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Naturparadies Norddorfer Marsch – Neuerscheinung: Nonnengänse

Die Marschenwiesen nördlich von Norddorf, im Westen umrahmt von Dünen und einem überwachsenen und überwehten Deich und im Osten begrenzt von einem Asphaltdeich, der nach der großen Orkanflut 1962 errichtet wurde, sind  mit ihren Teichen und Wassergräben ein wahres Naturparadies – obwohl an Fläche kaum einen Quadratkilometer groß. In der herbstlichen Vogelzugzeit halten sich hier einige hundert Pfeifenten auf, die Erpel schon in vollem Brutkleid. Pfeifenten fressen als einzige Entenart ausschließlich Gras, heißen auf friesisch “Smänen” und wurden früher in Mengen in der Vogelkoje Meerum gefangen. Spätestens Mitte Dezember ziehen sie dann über die Nordsee nach Holland und müssen sich dort vor den immer noch in Betrieb befindlichen Vogelkojen hüten.

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Nonnengänse, Pfeifenten und Möwen in der Norddorfer Marsch

Auch die Ringelgänse, die im Frühjahr zu Tausenden die Marsch bevölkern, sind mit ihren erwachsenen Jungen schon auf dem Weg in den Westen Europas, bleiben aber, so lange die Marschenwiesen schneefrei sind, auch im Winter bei uns, zur Zeit mit einer Schar von etwa 50 Gänsen vertreten. Natürlich sind auch die Graugänse, die im Frühsommer im Schilffeld der Marsch und in den Dünen gebrütet haben, zur Zeit mit knapp hundert Vögeln vertreten und harren hier aus, solange kein Schnee fällt. gaense_beobachter_norddorf_webAm auffälligsten aber sind die Scharen der Nonnengänse, an die 300, die sehr ruffreudig sind und deren Geschnatter tagsüber zu hören ist. Nonnengänse, auch Weißwangengänse genannt, sind erst seit zwei Jahren in solcher Anzahl auf Amrum vertreten. Früher kamen sie nur kurzfristig und vereinzelt vor, meistens wenn heftiger Ostwind sie vom Festland herübergeweht hatte. Nonnengänse brüten zum Schutze gegen Polarfüchse auf den schmalen Simsen hoher Felsen auf Eismeerinseln, so dass die nestflüchtenden Jungen bald nach dem Schlüpfen hunderte Meter in die Tiefe springen müssen, um ihren Eltern zum Wasser und zu den Nahrungsplätzen zu folgen. Die Amrumer Landwirte, die schon aufgrund der vielen Grau-und Ringelgänse und der damit verbundenen Beeinträchtigung durch Fraß und Kot auf den Wiesen ihren Viehbestand erheblich reduzieren mussten werden kaum erfreut sein, dass sich jetzt eine weitere  Gänseart auf Amrum etabliert, während Inselgäste über diese Bereicherung der Inselnatur begeistert sind und sich immer wieder mit Ferngläsern auf dem Marschenweg oder auf dem Asphaltdeich versammeln.

Georg Quedens

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