Ein Engel, ein großer Schritt und ganz viel Gemeinschaft

Für elf Kinder beginnt auf Amrum ein neuer Lebensabschnitt. Beim Einschulungsgottesdienst gab es nicht nur den Segen für den Start ins Schulleben, sondern auch einen ganz besonderen Begleiter für den Schulweg. Und was die Erstklässler anschließend an ihrer neuen Schule erwartete, war mindestens genauso aufregend.

Die Erstklässler 2026

Ein Engel als Begleiter

Mit großen, bunten Schultüten im Arm und schmucken Schulranzen auf dem Rücken ging es für die elf Kinder in die St.-Clemens-Kirche zum Einschulungsgottesdienst. Begleitet von ihren Familien und Freunden, begrüßte Pastorin Martje Brandt die aufgeregten Mädchen und Jungen gemeinsam mit ihrer Klassenlehrerin Maike Tadsen.

„Halte zu mir, guter Gott, heut den ganzen Tag. Halt die Hände über mich, was auch kommen mag!“ Mit diesem gemeinsamen Lied stimmten sich alle auf den besonderen Tag ein.

Pastorin Martje Brandt hatte außerdem ein ganz besonderes Geschenk für die Erstklässler dabei: einen kleinen Engel – oder, wie ein Kind ihn liebevoll nannte, eine „Gottesfee“. Er soll als Bote Gottes die Kinder auf ihrem neuen Weg begleiten.

Alle Mädchen und Jungen bekamen einen solchen Engel als Zeichen des Schutzes. Befestigen können sie ihn am Schulranzen, an der Jacke oder am Fahrrad. Und auch praktisch ist der kleine Begleiter: Im Dunkeln reflektiert er und sorgt so für ein zusätzliches Stück Sicherheit auf dem Schulweg.

Mit der „Paula“ zur Schule

Nach dem Segen waren die Kleinen kaum noch zu halten. Draußen wartete bereits der Doppeldeckerbus „Paula“, der sie zur Öömrang Skuul bringen sollte. Doch bevor es losging, durften sie noch durch das bunte Spalier des Inselkindergartens laufen.

An der Schule angekommen, wurden die „Neuzugänge“ herzlich von der gesamten Schulgemeinschaft empfangen.

Herzlich willkommen an der Öömrang Skuul

In der Aula trudelten nach und nach alle ein. Schulleiter Jörn Tadsen begrüßte seine Erstklässler und kontrollierte anhand der Anwesenheitsliste, ob auch wirklich alle da waren. Stolz reckten die Kinder bei einem kräftigen „Hier!“ die Hand in die Luft, einige nickten auch einfach nur kurz.

„Jetzt geht es für euch los. Achtet aufeinander, helft euch, wenn euer Nachbar mal nicht weiterweiß oder ihr vielleicht selbst Hilfe vom Nachbarn braucht. Ihr seid eine richtig starke Klasse, denn gemeinsam ist man stark“, gab Jörn Tadsen den Kindern mit auf den Weg.

Während die Aufregung der Erstklässler langsam etwas nachließ, stieg die Anspannung bei der diesjährigen vierten Klasse. Denn die Viertklässler hatten ein kleines Willkommens-Theaterstück vorbereitet – unter der Regie von Miriam Traulsen.

Die Viertklässler übernehmen Verantwortung

Mit einem kräftigen Applaus im Rücken nahmen die Mädchen und Jungen anschließend als Paten ihre Erstklässler an die Hand. In der nächsten Zeit werden sie jeweils Ansprechpartner für die Kinder der ersten Klasse sein – wenn Fragen auftauchen, Hilfe benötigt wird oder einfach jemand auf dem Schulhof gebraucht wird, der sich schon ein bisschen besser auskennt.

„Uns ist die große Verantwortung bewusst. Traut euren Kindern aber auch etwas zu, sprecht ihnen Mut zu und unterstützt sie“, bestärkte der Schulleiter die Familien.

Während Frau Tadsen ihre erste Unterrichtsstunde mit den Kindern hielt, erklärte die stellvertretende Schulleiterin Britta Lindner den Eltern einige organisatorische Dinge und stellte die SDUI-Seite vor. Dort finden sich alle wichtigen schulischen Informationen, außerdem werden dort aktuelle Mitteilungen veröffentlicht.

Auch der 16. September sollte schon einmal im Kalender vermerkt werden: An diesem Tag findet die Eröffnung zum Abschluss des Umbaus statt.

Endlich die Schultüte plündern

Viel zu schnell war die erste Unterrichtsstunde für die Kinder auch schon vorbei. Die Freude auf die ersten Hausaufgaben war groß – noch größer war allerdings die Vorfreude darauf, endlich die Schultüten zu plündern.

Und morgen? Da beginnt dann der ganz normale Schulalltag.

Ein großer Schritt für elf kleine Menschen. Mit einem Engel im Gepäck, neuen Freunden an der Seite und einer ganzen Schulgemeinschaft, die sie willkommen heißt.

Viel Spaß dabei!

