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Wattwandern zwischen den Inseln bedarf kundiger Führung – Großalarm für die Rettungskräfte auf Amrum…

Sieben Wattwanderer, die offensichtlich ohne Wattführer von Föhr nach Amrum unterwegs waren, sorgten am Samstagvormittag für die Alarmierung der Rettungskräfte der Insel Amrum. Per Handy ging bei der Rettungsleitstelle Nord über die Notrufnummer die erste Alarmierung um 11.04 Uhr ein. Es seien 7 Personen im Wasser, die sich zum Teil an den Pricken im Priel vor Amrum festhalten würden, hieß es. „Die von dem Anrufer, der von einem in Tschechien registrierten Handy aus angerufen hat, gemeldete Einsatzstelle, läge vor dem Vogelschutzgebiet in Norddorf“, recherchierte Notarzt Dr. med. Peter Totzauer für unsere Zeitung bei der Leitstelle.

Per Traktor...

Per Traktor…

„Bei dem Meldenden handelte es sich um einen der Betroffenen“, erklärte Norddorfs Gemeindewehrführer Andreas Knauer als Einsatzleiter im Nachhinein.

Die unwegsame Zuwegung zur Einsatzstelle war für die Einsatzfahrzeuge nicht befahrbar, sodass das Rettungsdienstpersonal und weitere Einsatzkräfte der Feuerwehr per Traktor zur vermeintlichen Stelle gefahren werden sollten. „Mittlerweile konnten wir die Betroffenen mithilfe eines Amrumer Wattführers auf den richtigen Weg lotsen und so in Sicherheit bringen“, so Knauer. In Absprache mit der Leitstelle konnte der Einsatz dann abgebrochen werden.

Was nach dem glücklicherweise guten Ausgang des unbedarften Verhaltens der Laienwattwandergruppe deutlich gesagt werden muss: Die Wattwanderstrecke ist nur in Begleitung von ortskundigen Wattführern zu begehen. „Leider gibt es immer wieder Personen, die uns bei unseren Wattführungen beobachten und dann meinen, dass sie die Wanderung auch auf eigene Faust unternehmen könnten“, sorgt sich Wattführer Reinhard Boyens. Der 45-jährige Insulaner führt bereits seit 22 Jahren Personen durchs Watt zwischen Föhr und Amrum. Es gibt jeweils nur einen schmalen Durchgang durch die beiden tiefen Priele auf der rund 2 km langen Strecke. Der vor Amrum hat einen gewaltigen Strom und wer nicht die richtige Stelle trifft, da sind 100 Meter schon entscheident, verliert schnell den Boden unter den Füßen und wird mitgerissen. Der Priel vor Utersum flutet enorm schnell ein und unkundige Wanderer verzweifeln schier, wenn sie nicht die richtige Stelle zum Durchwaten finden. Letztendlich versuchten schon viele das letzte Stück schwimmend zu bewältigen“, weiß Reinhard Boyens. Bevor die Wattführer in der neuen Saison mit Gruppen ins Watt gehen, kontrollieren sie alljährlich die Routen. Zu groß sind die stetigen Veränderungen auf dem Meeresboden. Im Frühjahr und zum Spätsommer kommt die große Gefahr von plötzlich aufziehendem Seenebel hinzu. Da droht ohne Navigation schnell die Orientierungslosigkeit.

Wattwanderungen sollten nur unter professioneller Führung unternommen werden...

Wattwanderungen sollten nur unter professioneller Führung unternommen werden…

In dem jetzt aktuellen Fall war es ein glücklicher Zufall, dass Wattführer Steffen Hubert-Jessen just an diesem Vormittag mit einer Gruppe eine naturkundliche Führung im Wattenmeer vor der Odde geleitet hat. Er konnte von den Einsatzkräften der Feuerwehr helfend hinzugezogen werden. Die Personen hatten an einer völlig ungeeigneten Stelle den Priel zu durchqueren versucht. Er schaffte es von Land aus die Sieben umzudirigieren und an der richtigen Stelle durch den Priel zu leiten, sodass sie sicher nach Amrum weiterlaufen konnten.

„Die Föhrer Urlauber, vermeintlich tschechischer Herkunft, erklärten beim Eintreffen auf festen Boden, dass sie sich von einer auf Föhr ausliegenden Wanderkarte haben leiten lassen. Die Strecke wäre dort als Wanderweg ausgewiesen und es sei nicht erkennbar gewesen, dass man einen Wattführer bräuchte“, wusste Knauer aus einem ersten Gespräch.

„Die alarmierte Leitstelle hatte aufgrund an der Odde nicht vorhandenen Straßennamen „gegoogelt” und herausgefunden, dass die Stelle bei Google “Schwalbental” heißt. Damit konnte aber keiner auf Amrum etwas anfangen“, so der Notarzt. Der RTW und das Notarzteinsatzfahrzeug des Rettungsdienstes, sowie die Einsatzfahrzeuge der Amrumer Feuerwehren fuhren zuerst zum Strandübergang, um per Allradfahrzeuge von der Nordseite an die Einsatzstelle zu gelangen.

„Mittlerweile hatte ein Spaziergänger einen weiteren Notruf abgesetzt und dabei den Rettungspunkt 4.43, der sich an der Odde befindet, als Standort angegeben. So konnten wir per Geländefahrzeug zu den Betroffenen gelangen“, beschreibt Andreas Knauer den Ablauf. Die anderen Kräfte wurden daraufhin an die Südseite der Amrumer Odde diligiert. Bei diesem Einsatz wurde erneut klar, dass für die alarmierten Rettungskräfte eine schlüssige Ortsangabe für die schnelle Anfahrt unabdingbar ist. Das Netz von Rettungspunkten auf Amrum hat ein weiteres Mal gute Dienste erwiesen und seine Einrichtung gerechtfertigt.

Die Tatsache, dass die Feuerwehr auf Amrum gar nicht für eine Wasserrettung ausgerüstet ist, wurde erneut deutlich. „Zwei Tage vorher geriet bereits ein Stand-up Paddler an der Odde in die Strömung und trieb Richtung Utersum ab. In solch einem Fall sind wir froh, dass wir auf ein gut motorisiertes Privatboot eines Strandkorbverleihers, der auch zu den Aktiven der Wehr gehört, zurückgreifen können“, zeigt sich der Gemeindewehrführer zuversichtlich. Der Wassersportler konnte auf Föhr aus eigener Kraft an Land gehen.

 

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Über Thomas Oelers

Thomas Oelers wurde 1966 in Wittdün auf Amrum geboren - ein echtes Inselkind. Nach seiner Schul- und Ausbildungszeit entschied er sich auf der Insel zu bleiben. Heute arbeitet der Vater von 2 Kindern in einem Wittdüner Betrieb als Zentralheizungs- und Lüftungsbaumeister. Seit 2003 recherchiert und fotografiert er als freier Journalist akribisch im Amrum-News Team.
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