Von Algenforschung bis Häkelriff: Der Tag der Ozeane lockte viele Besucher*innen auf die Insel. Zahlreiche Akteur*innen machten deutlich, warum Meeresschutz alle angeht. Welche Höhepunkte besonders in Erinnerung bleiben, lesen Sie hier.

Auftakt mit prominenter Unterstützung
Rund drei Viertel der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt. Von Ozeanen, Seen, Flüssen oder Eis. Unsere Meere nehmen etwa ein Viertel des weltweiten CO2-Ausstoßes auf – und bieten mehr als zwei Millionen Arten einen Lebensraum. Grund genug, diesem wertvollen und fragilen Biotop einen Tag zu widmen. Während die Vereinten Nationen seit 2009 den 8. Juni traditionell als Welttag der Ozeane zelebrieren, hatte Amrum in diesem Jahr den 10. Juli zum “Tag der Ozeane auf Amrum” auserkoren – und was für einen! Insgesamt anderthalb Tage lang gab es ein spektakuläres Programm an verschiedenen Standorten auf der Insel, zu dem viele hundert Besucher*innen kamen. Wer’s verpasst hat, sollte sich hiermit inspirieren lassen, im kommenden Jahr dabei zu sein.
Bereits zum zweiten Mal hatte die “Rüm Hart Stiftung”, eine kleine Hamburger Familienstiftung um Dirk und Andrea Janssen, den Aktionstag auf der Insel initiiert. Die Schirmherrschaft für den Tag der Ozeane auf Amrum hatte Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt übernommen und damit die Bedeutung des Aktionstages für den Meeresschutz unterstrichen.
Gemeinsam mit vielen lokalen Akteuren und dank der großzügigen finanziellen Unterstützung des Rotary Clubs Amrum wurde ein umfangreiches Programm auf die Beine gestellt, das vor allem Menschen für die Natur begeistern soll. Ein Ziel, auf das teilweise monatelang hingearbeitet wurde.
Wale, Korallen und viele staunende Gesichter
Ein Highlight fand bereits am Vortag des eigentlichen Aktionstages statt. In der NatourDüne wurde live eine Folge des bekannten Podcasts „Helden der Meere“ aufgezeichnet. Moderator Christian Weigand begrüßte dazu die Meeresbiologin und Walforscherin Caroline Höschle, die von ihrer Arbeit für den Meeresschutz und ihrer Begeisterung für die Ozeane berichtete. Besonders fesselnd waren ihre Schilderungen der Begegnungen mit den größten Meeressäugern der Erde – etwa, als sich mitten im offenen Ozean ein Blauwalweibchen, groß wie ein Schulbus, unbemerkt näherte. Rund zwanzig Minuten lang umkreiste das Tier die nur mit einem Schnorchel ausgestattete Forscherin und musterte sie neugierig von allen Seiten. „Ich hatte alle Gefühle, die man nur haben kann“, erinnerte sich Caroline Höschle. Wer die Live-Aufzeichnung verpasst hat, kann die Folge im Podcast „Helden der Meere“ nachhören.
Am Aktionstag selbst war dann die Enthüllung des farbenfrohen Häkelriffs wohl eines der Highlights, auf das viele Besucher*innen schon sehnsüchtig gewartet hatten. Über hundert freiwillige Helfer*innen hatten seit dem letzten Jahr in liebevoller Handarbeit tausende kleine und große Korallen gehäkelt, um einen Teil zu diesem großen Gemeinschaftskunstwerk beizutragen. Und so strömten am vergangenen Freitag Punkt 11 Uhr zahlreiche Gäste in die NatourDüne in Wittdün, um das fertige Werk zu bestaunen, das Andrea Janssen und die gelernte Floristin Silvia Lohmann in mehrwöchiger Handarbeit zusammengesetzt hatten. Die Begeisterung und das Lob für das entstandene Riff waren riesig. “Niemals hätten wir mit so viel Resonanz und vor allem Unterstützung aus ganz Deutschland gerechnet”, sagt Andrea Janssen voller Dankbarkeit. Wer beim Aktionstag nicht dabei sein konnte, hat noch bis Ende Oktober die Möglichkeit, das Korallenriff gegen Spende in der NatourDüne zu besuchen. Betreut wird die Ausstellung von der Schutzstation Wattenmeer, geöffnet ist parallel zur Nationalparkausstellung (Di-So 11-17 Uhr).
Meeresschutz zum Anfassen
Ebenfalls organisiert von der Schutzstation, betreuten drei Meeresbiolog*innen der Firma oceanBASIS aus Kiel in der NatourDüne einen Infostand zu Makroalgen. Dr. Inez Linke, Dr. Peter Krost und Christian Koch waren mit allerhand Gepäck angereist und boten den ganzen Tag Kosmetikprodukte und Algen-Snacks zum Verkosten und Kaufen an. Ziel ihrer Forschung und Arbeit ist es, auf das Potential der natürlichen Algenwirkstoffe aufmerksam zu machen und daraus nachhaltige Produkte zu entwickeln, ohne das empfindliche Ökosystem zu belasten. Von dieser Arbeit und darüber, was Makroalgen eigentlich sind, berichteten die Meeresbiolog*innen in zwei je 30-minütigen Vorträgen, zu denen ebenfalls viele Interessierte kamen.
