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„Two Shades of Piano-Concert“ – York Kronenberg und Showpianist Felix Reuter zeigten zwei völlig verschiedene Arten eines Klavierkonzerts…

Innerhalb einer Woche konnte das Publikum im Norddorfer Gemeindehaus eindrucksvoll davon überzeugen, dass Klavierkonzerte auf völlig verschiedenen Art und Weise gespielt werden können. Zum einen natürlich klassisch wie beim Konzert des renommierten Pianisten und Schriftstellers Yorck Kronenberg, aber auch ganz modern und vor allem witzig und leicht wie beim Gastspiel von Showpianist Felix Reuter zu erleben.

Showpianist Felix Reuter

Showpianist Felix Reuter

Der Showpianist Felix Reuter war erstmals auf der Nordseeinsel Amrum zu Gast. Und die Zuschauer die ebenfalls zum ersten Mal bei einem Konzert von Felix Reuter waren, erlebten einen Konzertabend, wie sie ihn zuvor wahrscheinlich noch nicht erlebt hatten! Reuter ist nicht nur Pianist, sondern auch Musikkomödiant, Improvisationskünstler und Entertainer in einem. Mit seinem Programm „Die verflixte Klassik“ und seiner besonderen und sehr unterhaltsamen Art zeigt Felix Reuter dabei eindrucksvoll, dass man Klassik auch sehr modern und in einem ganz anderen Rahmen spielen und präsentieren kann. Dabei spielt er keine fertigen Kompositionen, sondern improvisiert die Musikgeschichte von rund 300 Jahren und plaudert dabei auf das Angenehmste. Scheinbar spielerisch leicht werden dabei bekannte Kompositionen der großen Meister wie z.B. Mozart, Beethoven, Chopin  be- und verarbeitet. Dabei entsteht ein Konzerterlebnis der ganz besonderen Art, dass nicht höhrens- sondern auch überaus sehenswert ist! Man erfährt viel Interessantes über die Verwandtschaft zwischen Bach und Jazz, freut sich über den Rock ’n’ Roll von Mozart und lacht über die tausend Schlüsse von Beethoven.

Viele die meinen Klassik sei antiquiert und verstaubt müssen diese Meinung nach einem Besuch von Reuters Konzerten eventuell noch einmal überdenken. Felix Reuter belehrt nicht, er unterhält. Evergreens, die jeder mitpfeifen kann, entdeckt er plötzlich in völlig anderen Werken wieder. Von der Werbung zur Symphonie, oder vom Musical zu Bach. Unterhaltender kann es nicht sein, Musik zu entdecken und erstaunliche Geschichten zu erfahren!

Die an diesem Abend ebenfalls erstmals auf Amrum eingesetzte Videotechnik, mit zwei Kameras wurden zu einen der Pianist selbst und zum anderen seine Hände in Großaufnahme beim Spielen am Flügel gefilmt, sorgten für die zweite Premiere an diesem Abend.

Video-Premiere

Video-Premiere

Die Bilder wurden dann, ergänzt mit einigen anderen Einblendungen, während des Konzerts neben dem Flügel an die Wand übertragen, wodurch wiederum nochmal ein ganz neuer Effekt entstand. So konnte das Publikum fasziniert dabei zusehen, wie Reuter mit seinen Fingern über die Tasten wirbelte. Eine Sicht auf das Geschehen, wie sie einem nicht oft geboten wird. Den mehr als 100 Zuschauern im Norddorfer Gemeindehaus hat es jedenfalls sehr gefallen und auch der Einsatz der Videotechnik kam beim Amrumer Publikum sehr gut an! Es wurde nicht nur begeistert applaudiert sondern auch viel und herzlich gelacht, was bei Klassik-Konzerten eher ungewöhnlich ist. Aber Konzerte von Felix Reuter sind eben auch ungewöhnlich. So haben die Amrumer Zuschauer Klassik wohl wirklich noch nie erlebt!