Über Kinka Tadsen

Kinka Tadsen erblickte 1972 in Hamburg das Licht der Welt. Aufgewachsen ist sie dann auf Amrum. Abitur hat sie auf Föhr gemacht und sich für eine Fotografenlehre in Bad Oldesloe entschieden. Fotografen- und Lebenserfahrung hat sie in der großen weiten Welt auf diversen Kreuzfahrtschiffen als Bordfotografin gesammelt. 2003 folgte dann die Rückkehr nach Amrum. Seit 2008 gehört sie als freie Journalistin zum Amrum-News Team.

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2 comments

  1. Einschulung ja – Glaubensentscheidung privat

    Der Bericht über die Einschulung der elf Kinder zeigt viel Schönes: Familien, Schule und ältere Schüler heißen die Erstklässler herzlich willkommen. Dennoch irritiert, dass der Start in die staatliche Schule so selbstverständlich mit einem Gottesdienst und christlichen Symbolen verbunden wird.

    Das Grundgesetz verbietet eine Staatskirche und schützt die positive wie die negative Religionsfreiheit. Eine öffentliche Schule muss deshalb allen Kindern gleichermaßen gehören – auch nicht getauften, andersgläubigen und religionsfernen Kindern.

    Ein freiwilliger Einschulungsgottesdienst ist völlig in Ordnung, wenn er klar als kirchliches Angebot neben der schulischen Feier steht. Problematisch wird es, wenn Schule, Lehrkräfte und kirchliche Zeremonie zu einem offiziellen Ablauf verschmelzen. Dann entsteht leicht der Eindruck, die Teilnahme gehöre dazu.

    Gerade auf einer kleinen Insel und in einer Klasse mit nur elf Kindern ist der gesellschaftliche Druck groß. Wer nicht mit zum Gottesdienst geht oder keinen Engel erhält, fällt sichtbar aus der Gruppe heraus. Erwachsene mögen darin eine freie private Entscheidung sehen; Kinder erleben schnell: „Alle machen mit – nur ich nicht.“ Niemand sollte sich am ersten Schultag vor Mitschülern für seine religiöse oder nichtreligiöse Haltung erklären müssen.

    Die Schule kann Gemeinschaft, Rücksicht und gegenseitige Hilfe ohne religiöse Zuordnung vermitteln. Der Gottesdienst darf ein zusätzliches, freiwilliges Angebot bleiben. Der erste Schultag in der staatlichen Schule sollte aber weltanschaulich offen sein und jedes Kind gleichermaßen willkommen heißen.

    Reiner Binsen

  2. Hans-Peter Traulsen

    Mit Interesse habe ich die kritischen Gedanken zur Gestaltung der Einschulung gelesen. Ich teile die Sorge, dass sich kein Kind aufgrund seines Glaubens oder seiner Weltanschauung ausgeschlossen fühlen darf. Gerade aus christlicher Sicht ist jedes Kind willkommen – unabhängig davon, ob es getauft ist, einer anderen Religion angehört oder ohne religiöse Bindung aufwächst.

    Der Einschulungsgottesdienst war deshalb keine Glaubensentscheidung und keine Voraussetzung für die Zugehörigkeit zur Schulgemeinschaft, sondern ein freiwilliges Angebot. Die Teilnahme war sicherlich freigestellt und wurde im Vorfeld mit den Eltern besprochen. Familien konnten den Beginn dieses neuen Lebensabschnitts unter Gottes Segen stellen, ohne dass daraus eine Verpflichtung für andere entstand.

    Zur Religionsfreiheit gehört beides: die Freiheit, an einem religiösen Angebot nicht teilzunehmen, ebenso wie die Freiheit, den eigenen Glauben sichtbar zu leben. Auch das Grundgesetz verweist in seiner Präambel auf die „Verantwortung vor Gott und den Menschen“ und erkennt damit die religiöse Prägung unserer Gesellschaft an. Zugleich schützt es die Glaubens- und Gewissensfreiheit jedes Einzelnen.

    Aus kirchlicher Sicht soll ein Einschulungsgottesdienst niemandem etwas aufzwingen. Er möchte Kinder und Familien an einem wichtigen Übergang begleiten, ihnen Mut machen und ihnen Gottes Segen zusprechen. Der Segen ist keine Auszeichnung für diejenigen, die „dazugehören“, sondern ein Zuspruch: Du bist willkommen, du bist wertvoll und du darfst deinen eigenen Weg gehen.

    Den Hinweis, dass eine Nichtteilnahme in einer kleinen Gemeinschaft stärker auffallen kann, nehme ich ernst. Umso wichtiger ist ein respektvoller Umgang, in dem sowohl die Teilnahme als auch die Nichtteilnahme selbstverständlich akzeptiert werden.

    Christliche Tradition und weltanschauliche Offenheit müssen kein Widerspruch sein. Entscheidend sind Freiwilligkeit, gegenseitiger Respekt und die Gewissheit: Alle Kinder gehören gleichermaßen dazu.

    Hans-Peter Traulsen

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