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At ual WG…(kt)

Mit dem friesischen Theaterstück “At ual WG” ( Die Alten-Wohngemeinschaft) übertraf die Norddorfer Theatergruppe “Thno” wieder alle Erwartungen des Publikums.

WG-Gespräche...

Die Karten zu den drei Vorstellungen im Strand 33 waren schnell ausverkauft und die Warteliste wurde immer länger. Vor 19 Jahren begann Inge Rüth, durch einen Anstoß des damaligen Bürgermeisters  Karl-Heinrich Schult, mit viel Engagement eine friesische Theatergruppe auf die Beine zu stellen. Wachsende Erfahrung und in den letzten Jahren eine gefestigte Schauspieltruppe bestärkten “Theno” in ihrem Können und begeisterten schon in den Vorjahren das Publikum. Einleitend spielte auch in diesem Jahr die Amrumer Akkordeon Gruppe und viele Gäste genossen vorweg noch eine Leckerei der Speisekarte im Strand 33. Pünktlich um 20 Uhr gingen die Vorhänge auf und die Zuschauer bekamen einen Einblick in das Haus von Clara, gespielt von Inge Rüth, deren “Ual WG” von Gesa, Maren Gerrets, in Schuss gehalten wird. Alma, Hilke Friedrichs, die auf eine Filmkarriere hofft wohnt mit ihrem “Herzilein” Heinrich, Jens Winkler, ebenso in Claras Haus. Theo, gespielt von Dieter Bachmann, hat schon etliche Preise durch seine Kreuzworträtsel einheimsen können und Alfred, Reinhard Boyens, der mit seinem Geld erfolglos spekuliert, findet immer wieder eine Finanzspritze. Tesche, die zwar nicht nach Geld aussieht aber nach ihren drei Ehemännern auf ein dickes Konto schauen kann, wird von Barbara Motzke gespielt. Als einziger deutschsprachiger Schauspieler tritt Klaus Hanke auf, der Finanzbeamte Herr Meier vom Festland bringt auch das Frauenblut in der Ual WG zum Kochen.

Inselklatsch und -tratsch...

Die Bühnenkulisse und Kostüme sind auch in diesem Jahr wieder liebevoll und detailreich. Stimmungsvoll, chaotisch und mit viel Witz überzeugen die Amrumer in ihren Rollen, die wie auf den ihr Leib geschrieben worden sind.

Für einen kleinen Gastauftritt schaut auch Jan Rüth durch die Tür von Claras Haus, wobei er als Regisseur sonst hinter den Kulissen agiert. Mit seinem Einsatz und Engagement zieht er die Fäden und ist von Beginn an Kopf der Theatergruppe.

Annegret Bachmann und Barbara Motzke haben das Stück verfasst und sich wieder viel einfallen lassen. So kamen die Lachmuskeln voll auf ihre Kosten.

Neben dem normalen Inselklatsch und -tratsch bestimmt doch das leidige Thema Geld den Alltag in der WG. Ein Wasserrohrbruch und der strenge Finanzbeamte Herr Meier sorgen für reichlich Ängste bei Hausbesitzerin Clara, doch halten die Bewohner, die sich von Kindestagen an kennen, fest zusammen. Eine wieder gefundene Geldbörse und die Aussicht auf den neuen Mieter Herr Meier mildern die Geldnot, aber erst der Hauptgewinn von Theo im Preisausschreiben bringt die Rettung der Ual WG.

Mit Badehandtuch und überzogen von Seifenschaum...

Mit Witz und scharfzüngiger Komik überzeugen die Schauspieler. Der grandiose Auftritt von Tesche während der Rohrarbeiten, mit Badehandtuch und überzogen von Seifenschaum brachte die Zuschauer zum tobendem Applaus. Es waren viele kleine Spitzen in das Stück eingearbeitet und so kamen die Themen von Möweneiersammeln und immer pünktliche Postboten bis hin zu den Krankheitsbildern und der lästigen Nebenerscheinung “Schusseligkeit” nicht zu kurz.
Souffleuse Marianne Martinen las den umfangreichen Text über die zwei Stunden mit, brauchte aber nur kleine Anstöße geben. Die gekonnte Mimik und Gestik der Darsteller wurde durch die Kostüme noch unterstrichen und die friesische Textsicherheit rundete das Theaterstück bis zur letzten Minute ab.