Nach einigen Jahren Abstinenz durfte sich das Amrumer Publikum wieder über ein Gastspiel von Pianist Yorck Kronenberg freuen. Der heute in Berlin lebende Yorck Kronenberg wurde im Februar 1973 in Reutlingen (Baden-Württemberg)  geboren und war früh Klavierschüler von Prof. Paul Buck in Stuttgart und studierte anschließend Klavier bei Prof. Konrad Elser und bei Prof. James Tocco.

Pianist Yorck Kronenberg

Pianist Yorck Kronenberg

Es folgte ein Kompositionsstudium  bei Prof. Dr. Friedhelm Döhl an der Musikhochschule Lübeck, die als einzige Musikhochschule des Landes Schleswig-Holstein zu den renommiertesten Ausbildungsstätten für hochbegabte junge Musiker gehört. Einem größeren Publikum wurde Kronenberg 1998 bekannt, als er in Saarbrücken als er den internationalen Klavierwettbewerb „Johann Sebastian Bach“ gewinnen konnte. Anschließend wirkte er bei zahlreichen Radioproduktionen mit und trat bei verschiedenen Musik-Festivals wie z.B. dem „Roque dÀnthéron-Klavier-Festival“, den „Schwetzinger Festspielen“,  dem „Mainzer Musiksommer“, den „Bayreuther Festspielen“ oder dem besonders in unserer Region sehr bekanntem „Schleswig-Holstein-Musikfestival“ auf. Heute ist Yorck Kronenberg einer der renommiertesten Pianisten Deutschlands und regelmäßiger Gast in so bedeutenden Konzerthallen wie der Philharmonie Berlin, der Laeiszhalle Hamburg, der Liederhalle Stuttgart oder dem Leipziger Gewandhaus.  Neben der Musik ist Kronenberg aber auch als Schriftsteller erfolgreich. Sein Debütroman „Welt unter“ wurde 2002 bei Edition Nautilus verlegt. Im Jahr 2011 und 2012 folgten  die Romane „Ex voto“ und “War was“. Auch als Autor erhielt er zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen u.a. von der Stiftung Niedersachen und dem Literarischen Colloquium Berlin. Kronenberg veröffentlichte Kurzgeschichten in verschiedenen Anthologien. Im vergangenen Jahr wurde sein aktueller Roman „Tage der Nacht“ als Hardcover beim Deutschen Taschenbuch Verlag (dtv) veröffentlicht.

Bei seinem diesjährigen Gastspiel  auf der Insel Amrum konnten sich die Zuschauer von der Extraklasse von Yorck Kronenberg persönlich überzeugen. Auf dem Programm standen Werke von Johann Sebastian Bach (1685-1750), Arnold Schönberg (1874-1951), Robert Schumann (1810-1856) und im zweiten Teil von Ludwig van Beethoven (1770-1827). Besonders gespannt waren die Zuhörer von den sechs kleinen Klavierstücken op. 19 von Schönberg, (No. 1: Leicht, zart, No. 2: Langsam, No. 3: Sehr langsame Viertel, No. 4: Rasch, aber leicht, No. 5: Etwas rasch, zart aber voll, No. 6: Wie ein Hauch), die man hier wohl noch nicht allzu oft zu bekommen hatte. Das Amrumer Publikum genoss den Abend in vollen Zügen und bedankte sich anschließend und anerkennend mit donnerndem Applaus.

Unter dem Strich stehen zwei Klavierkonzerte die unterschiedlich kaum hätten sein können. Dass aber auch die klassische Musik verschiedene Facetten bietet, konnte eindrucksvoll bewiesen werden. Dem Amrumer Publikum hat es jedenfalls sehr gefallen!

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Über Andreas Buzalla

Andreas Buzalla ist ein waschechter Berliner. 1978 dort geboren, hat er unzählige Urlaube mit seinen Eltern auf der Insel verbracht. 2004 erfüllte er sich seinen großen Traum auf der Insel zu leben. Dazu absolvierte er eine Lehre zum Reiseverkehrskaufmann bei der AmrumTouristik. Heute arbeitet er als Assistent der Veranstaltungsleitung der AmrumTouristik. Seit 2004schreibt er als freier Journalist im Amrum-News Team.
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