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“Es geht ihnen gut”-Pferdebesitzer decken auf…

Bei Sonnenschein und Wärme stehen Pferde mit Decke auf der Koppel und einige dazu noch mit verbundenen Augen? Mit diesem Vorurteil möchten Pferdebesitzer auf Amrum aufräumen. “Natürlich hat es einen Grund weshalb die Pferde auch bei warmen Temperaturen eine Decke auf haben, es sind Fliegenschutzdecken oder Exemdecken. Diese schützen das Pferd, gerade bei warmen und windstillen Wetterbedingungen, wenn morgens und abends die Mücken und Fliegen kommen. Durch die Fliegenschutzmasken am Kopf können sie ohne Einschränkungen gucken, werden aber nicht permanent von den Fliegen an den Augen genervt,” erklärt eine Besitzerin von Islandpferden.

Mit Exemdecke und Fliegenschutzmaske geht es dem Islandpferd "Greta" gut

Mit Exemdecke und Fliegenschutzmaske geht es dem Islandpferd “Greta” gut

Diese Robust-Pferderasse steht das ganze Jahr über draussen und lebt mit den Wetterbedingungen. Eine natürliche Herdenhaltung im Freien, etwas, was sich viele auf dem Festland wünschen. Jedoch ist diese Haltung für einige Gäste fremd und sie denken eingreifen zu müssen. “Letzte Woche ist jemand auf die Koppel gegangen und hat den Pferden einfach die Decken ausgezogen. Unfassbar, die wußten überhaupt nicht was sie taten, denn diese Pferde brauchen ihre Exemdecken als Schutz. Abgesehen davon, dass sie die Pferde gar nicht kannten und einfach auf eine Koppel gehen, ich war entsetzt”, erklärt eine aufgebrachte Pferdebesitzerin, die täglich mehrmals ihre Islandpferde füttert und pflegt.

Viele stellen extra Doppelzäune auf, damit keiner erst so dicht an die Pferde heran kommt, denn oft werden die Vierbeiner an die Zäune gelockt. Häufig sieht man Erwachsene mit Kindern an den Zäunen die Pferde füttern und streicheln. “Die sind ja so niedlich”, trällert ein kleines blondes Mädchen, als ihr Vater sie hoch hebt, um besser über den Zaun hinweg gezupftes Gras füttern zu können. “Bitte nicht füttern und nicht streicheln”, dieses Schild ist fast an jeder Koppel zu finden, wird jedoch einfach nicht beachtet. “Auf der Koppel fressen sie doch auch das Gras”, argumentiert der Vater. Ja – richtig, aber die Grasbüschel haben wesentlich längere Grashalme als die, die das Pferd selber abfrisst. Das birgt Kolikgefahr in sich, die im schlimmsten Fall sogar tödlich enden kann. Das wissen die meisten Menschen nicht. So kommt es dann zu Streitigkeiten am Zaun zwischen Pferdebesitzern und Menschen, die es eigentlich gut mit den Tieren meinen.

“Unsere Pferde werden bestens von uns versorgt und gepflegt und wir möchten, daß dies akzeptiert wird”, bittet eine Reiterin, die gerade wieder eine Familie aufklärt, wieso sie die Pferde nicht füttern dürfen und weshalb sie bei Sonnenschein mit Decke auf dem Rücken und Binde um die Augen auf der Wiese stehen. “Danke für ihr Verständnis”, lächelt sie der Familie hinterher, die sich einsichtig zeigte und hoffentlich daraus gelernt hat.

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Über Kinka Tadsen

Kinka Tadsen erblickte 1972 in Hamburg das Licht der Welt. Aufgewachsen ist sie dann auf Amrum. Abitur hat sie auf Föhr gemacht und sich für eine Fotografenlehre in Bad Oldesloe entschieden. Fotografen- und Lebenserfahrung hat sie in der großen weiten Welt auf diversen Kreuzfahrtschiffen als Bordfotografin gesammelt. 2003 folgte dann die Rückkehr nach Amrum. Seit 2008 gehört sie als freie Journalistin zum Amrum-News Team.
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