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Hoch und trocken – Adler Express kommt im Wattenmeer bei Langeness fest…

Bei nahezu optimalen Wetterverhältnissen, es herrschte kaum Wind, rauschte das 42 Meter lange Highspeed Ausflugsschiff „Adler Express“ der Adler-Schiffe Reederei am Samstag Vormittag nach Hochwasser auf eine Sandbank, den sogenannten Schweinsrücken, nahe der Hallig Langeness. Das Schiff war auf dem Weg von Nordstrand über Hooge und Langeness nach Amrum und Sylt. Wie Reeder Sven Paulsen am Telefon erklärte, habe ein Navigationsfehler des erfahrenen Kapitäns zu dem Auflaufen geführt. Das Fahrwasser ist dort sehr schmal und flach und wird von trocken fallenden Sänden eingerahmt. „Ich bin bereits mit einem Boot auf dem Weg zur Havariestelle. Laut meinem Kenntnisstand gab es keine Verletzten unter den 239 Passagieren und sechs Besatzungsmitgliedern“, so Paulsen.

„Trotz der beachtlichen Fahrt, die das Schiff nach dem Ablegen auf Langeness bereits wieder erreicht hatte, war das Abbremsen durch das Auslaufen auf die Sandbank zwar enorm, aber nicht abrupt. Eher rutschend“, beschrieb ein Fahrgast aus Hamburg. Ein Hund wäre auf allen Vieren vorbei geschliddert und eine Dame hätte sich die Nase an ihrem Rucksack lädiert. Anderen räumte es den Tisch ab. „Den Kaffee hatten wir zum Glück schon ausgetrunken“, so ein weiterer Fahrgast.

Der Kapitän hat dann noch versucht durch verschiedene Manöver das Schiff wieder klar zu kriegen. „Es gab verschiedene erklärende Durchsagen und wir mussten dann zwischendurch alle zum Bug vorgehen. Doch das Schicksal war bei ablaufendem Wasser anscheinend besiegelt“, so der Hamburger, der mit seiner Frau auf dem Weg zu seinen Schwiegereltern auf Amrum war. Das Fahrgastschiff „Hauke Haien“, das versuchte Schlepphilfe zu leisten, kam ebenfalls fest. Und auch der von der Station Amrum herbeigeeilte Seenotrettungskreuzer „Ernst Meier-Hedde“ konnte nichts mehr ausrichten. Für den Neubau und somit jüngster Seenotrettungskreuzer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) war es der erste größere Einsatz. Gut 20 Minuten nach der Alarmierung traf der 24 Knoten (ca. 45 km/h) schnelle Neubau laut der Pressemitteilung der DGzRS am Unglücksort ein.

Wegen des weiter ablaufenden Wassers (Niedrigwasser auf Amrum um 16.13 Uhr) gelang es nicht mehr, die Menschen direkt von den Fahrgastschiffen zu übernehmen. „Als das Wasser ablief und das Schiff trocken fiel, habe der Kapitän die Möglichkeiten zur Evakuierung über die Sandbank ausgelotet und ging dabei von Bord, nicht ohne vorher zu versprechen wieder an Bord zu kommen“, erinnert sich eine Dame amüsiert. Sie lobte trotz der Umstände die professionelle Abwicklung und die vermittelte Ruhe durch die Mannschaft und den Getränkeservice auf der Sandbank. Neugierige Seehunde inklusive. „Über die Sände wurden wir geführt um mit Schlauchbooten, dem Ausflugsschiff „Rungholt“ und in unserem Fall mit dem Tochterboot „Lotte“ des Seenotrettungskreuzers zum Fahrgastschiff „Adler 4“ gebracht zu werden“.

„Mit den Gästen, wovon auch einige aus der Schweiz und Österreich kamen, mit denen wir uns unterhalten haben, haben diesen Zwischenfall als ein echtes Erlebnis zu ihrer normalen Überfahrt empfunden“, so eine entspannte Passagieren aus Norddeutschland. „Diejenigen, die einen Tagesausflug geplant hatten, wurden mit den Fähren der Wyker Dampfschiffs Reederei nach Dagebüll und Schlüttsiel transportiert, um dort per Bustransfer nach Nordstrand zurückgebracht zu werden“.

Die Seenotretter und die Reedereien hofften, dass die beiden Fahrgastschiffe mit auflaufendem Wasser aus eigener Kraft wieder freikommen würden. An Bord der beiden Havaristen befanden sich derzeit nur noch die Besatzungsmitglieder. Zur Sicherheit blieb der Seenotrettungskreuzer „Ernst Meier-Hedde“ unterdessen in der Nähe. Die „Hauke Haien“ konnte gegen 19.30 Uhr ihre Fahrt fortsetzen. Die „Adler Express“ musste noch bis 20.10 Uhr ausharren, bevor sie freikam (Hochwasser gegen 22 Uhr).

Wie Reeder Sven Paulsen am Abend erklärte, würde am Sonntag durch die Schiffe Adler V und Adler IV ein Ersatzfahrplan gefahren werden. http://www.adler-schiffe.de/nc/fahrplaene/sondermeldungen.html

Derweil wird in der Husumer Werft das Schiff auf mögliche Schäden am Rumpf untersucht werden. Die große Hoffnung ist verständlicherweise, dass das Auflaufen keine Schäden verursacht hat und nach einer Überprüfung durch den Germanischen Lloyd das Schiff wieder seinen Liniendienst aufnehmen kann.

Bilder:

Holger Weiss, Jürgen Petersen, DGzRS, Thomas Oelers

 

 

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Über Thomas Oelers

Thomas Oelers wurde 1966 in Wittdün auf Amrum geboren - ein echtes Inselkind. Nach seiner Schul- und Ausbildungszeit entschied er sich auf der Insel zu bleiben. Heute arbeitet der Vater von 2 Kindern in einem Wittdüner Betrieb als Zentralheizungs- und Lüftungsbaumeister. Seit 2003 recherchiert und fotografiert er als freier Journalist akribisch im Amrum-News Team.

2 Kommentare

  1. AmrumerBergfreunde

    Wie uns in Österreich aus verlässlicher Quelle (hoch am Berg) zugetragen wurde – Alles nur Seemansgarn!
    In Wahrheit besuchte Hollywood Amrum und verfilmt eine Geschichte von Käptn Blaubär und Hein Blöd.

    Liebe Grüße an die schönste Nordseeinsel!

  2. Das war ja offensichtlich für die Fahrgäste eine schöne Belustigung.
    Für die Retter sicher nicht !
    Hätte aber auch anders ausgehen können.
    So eine Situation ist nicht ungefährlich, bei voller Fahrt auf eine Sandbank zu laufen.

    Mir unverständlich, dem erfahrenen Kapitän unterlief ein Navigationsfehler. Das passiert den Kapitänen der Adler Schiffe wohl öfters. Ist ja nicht das erste Mal, das sich ein Adler Schiff im Watt festfährt.

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