Pünktlich zum kleinen Konzert am Nachmittag von Jochen Solo, alias Jochen Klüßendorf, kam dann auch die Sonne raus. Mit Kaffee und Kuchen, den die Freiwilligen der Schutzstation fleißig gebacken hatten, machten es sich die Besucher im Garten der NatourDüne bequem und lauschten Jochens klarem Gesang und den Klängen von Gitarre und Mundharmonika. Seine Texte erzählen von Menschen und Tieren, aber auch immer wieder vom Meer.
Mit der Windsbraut auf Mikroplastik-Suche
Während viele Besucher*innen den Nachmittag bei Musik und Kaffee in der NatourDüne verbrachten, wartete auf andere Teilnehmer*innen ein ganz besonderes Erlebnis.
Für eine Schulklasse aus Stuttgart, die ihre Klassenfahrt auf Amrum verbrachte, sowie einige Mitglieder der Amrumer Jugendfeuerwehr ging es bereits am Vormittag hinaus aufs Meer. Gemeinsam mit Caroline Höschle und der Crew des Traditionsseglers Windsbraut stachen sie in See, um Mikroplastik in der Nordsee zu untersuchen. Mit einem sogenannten Manta-Trawl – einem speziellen Schleppnetz, das Höschles Forschungsteam selbst entwickelt hat und inzwischen auch vermarktet – sammelten die Jugendlichen eine halbe Stunde lang Kunststoffpartikel aus dem Meer. Anschließend wurde der Fang gemeinsam ausgewertet. Das Ergebnis machte deutlich, wie stark der Mensch die Meere bereits belastet – und zugleich, wie viel sich durch die Vermeidung von Plastikmüll verhindern ließe. Mit an Bord war auch ein Team des NDR.
Forschung, Entdeckungen und ein bewegender Abschluss
Während in Wittdün das Meer abstrakt besungen, beschrieben oder künstlerisch interpretiert wurde, hat das Naturzentrum des Öömrang Ferian in Norddorf die Nordsee ganz aktiv in ihr Programm integriert. Ein besonderes Highlight war dort die ganztägige Forscherstation am Strand. Ausgestattet mit Keschern haben zahlreiche Kinder mit Begeisterung im Wasser winziges Getier und Algen gefangen und anschließend unter Binokularen betrachtet. Strandfunde wie Muscheln und Schnecken, die die Kinder im Spülsaum gefunden hatten, konnten mithilfe einer großen Bestimmungsmatte, auf der zahlreiche Meeresorganismen abgebildet sind, identifiziert werden. Themenführungen durch die Aquarien und die Pottwalausstellung lockten ebenfalls viele Gäste in das Naturzentrum.
Für die kleinsten Besucher*innen gab es sowohl in Wittdün als auch in Norddorf meeresbezogene Bastelangebote, die vom Kinderprogramm der Amrum Touristik veranstaltet wurden. So wurden auch die jüngsten Knirpse bereits spielerisch für die Wichtigkeit der Meere sensibilisiert.
Den krönenden Abschluss des Aktionstages bildete am Abend im Norddorfer Gemeindehaus ein hochkarätiger Vortrag des GEO-Reporters, Filmemachers und Buchautors Lars Abromeit. Unter dem Titel „Wasserwelten – auf Expedition für den Schutz der Meere“ nahm er sein Publikum mit auf eine Reise in die Tiefsee, die Arktis und zu bedrohten Korallenriffen rund um den Globus. Eindrucksvolle Fotografien und persönliche Expeditionserlebnisse, die Abromeit fesselnd und mit einer Prise Humor schilderte, zogen das bis auf den letzten Platz belegte Gemeindehaus in seinen Bann. Nach einem Tauchgang in einem kleinen U-Boot in tausend Meter Tiefe vor Madeira empfand Abromeit große Dankbarkeit und ihm wurde klar: “Wir Menschen sind nur Randfiguren in einer ozeanischen Welt.” Doch leider sind wir Randfiguren mit zu viel Macht, diesen Lebensraum vollends zu zerstören. “Wenn wir so weitermachen, werden bis Ende dieses Jahrhunderts alle Korallenriffe abgestorben sein”, mahnte der Reporter. Eine Warnung, die ernst zu nehmen ist – und die im kommenden Jahr beim dritten Tag der Ozeane auf Amrum erneut mit vielen bunten Aktionen ins Gedächtnis gerufen wird.
AmrumNews Online-Zeitung der Insel Amrum















