blaufeuer-amrum.de.

 

Über Nina Löschner

Nina Löschner kam 1989 kurz vor dem Mauerfall in Ost-Berlin zur Welt. Aufgewachsen auf dem Brandenburger Land zog es sie nach der Schule zurück in die Hauptstadt. In Berlin studierte sie Kunstgeschichte und Englisch, arbeite anschließend im Projektmanagement eines Auktionshauses und schließlich sieben Jahre lang als Redakteurin für Funk und Fernsehen. 2022 nahm sie sich eine berufliche Auszeit und absolvierte einen Freiwilligendienst im Naturschutz auf Amrum. Doch die Insel ließ sie nicht mehr los - und so brach sie alle Zelte in der Hauptstadt ab. Heute arbeitet Nina als Leiterin der Schutzstation Wattenmeer in Wittdün.

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