Inselklinik Föhr-Amrum: Notaufnahme vor dem Aus …?

Die geplante Umstrukturierung der Inselklinik Föhr-Amrum sorgt auf Föhr für Proteste. Doch auch Amrum wäre von einer möglichen Einschränkung der Notfallversorgung betroffen. Was die Krankenhausreform für die medizinische Versorgung der beiden Inseln bedeuten könnte – und warum die Kritik wächst.

Krankenhausreform sorgt für Proteste auf Föhr

Wer in den letzten Tagen die Medien verfolgt hat, wird es bereits wissen: Die Struktur des Krankenhauses in Wyk auf Föhr soll grundlegend verändert werden. Insbesondere die geplante Schließung der Notaufnahme und der Wegfall einer stationären chirurgischen Versorgung haben auf Föhr eine Protestwelle ausgelöst.

Regionale Pressemitteilungen, aber auch überregionale Zeitungsberichte, Kommentare im Radio und Filmbeiträge im Fernsehen informierten in letzter Zeit nahezu täglich über die Problematik. Auch „Amrum News“ berichtete bereits am 7. Oktober über eine angelaufene Protestwelle in Form einer Pressemitteilung des Amtes Föhr-Amrum.

Was die bundesweite Krankenhausreform für die Inselklinik bedeutet

Hintergrund der anstehenden Umstrukturierung der Krankenhauslandschaft ist die bundesweite Krankenhausreform. Sie sieht vor, die Kliniklandschaft zu zentralisieren und Krankenhäuser stärker zu spezialisieren. Für die Inselklinik Föhr-Amrum, das „kleinste Akutkrankenhaus Deutschlands“, ist zum 1. Januar 2028 vorgesehen, sich von einem klassischen Grundversorger in eine sogenannte „sektorenübergreifende Versorgungseinrichtung“ (süV) umzuwandeln.

Das im Herbst 2024 beschlossene Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) geht auf den damaligen Gesundheitsminister Karl Lauterbach zurück, der bereits 2022 die Grundlagen für eine Krankenhausreform erarbeiten ließ.

Vonseiten der Bundes- wie auch der Landespolitik gibt es bereits klare Vorstellungen dazu, wie das Gesetz bei der Inselklinik umgesetzt werden soll. Zwar soll der Krankenhausstandort erhalten bleiben, wobei eine stationäre internistische Grundversorgung sowie die bestehende chirurgische Praxis fortgeführt werden sollen. Eine Versorgung rund um die Uhr ist jedoch nicht mehr vorgesehen.

Das bedeutet, dass an Werktagen tagsüber nur acht Stunden lang ein Arzt vor Ort präsent sein muss. Außerhalb dieser Arbeitszeiten, also nachts sowie an Wochenenden und Feiertagen, gibt es lediglich eine Rufbereitschaft für die stationären Patienten. Auch Laborleistungen und insbesondere Röntgenaufnahmen wären außerhalb der Kernarbeitszeiten nicht mehr möglich.

Dies würde eine dramatische Verschlechterung der medizinischen Grundversorgung auf den Inseln bedeuten, da gegebenenfalls selbst kleinere Verletzungen oder weniger schwerwiegende Erkrankungen eine Reise ans Festland zur Notfallversorgung erforderlich machen würden. Alternativ müssten Betroffene mit dem Rettungshubschrauber oder durch die Seenotretter transportiert werden.

Es ist überaus fraglich, wie eine geplante Reform der Notfallversorgung auf einer Nordseeinsel gelingen soll. Vorgesehen ist eine engere Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Ärzten, der Kassenärztlichen Vereinigung, dem Rettungsdienst und dem Gesundheitsministerium.

Das Amt Föhr-Amrum hat seinen Unmut über die geplante Klinikreform bereits in einem offenen Brief an Schleswig-Holsteins Gesundheitsministerin Kerstin von der Decken zum Ausdruck gebracht. Eine Abordnung aus Politikern und ärztlichen Vertretern der Insel Föhr hat den Brief persönlich an die Ministerin überreicht.

Auch Amrum wäre von den Folgen betroffen

Auffallend ist, dass in den bisherigen Medienberichten ausschließlich die Problematik auf der Insel Föhr zum Thema gemacht wurde. Die Insel Amrum kommt dabei allenfalls bei der Erwähnung des „Inselkrankenhauses Föhr-Amrum“ vor.

Dabei muss festgehalten werden, dass eine mögliche Verschlechterung der notfallmedizinischen Grundversorgung, wie sie hier beschrieben wird, auch die Insel Amrum mit ihren rund 2.300 Einwohnern und ihren Gästen hart treffen würde. Im Jahr 2025 wurden etwa 1,27 Millionen Übernachtungen bei rund 139.000 Besuchern verzeichnet.

Nahezu täglich überweist das MVZ Amrum Patienten zum Röntgen, aber auch zur ambulanten und stationären Behandlung an die Internisten oder Chirurgen der Inselklinik. Der Wegfall der dortigen Notaufnahme würde auch für die Amrumer bedeuten, künftig den wesentlich weiteren Weg zu einer Klinik auf dem Festland zurücklegen zu müssen.

Jeden Patienten mit akuten Erkrankungen oder Verletzungen mit dem Rettungshubschrauber ausfliegen zu lassen, kann keine Lösung sein!

Petition zum Erhalt der Inselklinik

Es wurde eine Petition zum Erhalt der Inselklinik gestartet, die auch „Amrum News“ unterstützen möchte.

Wer sich dieser Aktion anschließen möchte, kann die Petition unter folgendem Link unterzeichnen:

https://www.change.org/p/erhaltung-der-notaufnahme-der-inselklinik-f%C3%B6hr-amrum?recruitedbyid=09566e10-c3a7-11f1-a33c-45b18b4b4116&utmsource=sharepetition&utmcampaign=psfpromoteorshare&utmterm=psfpromoteorshare&utmmedium=whatsapp&shareid=YyLxGmJ5f6

Über Peter Totzauer

Dr. med. Peter Totzauer, Facharzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Anästhesie, Notfallmedizin, Spezielle Schmerztherapie, geb. 1954 in Fürth/Bay., hat, bedingt durch den Beruf des Vaters, als Kind u.a. 4 ½ Jahre in Frankreich gelebt. Abitur 1974 in Köln, Studium der Humanmedizin an der Universität Bonn. War seit 1982 ärztlich tätig, davon viele Jahre als Oberarzt in der Anästhesie und als Leitender Notarzt in Euskirchen. War 2007 für ein halbes Jahr im Rahmen einer „Auszeit“ vom Klinikalltag bei seiner Lebensgefährtin und mittlerweile Ehefrau Claudia auf Amrum. Dies hat ihm so gut gefallen, dass er seit Ende 2008 seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ganz auf die Insel verlegt hat und hier seit 2010 mit in der „Praxis an der Mühle“ gearbeitet hat. In 2024 ist er endgültig in den ärztlichen Ruhestand getreten. Er hat zwei erwachsene Kinder, sein Sohn ist niedergelassener Physiotherapeut in Neuss, seine Tochter ist Lehrerin an der Öömrang Skuul.

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