Blumen und 100€ vom Bürgermeister...

Die herausragend kulturelle- und fernsehreife Leistung der Theatergruppe, belohnte Bürgermeister Kossmann mit einem Blumenstrauss und 100 €.  Die drei ausverkauften Vorstellungen brachten 1500 Euro ein, die an das Wyker Krankenhaus gehen wird. Bei einem gemütlichen Beisammensein von Zuschauern und Schauspielern wurden die Abende mit einem Klönschnack über die neusten Neuigkeiten und natürlich die überragende Arbeit der Darsteller gesprochen. Die Vorfreude auf das nächste Stück war zu hören, wenn es wieder heißt “Bühne frei für Thno”.
Verantwortlich für diesen Artikel: Kinka Tadsen
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Über Peter Lückel

Peter Lückel wurde 1961 in Duisburg geboren und ist in Mülheim an der Ruhr und Essen-Kettwig aufgewachsen. Seine Affinität zum Wasser hat ihn schon immer an das Meer gezogen. 1983 konnte er dem Sog nicht mehr widerstehen und ist sozusagen nach Amrum ausgewandert. Heute arbeitet er als freier Grafiker auf der Insel, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Im Jahr 2000 hat er Amrum-News mit gegründet und ist dort Chefredakteur.

7 Kommentare

  1. Das wäre doch auch etwas für die Saison.
    Da kämen sicher viele Urlauber und Spenden kämen sicher noch zusätzlich.

  2. Moin, Moin,
    da kann ich der Frau Schinkel nur zustimmen. Als Stammgast der Insel bin ich der Meinung,dass es bestimmt ein großes Ivent für die Saison sein würde. Allein von den Schauspieler über den Inselklatsch- und tratsch informiert zu werden, ist schon ein Besuch wert. Und der Spendenerlös würde für viele Projekte der Insel zugute kommen.

  3. barbara-strauss@t-online.de

    @frau schinkel u.@ herrn willmann,

    soviel ich weiß,werden die stücke in friesischer sprache aufgeführt.verstehen sie denn friesisch?

  4. Hallo Frau Strauss,
    ich fahre seit 1958 nach Amrum.
    Ich werde sicher etwas verstehen.
    Ein Rheinländer ist vielsprachig,wir mußten uns schon mit Römern und Franzosen verständigen.
    Aber nett das Sie sich Sorgen machen.

  5. Besteht unser Inselleben aus Klatsch und Tratsch? Nein, aber man will uns doch immer wieder so gerne herabsetzen oder verdummen.
    Norddorf hat eine tolle Theatergruppe. Der Hauptsinn ist, unsere Sprache zu erhalten. In einer humorvollen Art wollen sie das tägliche Inselleben darstellen.
    Wegen Erkrankung konnte ich leider nicht dabei sein, aber ich wünsche der Gruppe “Thno” weiterhin viel Erfolg. Die Norddorfer sind einfach super!

  6. Liebe Frau Hoefer,
    es will Sie sicher keiner herabsetzen oder für dumm verkaufen.
    Auch in anderen Regionen gibt es diese Theatergruppen,die dargestellten Figuren müssen keine Ähnlichkeit mit lebenden Personen haben.
    Auch Klatsch und Tratsch kommt überall ,und nicht nur auf den Inseln vor.

  7. Moin Frau Strauss,
    Danke für Ihre Fürsorge. Auch hier kann ich mich Frau Schinkel anschließen; nach fast 30 Jahren Amrumurlaube verstehe ich friesisch; nicht alles aber vieles. Deshalb wäre es mir eine Ehre, die Schauspieler in Ihrem ganzen Können live zu erleben. Und dazu gehört neben dem Erhalt der Sprache, auch der Klatsch.- und Tratsch. Und das hat nun überhaupt nichts mit herabsetzen oder verdummen zu tun.

Amrumer Fotowettbewerb 2015